Zu die­ser Ausgabe

Über einen Man­gel an Kri­sen kön­nen wir uns im Moment wirk­lich nicht bekla­gen: Kli­ma­kri­se, Corona-​Krise, Ener­gie­kri­se, galop­pie­ren­de Infla­ti­on und Ukraine-​Krise sind nur die größ­ten Gefah­ren­la­gen. Dazu gesel­len sich der Zusam­men­bruch vie­ler Ver­sor­gungs­ket­ten, dro­hen­de Plei­ten von Gewerbe- und Indus­trie­be­trie­ben und feh­len­de Arbeits­kräf­te unter ande­rem in der Gastronomie.

Und jetzt auch noch das: die Braue­rei­kri­se. Vie­le Braue­rei­en sehen sich durch die viel­fäl­ti­gen nega­ti­ven Ein­flüs­se in ihrer Exis­tenz bedroht, ins­be­son­de­re mit­tel­stän­di­sche Braue­rei­en wer­den wie immer am stärks­ten betrof­fen sein. Der Kos­ten­druck wächst auf allen Ebe­nen: stei­gen­de Getrei­de­prei­se durch aus­fal­len­de Ern­ten infol­ge der Ukraine-​Kriegs, ver­teu­er­te Gas‑, Strom- und Kraft­stoff­prei­se als Ergeb­nis der Ener­gie­wen­de und Vor­weg­nah­me des Russland-​Embargos, weg­ge­bro­che­ne und nur zöger­lich wie­der wach­sen­de Absät­ze in der Gas­tro­no­mie als Resul­tat der Corona-​Beschränkungen [ ] und letzt­lich auch die dro­hen­de Wie­der­ein­füh­rung der vol­len Bier­steu­er für klei­ne­re Braue­rei­en [ ].

Der Brau­er­bund jam­mert zwar immer gern und aus­dau­ernd, aber dies­mal scheint es wirk­lich ernst zu wer­den. Die „WELT” pro­phe­zeiht jeden­falls schon mal den Abschied vom 10-​Euro-​Bierkasten [ ], was die „Ber­li­ner Zei­tung” schon im Herbst (lan­ge vor dem Ukraine-​Krieg) ange­kün­digt hat­te [ ]. Auch wenn man das als Kon­su­ment wohl noch ver­kraf­ten könn­te: als Ergeb­nis der Kri­se wird des deut­sche „Big Beer”, also die zwei Hän­de voll deut­scher Groß­braue­rei­en [ ], wei­ter wach­sen und das immer mäch­ti­ger klaf­fen­de Loch im Mit­tel­stand durch die Viel­zahl der Gasthaus- und Mikro­braue­rei­en nicht gestopft wer­den können.

In Gefahr ist nicht das Fern­seh­bier – das wird nur teu­rer – und auch nicht das Desi­gner­bier im urba­nen Craftbier-​Pub für Apo­the­ker­prei­se, wohl aber das Fei­er­abend­bier aus der Braue­rei neben­an, wo man sich den Kas­ten für schma­les Geld direkt an der Ram­pe holen kann.

Womög­lich wird in die­ser Kri­sen­zeit das Heim­brau­en auch vom exo­ti­schen, teu­ren Hob­by zur essen­ti­el­len Über­le­bensstrag­te­gie – wir Hob­by­brau­er sind auf jeden Fall vorbereitet.


Leit­the­men der aktu­el­len Aus­ga­be sind Ener­gie­ein­satz und ‑Ein­spa­rung in der Braue­rei. Jan betrach­tet das für gewerb­li­che Braue­rei­en (Ener­gie­ein­satz in der Braue­rei), und ein zwei­ter Arti­kel unter­sucht die Ein­spa­rungs­mög­lich­kei­ten für Hob­by­brau­er (Ener­gie­spa­ren für Hob­by­brau­er). Inter­es­sant in die­sem Zusam­men­hang ist auch das wie­der auf­le­ben­de Inter­es­se am Kühl­schiff (Mythos Kühl­schiff). Ein geplan­ter zusätz­li­cher Arti­kel über die Geschich­te der Linde-​Kühlmaschine wird in einer spä­te­ren Aus­ga­be nachgereicht.

