Bier­lein brau dich noch besser

Klei­ner Brau­hel­fer 2 – Eine Soft­ware fürs Sud­haus. Teil 2

Als vor einem Jahr der ers­te Teil zum belieb­ten Tool der Klei­ne Brau­hel­fer 2 erschien, wähn­te man sich in der Hoch­pha­se der Ent­wick­lung. Mit bis über 3.500 Down­loads pro Ver­si­ons­schritt kann das Brau­tool Klei­ner Brau­hel­fer 2 nicht nur eine treue Anhän­ger­schaft für sich rekla­mie­ren, es dürf­te im deutsch­spra­chi­gen Raum auch zu den belieb­tes­ten Anwen­dun­gen im Hob­by­brau­er­be­reich zählen.

Was den KBH, so die belieb­te Abkür­zung für Schreib­fau­le, so attrak­tiv für alle mög­li­chen Brau­er­krei­se macht – von der 27-​Liter-​Klasse, über Malz­rohr­sys­te­me, bis hin zum ssBrewtech-​Brauhaus im Hek­to­li­ter­be­reich – ist die ihm eige­ne Flexibilität.

Sie rührt daher, dass die Ent­wick­ler um den Schwei­zer Robotik-​Spezialisten Fré­dé­ric Bour­geois, im deut­schen Hob­by­brau­er­fo­rum wie auf der Ent­wick­ler­platt­form Git­hub, so gut wie jeder Spiel­art des Brau­ens offen gegenüberstehen.

Mit Ver­si­on 2.3.2 hat Bour­geois die Ent­wick­lung aus sei­ner Sicht für abge­schlos­sen erklärt, was aber nicht heißt, dass die Gene­sis des Klei­nen Brau­hel­fers damit endet. Viel­mehr voll­zieht sich seit Win­ter 2021/​22 eine ähn­li­che Ent­wick­lung, wie sei­ner­zeit beim Über­gang von Grem­mels Ver­si­on 1 auf die aktu­el­le Ver­si­on: Eine neue Mann­schaft hat sich ein­ge­klinkt, bereit zu übernehmen.

Die Ent­wick­lung auf mehr Schul­tern zu ver­tei­len, macht den Klei­nen Brau­hel­fer schon heu­te zukunftsstabiler.

1. Auf­ge­wer­te­te Doku­men­ta­ti­on – ein Brau­pro­gramm wird erwachsen

Wie genau sich die­ser Über­gang aus­ge­stal­ten wird, ist der­zeit noch offen. Die auf Git­hub [ ] sich for­mie­ren­de neue Mann­schaft hat bereits in der Ver­si­on 2.3.2 [ ] ihre Hand­schrift in Grund­zü­gen auf­blit­zen las­sen: Mehr Doku­men­ta­ti­on und eine fokus­sier­te­re Kon­zen­tra­ti­on auf wesent­li­che Brau­pro­zes­se wer­den im Hin­ter­grund ste­hen. Vor­ne­an steht dabei das neue von Psyt­rap ent­wi­ckel­te Hil­fe­sys­tem, das der Autor die­ses Soft­ware­por­traits mit einem klei­nen Team wie schon die Tool­Tips zuvor auch fort­an inhalt­lich aus­ge­stal­ten wird.

Die Doku­men­ta­ti­on ist ent­spre­chend dem gestie­ge­nen Leis­tungs­um­fang der Soft­ware in Ver­si­on 2 für das Team eine Her­aus­for­de­rung. Die Mit­ar­beit von Anwen­dern auf der Ent­wick­lungs­platt­form Git­hub ist aus­drück­lich erwünscht.

Neugestaltetes Hilfemenü im Kleinen Brauhelfer v2

Abbildung 1: Neugestaltetes Hilfemenü im Kleinen Brauhelfer v2

Von Pitastic neu gestaltete Hilfesektion. Die Mitarbeit von Anwendern ist ausdrücklich erwünscht.

Abbildung 2: Von Pitastic neu gestaltete Hilfesektion. Die Mitarbeit von Anwendern ist ausdrücklich erwünscht.

Sel­ten genutz­te Fea­tures rücken in Ver­si­on 2.3.2 dage­gen in den Hin­ter­grund, ohne voll­kom­men aus dem Blick zu gera­ten. Dies soll im Ergeb­nis einen auf­ge­räum­te­ren Ein­druck ver­mit­teln. Belieb­te Fea­tures wie Roh­stof­fe, Brau­über­sicht, Gär­ver­lauf und Aus­rüs­tung, die ele­men­tar sind, aber – ein­mal ein­ge­stellt – dem aktu­el­len Sud nur zuar­bei­ten oder außer­halb des eigent­li­chen Brau­pro­zes­ses ste­hen, sind nun logi­scher in die zwei­te Rei­he gerückt, sicht­bar an einer zwei­ten Reiterreihe.