Oli berich­tet über einen neu­en Ansatz zur Berech­nung des Alko­hol­ge­halts aus Stamm­wür­ze und Rest­ex­trakt (Ein­fa­che Berech­nung des Alko­hol­ge­halts). Ralph lie­fert den zwei­ten Teil der Anlei­tung zum klei­nen Brau­hel­fer (Bier­lein brau dich noch bes­ser).

Das Savoy­en, die fran­zö­si­sche Alpen­re­gi­on, ist nicht gera­de als Bier­pa­ra­dies bekannt – trotz­dem hat Dirk eine Rei­se dort­hin unter­nom­men und eini­ges Inter­es­san­tes für Bier­freun­de gefun­den (Rei­se­be­richt Savoy­en).

Ein loh­nen­des Ange­bot für Hob­by­brau­er hat das Labor Bieranalyse.de von Chris­ti­an Fuchs, das preis­wer­te Bier­ana­ly­sen für Klein- und Hob­by­brau­er anbie­tet und unse­ren Lesern einen spe­zi­el­len Rabatt ein­räumt (Bier­ana­ly­se).

Immer wie­der gern sehe ich Berich­te von Brau­grup­pen über ihre Ver­an­stal­tun­gen. Dies­mal schreibt Ste­fan vom MV-​Hobbybrauertreffen und dem Ver­such, das Zau­chi­sche Land­bier nach­zu­brau­en, wozu auch der holz­be­feu­er­te Außen­back­ofen zum Ein­satz kommt (Brau­be­richt Zau­chi­sches Land­bier). Mehr bit­te davon und von ande­ren Braugruppen!

Lot­te Peplow, euro­päi­sche Bot­schaf­te­rin der ame­ri­ka­ni­schen Bre­wers Asso­cia­ti­on (BA), wer­tet in ihrem Arti­kel die jähr­li­che BA-​Umfrage zu Trends in der US-​Craftbier-​Industrie aus. Die­sen Bei­trag könnt ihr wie bei allen BA-​Texten wie­der im eng­li­schen Ori­gi­nal (The Omni­bi­bu­lous Natu­re of Ame­ri­can Craft Beer Drin­kers) oder deut­scher Über­set­zung lesen (Die omni­bi­ben­si­ve Natur der ame­ri­ka­ni­schen Craftbier-​Trinker).

Aus Ber­lin kommt ein neu­es Bier­la­bel der Braue­rei Lem­ke, über das spe­zi­el­le und expe­ri­men­tel­le Bie­re ver­öf­fent­licht wer­den sol­len, die im eher boden­stän­di­gen Brauhaus-​Sortiment von Lem­ke bis­her wenig Platz hat­ten (Lem­kes Neu­es Bier-​Label: Beer Machi­ne). Das hier beschrie­be­ne Bier ist inzwi­schen lei­der schon aus­ver­kauft, aber Nach­schub an neu­en Sor­ten ist schon angekündigt.

In der Schweiz küm­mert sich der Braue­rei­ver­band um die Orga­ni­sa­ti­on des Tags des Schwei­zer Biers (Tag des Schwei­zer Bie­res am 29. April). Das wür­de ich mir auch für den deut­schen Bier-​Feiertag wün­schen – das ist aber wohl zu viel von Deut­schen Brau­er­bund verlangt.

Mit der „Heim­brau Dort­mund” wird im Som­mer zeit­gleich mit der Dort­mun­der Bier­kul­tur die ers­te Mes­se für Hob­by­brau­er in Nordrhein-​Westfalen statt­fin­den (Heim­brau Dort­mund). Neben der Mög­lich­keit, sich mit Brau­be­darf ein­zu­de­cken, sicher auch eine gute Mög­lich­keit, sich mit den loka­len Hob­by­brau­ern zu vernetzen.

Die Ver­kos­tung des Zywiec Białe löst zwar kei­ne Begeis­te­rungs­stür­me aus, gibt aber einen guten Über­blick über das Sor­ti­ment der pol­ni­schen Heineken-​Tochter (Ver­kos­tung: Zywiec Białe).

Zwei Bücher lege ich euch noch ans Herz: den zwei­ten Teil der Jan’schen Hob­by­brau­er­bi­bel (Buch­tipp: Bier ver­ste­hen) und ein Buch über die Geschich­te und das Nach­brau­en von nord­deut­schen Bie­ren aus der Han­se­zeit (Buch­tipp: Das Bier unse­rer Ahnen).

Viel Spaß mit dem neu­en brau!magazin !


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