Etwas anders ver­hält es sich mit dem belieb­ten Spick­zet­tel, die Bewer­tun­gen und vor allem die Eti­ket­ten. Sie alle wur­den eben­falls in die zuschalt­ba­re Modul­grup­pe ausgelagert.

All die­se und auch ande­re Tools haben eine spe­zi­el­le Fan­ge­mein­de, deren Funk­tio­na­li­tät aber nicht von jedem Anwen­der gou­tiert wird, was vor allem in den Eigen­ar­ten der ver­schie­de­nen Betriebs­sys­te­me Win­dows, macOS und Linux begrün­det sein mag.

Gemein ist die­sen Funk­ti­ons­grup­pen, dass sie für die Inbe­trieb­nah­me des Pro­gramms ver­zicht­bar sind. Von daher lag es nahe, sie im Schwe­be­me­nü Modu­le ein- und aus­schal­ten zu kön­nen. Kri­tisch kann die unter­schieds­lo­se Dar­stel­lung im Schwe­be­me­nü Modu­le gese­hen wer­den: Eine Tren­nung zwi­schen not­wen­di­gen und ver­zicht­ba­ren Modul­grup­pen gibt es der­zeit nicht.

Nötig und nicht aus­schalt­bar sind allein die Rei­ter Sudaus­wahl, Rezept, Brau­da­ten und Abfülldaten.

Eine Beson­der­heit stellt der Rei­ter Aus­rüs­tung dar; das Pro­gramm warnt den Anwen­der vor Fehl­be­rech­nun­gen, wenn die­ser aus­ge­schal­tet wird. Man kann nur raten, die­se War­nung ernst zu nehmen.

Nahe bei die­ser Not­wen­dig­keit sind auch die Modu­le Roh­stof­fe wegen der Anga­ben zur Aus­beu­te und Gär­da­ten wegen der Aus­wir­kung auf den End­ver­gä­rungs­grad im Rei­ter Abfüll­da­ten anzusiedeln.

Die ande­ren Modu­le kön­nen beden­ken­los an- und aus­ge­schal­tet wer­den; sie grei­fen nicht unmit­tel­bar in die Berech­nung des Brau­pro­zes­ses ein. Im Abschnitt 3. Gutes Bier, sehr gutes Bier – Aus­rüs­tung wer­den die Abhän­gig­kei­ten der Modu­le am Bei­spiel des Moduls Aus­rüs­tung ein­ge­hen­der diskutiert.

Hin­ter­grund für die­se den­noch vor­sich­ti­gen Auf­räum­ak­tio­nen ist der dem Pro­gramm inne lie­gen­de Kon­flikt, alle mög­li­chen Brau­ver­fah­ren und ‑vor­lie­ben bei gleich­zei­ti­ger Über­sicht­lich­keit abzu­de­cken. Ziel ist selbst­re­dend Lern­hür­den für Ein­stei­ger abzusenken.

Eine auf­ge­räum­te Pro­gramm­ober­flä­che ist zum Zeit­punkt aber – soviel sei zuge­ge­ben – an eini­gen Stel­len noch nicht opti­mal gelöst.

2. Werk­statt­be­richt – Ein­stiegs­hür­de Speiseberechung

Natür­lich kann ein Soft­ware­por­trait ein so umfang­rei­ches Pro­gramm wie den Klei­nen Brau­hel­fer 2 nicht in all sei­nen Facet­ten erschöp­fend abhan­deln. Wie umfang­reich die Dis­kus­sio­nen um Sup­port, Funk­tio­nen und Nicht-​Funktionen sind, zeigt allein schon der größ­te Dis­kus­si­ons­fa­den im Forum Hob­by­brau­er [ ]; dort sind annä­hernd 3.000 Bei­trä­ge enthalten.

Wenn es wie hier in Teil 2 um fort­ge­schrit­te­ne Tech­ni­ken mit dem Klei­nen Brau­hel­fer geht, sei doch ein klei­ner Werk­statt­be­richt vor­an­ge­stellt, wie er typi­scher für die Fort­ent­wick­lung des Pro­gramms nicht sein kann:

Unbe­strit­ten führt seit Jah­ren das The­ma Spei­se­be­rech­nung die Hit­lis­te der Sup­port­an­fra­gen an. Die­ses The­ma ist her­vor­ra­gend geeig­net, um den Ziel­kon­flikt zwi­schen Par­ti­al­in­ter­es­sen auf­zu­zei­gen; es ist bei­spiel­haft, dass Ver­ein­fa­chung oft neue Pro­ble­me gene­riert – „Pro­blem gelöst, Pati­ent tot“ könn­te man meinen.

Einst stand die Spei­se­be­rech­nung gleich­be­rech­tigt neben der Spun­dung und ande­ren Metho­den der Kar­bo­ni­sie­rung im Rei­ter Abfüll­da­ten. Arbei­ten mit Spei­se ist bei Anfän­gern beliebt, ver­liert aber mit zuneh­men­der Erfah­rung an Bedeu­tung. Zu pro­mi­nent bemän­gel­ten daher vie­le Nutzer.

Hin­ter­grund der Ände­rung war: Mit immer neu­en Funk­tio­nen wur­de der Rei­ter Abfüll­da­ten zuneh­mend unüber­sicht­lich. Es galt auf­zu­räu­men und die Spei­se­be­rech­nung als wenig genutz­tes Fea­ture soll­te dabei über die Klin­ge springen.

Als Kom­pro­miss wur­de der Pro­zess Spei­se­be­rech­nung in ein eige­nes aus­ge­la­ger­tes Modul ver­scho­ben, der nur bei Bedarf akti­viert wer­den kann, aber ansons­ten inak­tiv ist.

Problemfeld Speiseberechnung

Abbildung 3: Problemfeld Speiseberechnung (1.): Viele Berechnungsfehler im Reiter Abfülldaten sind ursächlich aufgrund eine versehentlich aktivierten Speiseberechnung, vornean die Ausschlagmenge. Hier wird automatisch 1 Liter für speise reserviert. Wer nicht mit Speise karbonisiert, setzt den Wert auf Null und deaktiviert das Modul anschließend

Nicht bedacht wur­de, dass die­se Aus­la­ge­rung neue Pro­ble­me schuf, denn dum­mer­wei­se benö­tigt das Modul Spei­se­be­rech­nung eine Grund­ein­stel­lung, sie ist auf einen Liter fest­ge­legt. Aber genau die­ser eine Liter fehlt vie­len Ein­stei­gern und Anwen­dern, die Rezep­te impor­tie­ren nach einem Brau­tag. Der Vor­wurf lau­tet dann mit schnö­der Regel­mä­ßig­keit: „Der KBH rech­net falsch.“

Schon auf­fal­lend infla­tio­när ist, dass die­se bei­den Anwen­der­grup­pen – KBH-​Einsteiger und Spei­se­lieb­ha­ber – über die­sen Punkt stol­pern: Nie­mand kann sich auf Anhieb erklä­ren, wo der feh­len­de Liter Aus­schlag­men­ge abge­blie­ben ist. Viel zu sel­ten denkt jemand dar­an, dass dies an einem deak­ti­vier­ten Modul liegt – und ehr­lich gesagt, den Pro­gram­m­au­toren geht es nicht anders. Ein­zi­ge Aus­nah­me ist wohl der Haupt­pro­gram­mie­rer selbst, der den KBH nun wirk­lich aus dem Eff­eff kennt.

Dem ist aber so: Stan­dard­mä­ßig reser­viert der Klei­ne Brau­hel­fer einen Liter Spei­se für die Kar­bo­ni­sie­rung. Wer nicht mit Spei­se arbei­tet, muss daher das Modul Spei­se­be­rech­nung akti­vie­ren, den Wert im Rei­ter Abfüll­da­ten als­dann auf null set­zen, dann das Modul wie­der deak­ti­vie­ren. Aus dem Auge aus dem Sinn.

3. Gutes Bier, sehr gutes Bier – Ausrüstung

Der KBH 2 ist ein vor­ein­stel­lungs­in­ten­si­ves Pro­gramm. Vie­le Ein­stei­ger in die Anwen­dung impor­tie­ren oder über­tra­gen anfangs ihre Rezep­te und wun­dern sich, dass die Soft­ware Abwei­chun­gen berech­net, die es in der Rezept­vor­la­ge so nicht gibt.

Bekann­tes Stan­dard­bei­spiel: Das Rezept wur­de mit einer SHA von 70% kal­ku­liert, der KBH aber rech­net mit sei­nen grund­ein­ge­stell­ten 60% oder einem kal­ku­lier­ten Mit­tel­wert. Übli­ches Sze­na­rio: die Schüt­tung im KBH ist grö­ßer oder das Pro­gramm mar­kiert das Rezept feh­ler­haft rot. Ver­ant­wort­lich für die­se Irri­ta­tio­nen ist ein im Hin­ter­grund gebil­de­ter Mit­tel­wert, der schon mit dem ers­ten Rezept greift.

Meist han­delt es sich bei der­ar­ti­gen Abwei­chun­gen um die Schüt­tung, den Haupt- und Nach­guss oder um den Aus­stoß, die nicht den ers­ten Erwar­tun­gen ent­spre­chen. Der Grund dafür sind nahe­zu immer die jewei­li­gen Eigen­hei­ten der Brau­an­la­ge, und dafür ist der Rei­ter Aus­rüs­tung da. Es lohnt sich, die Zeit zu neh­men, die Ein­stel­lun­gen hier gewis­sen­haft vorzunehmen.

Nicht nur, dass die­ser Rei­ter alle, aber auch wirk­lich alle unge­brau­ten Rezep­te glo­bal beein­flusst und vor man­cher bösen Über­ra­schung am Brau­tag wie bei­spiels­wei­se einem über­lau­fen­dem Mai­sche­kes­sel schützt, der Rei­ter Aus­rüs­tung ist auch das wich­tigs­te Tool, wenn es um die Repro­du­zier­bar­keit eines Rezep­tes geht. Der Klei­ne Brau­hel­fer 2 spielt mit die­sem Rei­ter sei­ne gan­ze Stär­ke aus, hier­in ist oft­mals der Unter­schied begrün­det, der da frei nach Shake­speare heißt: Gutes Bier oder sehr gutes Bier, das ist hier die Frage.

Da Brau­kes­sel zylin­drisch sind, ergibt sich die Füll­men­ge für den Maische- und Sud­kes­sel ein­fach aus Durch­mes­ser und Höhe (vgl. Abbil­dung 4., Abschnit­te 2. und 3.). Der KBH 2 ist dabei so intel­li­gent die Aus­deh­nung von kochen­dem Was­ser zu berück­sich­ti­gen, wich­tig bei den Ein­stel­lun­gen des Sud­kes­sels und mit­hin ein Grund, war­um Maische- und Sud­kes­sel getrennt erfasst wer­den, auch wenn es sich bei der Brau­an­la­ge um die Ein­ko­cher­klas­se handelt.

Auch wenn es sich um eine zu ver­nach­läs­si­gen­de Selbst­ver­ständ­lich­keit han­delt, die der Erwäh­nung nicht wert ist: die Berech­nun­gen des Klei­nen Brau­hel­fers 2 zum Rezept sind Vor­her­sa­gen zum Brau­tag. Viel Ver­wir­rung ent­steht bei dem Pro­gramm oft, dass exakt an die­sem Punkt gedank­lich kei­ne Tren­nung zwi­schen Rezept und dem eigent­li­chen Brau­tag gemacht wird. Die­ser Brau­tag wird allein in den Rei­tern Brau­da­ten, Abfüll­da­ten und gege­be­nen­falls Gär­da­ten abgebildet.

Natür­lich ist es einem jeden Brau­er obers­tes Ziel, dass sein Rezept am Brau­tag zu 100 Pro­zent im Rei­ter Brau­da­ten abge­bil­det wird. Dass man die­sem Opti­mum nahe­kommt, dafür sind die Kern­wer­te der Anla­ge (vgl. Abbil­dung 4, Abschnitt 4.) und die Fein­jus­tie­run­gen letz­ter Hand (vgl. Abbil­dung 4, Abschnitt 5) da.

Einstellungen für einen besseren KBH

Abbildung 4: Einstellungen für einen besseren KBH: Höhe und Durchmesser für einen zylindrischen Braukessel (2. Und 3.). Voreingestellte Sudhausausbeute und Verdampfungsrate – zentral für die Berechnung der Schüttung und des Nachgusswassers (4.). Korrekturen für häufige Abweichungen. Hilfreich bei Zeitmangel, wenn der primäre Grund nicht ersichtlich; feste Kosten für Energie und Abschreibung Equipment (5.).

Vor­ein­ge­stell­te Kern­wer­te sind 60% Sud­haus­aus­beu­te und 2,0 l/​h Ver­damp­fungs­ra­te. Die­se ent­spricht den durch­schnitt­li­chen Wer­ten der Ein­ko­cher­klas­se. Wer sich hier anfangs unsi­cher ist, belässt es erst ein­mal bei die­sen Wer­ten. Nach gut fünf Suden wird sich ein ein­heit­li­ches Bild der Brau­an­la­ge her­aus­schä­len. Denn die­ses ist eine der Stär­ken des Rei­ters Aus­rüs­tung: die Durchschnittsberechnung.

Durchschnittsberechnung im Kleinen Brauhelfer

Abbildung 5: Durchschnittsberechnung im Kleinen Brauhelfer. Der Mittelwert wird über den Schieberegler für die letzten Sude (4a.) festgelegt; die Werte erscheinen in den Feldern Durchschnitt für Sudhausausbeute und Verdampfungsrate. Mittels Pfeilbutton können diese als Prozentwert der Sudhausausbeute und Verdampfungsrate l/h übernommen werden. Erst diese Werte gelten programmweit.

Der Schie­be­reg­ler berech­net anhand der gewähl­ten Sudan­zahl just in time den Durch­schnitt der Sud­haus­aus­beu­te und der Ver­damp­fungs­ra­te. Zum Zeit­punkt ist dies aber nicht mehr als ein Vor­schlag und wirkt sich noch nicht auf die Rezep­te selbst aus. Erst mit einem Klick auf die Pfeil­but­tons (vgl. Abbil­dung 5) wer­den die Wer­te über­nom­men und zwin­gend auf alle Rezep­te angewendet.

Zu beach­ten ist, dass es mit dem Schie­be­reg­ler in Abhän­gig­keit von der Zahl der Sude und der Leis­tungs­fä­hig­keit des Rech­ners zu Ver­zö­ge­run­gen im Pro­gramm kom­men kann; es kann auch sein, dass für kur­ze Zeit das Pro­gramm nicht reagiert. Mit jeder Inter­ak­ti­on wird jedes ein­zel­ne Rezept neu berech­net, ent­spre­chend rechen­in­ten­siv ist die­se Funk­ti­on. Der KBH kann bis zu 999 Sude mit einer Maus- oder Wisch­be­we­gung berücksichtigen.

Neu in Ver­si­on 2.2.3 sind deut­lich auf­ge­bohr­te Funk­tio­nen, um die Ver­damp­fungs­ra­te zu ermit­teln. Sie kann jetzt deut­lich exak­ter anhand Tem­pe­ra­tur Koch­be­ginn, Kochen­de und Koch­dau­er ermit­telt wer­den. Dazu wur­de ein neu­es schwe­ben­des Menü ent­wi­ckelt. Es ver­birgt sich hin­ter dem gepunk­te­ten, etwas unschein­ba­ren But­ton links neben dem Feld für die Ver­damp­fungs­ra­te l/​h.

Auch wenn sie immer noch dasteht, ent­ge­gen dem frü­he­ren pro­zen­tua­len Wert der Ver­damp­fungs­ra­te ist nun der Wert Liter pro Stun­de als Maß für die Ver­damp­fung aus­schlag­ge­bend. Allein die­ser Wert wird im Rei­ter Rezept nun­mehr ver­wen­det. Der frü­he­re pro­zen­tua­le Wert Ver­damp­fungs­ra­te heißt nun­mehr rich­tig Ver­damp­fungs­zif­fer. Die­se Fein­hei­ten gehen auf eine inten­si­ve Dis­kus­si­on auf hobbrauer.de zurück, die der Anwen­der Jack­Frost maß­geb­lich klar­ge­stellt hat: Die Ver­damp­fung hängt nicht von der Sud­men­ge, son­dern fast nur von der ein­ge­brach­ten Leis­tung ab. 2 kW ver­damp­fen eine Men­ge x, unab­hän­gig davon, ob in der Pfan­ne 18 oder 35 Liter sprudeln.

Jack­Frost: „Ver­damp­fungs­zif­fer und Ver­damp­fungs­zahl kann man nicht direkt ver­glei­chen, da bei ers­te­rem die Sud­grö­ße eine Rol­le spielt.“

Schwebemenü zur korrekten Berechnung der Verdampfungsrate

Abbildung 6: Schwebemenü zur korrekten Berechnung der Verdampfungsrate in l/h. Gemessen wird zu Kochbeginn (4b.) und zum Kochende (4c.) hin. Entscheidend ist auch die Kochdauer. Die Verdampfungsrate ist maßgebend für die die Berechnung in den Rezepten (4c); die Verdampfungsziffer ist ein früherer Wert, der für Anwender, die sich daran gewöhnt haben, beibelassen wurde.

Wie­der­holt: Ent­schei­dend ist nun­mehr die Ver­damp­fungs­ra­te in l/​h. Die­ser Wert wird in allen Rezep­ten ange­wen­det. Die Ver­damp­fungs­zif­fer wur­de auf Wunsch eini­ger Anwen­der bei belas­sen, die sich dar­an gewöhnt haben.

Die Anga­be der Koch­dau­er ist inso­fern sinn­voll, als die Ver­damp­fungs­ra­te mit zuneh­men­der Koch­dau­er abnimmt. Vor­ein­ge­stellt sind 70 min. His­to­ri­sche Rezep­te sehen aber schon gerne120 bis 240 min; bei die­ser Koch­dau­er betrü­ge die Ver­damp­fungs­ra­te nur noch 0,6 l/​h statt der 2,1 l/​h bei 70 min.

Dies lei­tet zu einer Dis­kus­si­on über, die sich jeder expe­ri­men­tier­freu­di­ge Brau­er, der nicht immer das glei­che Mär­z­en macht, stel­len wird: Grund­sätz­lich sind die Mit­tel­wer­te im Rei­ter Aus­rüs­tung eine sinn­vol­le Ange­le­gen­heit. Doch Exo­ten wie ein his­to­ri­sches Rus­si­an Impe­ri­al Stout kön­nen den Mit­tel­wert und damit alle Nach­fol­ge­re­zep­te, die wie­der mehr klas­sisch sind, verfälschen.

In die­sem Fall emp­fiehlt es sich a) die berech­ne­te Ver­damp­fungs­ra­te nur für die­ses Rezept zu über­neh­men, indem auf den Über­trag durch den berech­ne­ten Mit­tel­wert der Sude ver­zich­tet wird, b) das Feld „Sud für die Durch­schnitts­be­rech­nung igno­rie­ren“ im Rei­ter Brau­da­ten anzu­ha­ken und c) nach dem Brau­en kon­trol­lie­ren, ob wie­der die ursprüng­li­che mitt­le­re Ver­damp­fungs­ra­te ein­ge­stellt ist.

Sobald ein Rezept im Rei­ter Brau­da­ten mar­kiert wur­de, bleibt es von allen künf­ti­gen Ände­run­gen der Rezept­be­rech­nung verschont.

Wei­te­re Kor­rek­tur­op­tio­nen bie­tet der Abschnitt Sons­ti­ges (Bild 4, Abschnitt 5). Es sind sel­te­ner genutz­te Optio­nen, die mit Bedacht ein­ge­setzt wer­den soll­ten. So kann die Kor­rek­tur von Nachguss- und Soll­men­ge Sinn machen, wenn es kei­ne ande­re Mög­lich­keit gibt, der Ursa­che auf den Grund zu gehen. Zeit­man­gel wird hier der häu­figs­te Grund sein, ist Brau­en doch eine Ange­le­gen­heit mit sehr sehr vie­len Para­me­tern. Im bes­ten Fall ist es erstre­bens­wert, wenn die Wer­te hier bei null ein­ge­stellt blei­ben. Dann ist davon aus­zu­ge­hen, dass man die Anla­ge aus dem Eff­eff kennt und kei­ne gro­ßen Unbe­kann­ten im Brau­pro­zess lauern.

Das Glei­che gilt auch für die Kor­rek­tur des Farb­wer­tes. Malz ist ein Natur­pro­dukt. Farb­ab­wei­chun­gen sind trotz der moderns­ter Malz­ver­fah­ren natür­lich. Gute Brau­shops bie­ten einen Mit­tel­wert an. Es emp­fiehlt sich die­sen Wert in die Roh­stoff­lis­te einzutragen.

Den­noch kann es regel­mä­ßig zu Abwei­chun­gen im Farb­bild kom­men. Die Grün­de sind neben dem Spit­zen­rei­ter Oxi­da­ti­on und Licht wahr­haft viel­fäl­tig, dass man nicht immer gewillt ist, sich einen Kopf über die Ursa­che zu machen. Es emp­fiehlt sich die Ein­schät­zung anhand hel­ler Bie­re vorzunehmen.

Soll­te hier ein Kor­rek­tur­wert von vier und grö­ßer nötig sein, emp­fiehlt es sich bei allem Zeit­druck trotz­dem sei­nen Brau­pro­zess auf den Prüf­stand zu stellen.

Unter den Betriebs­kos­ten fasst man schließ­lich alle regel­mä­ßi­gen, sud­un­ab­hän­gi­gen Pos­ten zusam­men, die beim Brau­tag ent­ste­hen. Dazu gehö­ren natür­lich in Zei­ten des Ukrai­ne­krie­ges die explo­die­ren­den Ener­gie­kos­ten, die so man­chen Lan­ge­brau­er doch zum Umden­ken bewe­gen dürf­ten wie auch Abschrei­bun­gen für die Aus­stat­tung. Der nächs­te Brau­kes­sel steht auf dem Geburts­tags­wunsch­zet­tel, Mess­ge­rä­te, das Labor für die Hefe­zucht, ein Mai­sche­pad­del aus Edel­stahl sind schließ­lich auch eine Nummer.

Die nicht unmit­tel­ba­ren Gerät­schaf­ten jen­seits des Brau­pro­zes­ses kön­nen übri­gens ganz unten im Rei­ter Aus­rüs­tung erfasst wer­den. Wer dann noch mit zwei oder mehr Brau­an­la­gen arbei­tet, kann ganz oben mit Klick auf den Plus-​Button eine wei­te­re Brau­an­la­ge hin­zu­fü­gen. Die Brau­an­la­ge wird dann in der Lis­te oben mit einem Klick, samt ihrer Vor­ga­ben, aus­ge­wählt. In der Anord­nung ist das nun­mehr deut­lich über­sicht­li­cher und anwen­dungs­freund­li­cher im Ver­gleich zu frü­he­ren Versionen.

4. Ver­steck­te Kil­ler­funk­tio­nen – Sudauswahl

Sobald man frü­her im KBH Rezep­te plan­te, stell­te sich immer par­al­lel dazu die Fra­ge, ob sich die Brau­idee mit dem Roh­stoff­la­ger deckt. Bei einem oder zwei Rezep­ten kann so etwas leicht zu eru­ie­ren sein. Sobald es aber um fünf oder mehr Rezep­te mit unter­schied­lichs­ten Zuta­ten geht, wird es kom­pli­ziert. Und vor allem unübersichtlich.

Der Rei­ter Sudaus­wahl ver­ein­facht das nun erheblich.

Frü­her muss­te man dazu immer zwi­schen dem Rei­ter Roh­stof­fe und dem Rezept hin und her­sprin­gen, sich die ein­zel­nen Zuta­ten hän­disch oder in einer eige­nen Tabel­le notie­ren. Dann das nächs­te Rezept und so fort. Ein müh­se­li­ges und vor allem feh­ler­an­fäl­li­ges Geschäft, das aber nötig ist, da sel­ten ein Brau­shop alle Zuta­ten auf Lager hat. Ein not­wen­di­ges Geschäft, um den CO2-​Abdruck durch zu vie­le Lie­fe­run­gen mög­lichst klein zu halten.

Neben­bei: Man­che Brau­shops bie­ten inzwi­schen auch einen CO2-​neutralen Ver­sand an.

Weil dem Autor das Berech­nen der nöti­gen Men­gen oft zu umständ­lich war, hat er frü­her oft ein­fach nur aus Gefühl bestellt. Und falsch bestellt. Der KBH war hier in der Pra­xis ein­fach nicht anwen­der­freund­lich genug. Das ist pas­sé und ist mit­hin der Grund, war­um die Roh­stoff­ta­bel­le nun­mehr als schwe­ben­des Fens­ter orga­ni­siert ist. Alles steht neben­ein­an­der. Hin und her kli­cken ist nicht mehr nötig.

Gera­de bei der erwei­ter­ten Roh­stoff­ta­bel­le und hier ins­be­son­de­re bei den mit zusätz­li­chen Funk­tio­nen ver­se­he­nen Zusät­zen, ist dies extrem hilf­reich, sind ande­re Aus­beu­te­fak­to­ren als 100% doch schwer zu memo­rie­ren. Hier ist die Rezept­ent­wick­lung einen Schritt ver­ein­facht worden.

So viel sei ver­ra­ten: An einer Drag-​and-​Drop-​Funktion wird der­zeit gearbeitet.

Doch es geht noch einfacher:

Mit Shift lassen sich Rezepte zusammenfassen und auf die Rohstoffliste hin überprüfen.

Abbildung 7: Mit Shift lassen sich Rezepte zusammenfassen und auf die Rohstoffliste hin überprüfen.

Wenn man mit Shift die ein­zel­nen Rezep­te bün­delt, wer­den rechts alle ihre Zuta­ten über­sicht­lich nach Malz, Hop­fen, Hefe und Zusät­zen auf­ge­schlüs­selt zusammengefasst.

Mittels Shift kumulierte Zutatenliste

Abbildung 8: Mittels Shift kumulierte Zutatenliste gewählter Rezepte. Nötige Nachbestellungen sind mit einem Klick ersichtlich. Eine Einkaufsliste wird über die Druckfunktion oder als PDF angeboten.

Gera­de wenn es um den Lieb­lings­hop­fen oder das Malz der Wahl geht, ist das äußerst hilf­reich und ver­hü­tet man­ches Worst-​Case-​Szenario am Brau­tag. Unzu­rei­chen­de Vor­rä­te im Roh­stoff­la­ger wer­den mit einem roten Kreuz markiert.

Ein Klick auf den PDF-​Button gene­riert eine Roh­stoff­lis­te, die sich bequem in den Waren­korb des Brau­shops der Wahl umset­zen lässt.

5. Kate­go­rien­ver­wir­rung Sud­haus­aus­beu­te – Braudaten

Regel­mä­ßi­ge Ver­wir­rung stif­ten die Anga­ben zur Sud­haus­beu­te im Rei­ter Brau­da­ten. Abge­se­hen davon, dass die Begriff­lich­kei­ten um die Effi­zi­enz der Brau­an­la­ge und Gär­pro­zes­ses regel­mä­ßig Ver­wir­rung in der Brau-​Community stif­ten (und von Pro­fis und Hob­by­is­ten unter­schied­lich ange­wen­det und begrün­det wer­den), legt der Klei­ne Brau­hel­fer 2 mit den Anga­ben Sud­haus­aus­beu­te und effek­ti­ve Sud­haus­aus­beu­te noch eine Schip­pe drauf. Die meis­ten Anwen­der – inklu­si­ve des Autors –, fra­gen sich selbst bei regel­mä­ßi­ger Nut­zung des KBH, „Was ist was?“

Dabei ist es recht ein­fach – und doch muss hier der Haupt­pro­gram­mie­rer Fré­dé­ric Bour­geois ran:

Der Begriff Sud­haus­aus­beu­te beschreibt die Effek­ti­vi­tät der Brau­an­la­ge, der Begriff effek­ti­ve Sud­haus­aus­beu­te die Effi­zi­enz des aktu­el­len Brauprozesses.“

Nutzerrätsel Sudhausausbeute erklärt

Abbildung 9: Nutzerrätsel Sudhausausbeute erklärt: Sudhausausbeute ist der Brauprozess bis Kochende, effektive Sudhausausbeute ist der gesamte Brauprozess inklusive Verdünnung beim Anstellen.

Aus­führ­li­cher legt Fré­dé­ric Bour­geois die Tren­nung der bei­den SHA-​Kategorien dar und erklärt etwai­ge Nach­fra­gen: Die pure Sud­haus­aus­beu­te ist die Stamm­wür­ze abzüg­lich Antei­le aus Zusät­zen unmit­tel­bar nach Kochen­de und vor dem Hop­fen­sei­hen. Die Zahl ent­spricht also der Aus­beu­te im aktu­el­len Mai­sche­pro­zess für den Sud des Brautages.

Wird mit High Gra­vi­ty gebraut, liegt die­ser Wert über der effek­ti­ven Sud­haus­aus­beu­te, da die zusätz­li­che Was­ser­zu­ga­be noch nicht statt­ge­fun­den hat.

Die effek­ti­ve Sud­haus­aus­beu­te wird schließ­lich aus der Stamm­wür­ze abzüg­lich Antei­le aus den Zusät­zen und der Gesamt­wür­ze­men­ge beim Anstel­len mit Hefe berech­net. Dies schließt eine etwai­ge Ver­dün­nung mit ein.

Die effek­ti­ve Sud­haus­aus­beu­te wird für die Durch­schnitts­be­rech­nung der Anla­ge her­an­ge­zo­gen und dient somit als Grund­la­ge für die Schüt­tungs­be­rech­nung. Sie ist also der Wert, der unmit­tel­bar in die im Abschnitt 3 „Gutes Bier, sehr gutes Bier – Aus­rüs­tung“ bespro­che­ne pro­gramm­wei­te Grund­ein­stel­lung im Rei­ter Aus­rüs­tung ein­fließt und damit jedes künf­ti­ge Rezept beeinflusst.

6. Visi­on 3.x – Conclusio

Auch wenn der Klei­ne Brau­hel­fer 2 als aus­ge­reift gel­ten darf, so wird es in den kom­men­den Unter­ver­sio­nen doch eini­ge Ver­bes­se­run­gen vor allem im Hin­blick auf die Nut­zer­freund­lich­keit und Über­sicht­lich­keit geben. Und wer weiß, auch wenn das Pro­gramm schon heu­te einer eier­le­gen­den Woll­milch­sau gleich­kommt – ein Bild, das ein stam­meln­der baju­wa­ri­scher Minis­ter­prä­si­dent ger­ne bemüh­te, wenn es nicht um den Trans­ra­pid und den Mün­che­ner Bahn­hof ging – es gibt noch etli­che The­men, vor allem im Bereich Zusät­ze und Design, die noch nicht abge­deckt sind. Aber das wären wohl sol­che für eine Ver­si­on 3.


Ralph R. Kendl­ba­cher ist euro­pa­weit als Pro­jekt­berater unter­wegs. Er kam kurz nach dem Mai­dan, der ukrai­ni­schen Revo­lu­ti­on, auf einem Hotel­bal­kon in Sumy in der Ost­ukrai­ne zum Brauen.
Er bloggt auf Stubby Hobbs. [ ]


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