Knaust – Der ers­te deutsch­spra­chi­ge Bier­füh­rer, jetzt auch als Goog­le Map

Kupferstich auf der Titelseite der "Fünff Bücher "...

Ein Trunckener Mensch/was der sey. Das Eingangsgedicht der "Fünff Bücher ..." in Kupfer gestochen auf der Titelseite einer Ausgabe von 1614

2020 jähr­te sich der Geburts­tag Hein­rich Knausts zum 500sten Mal. Mit einem Spät­werk ist der Päd­ago­ge, Dra­ma­ti­ker, neu­la­tei­ni­sche Dich­ter und katho­li­sche Theo­lo­ge auch in die Bier­ge­schich­te ein­ge­tre­ten.[ ] Doch nach der Durch­sicht der “Fünff Bücher Von der Gött­li­chen und Edlen Gabe der Phi­lo­so­phi­schen, hoch­t­he­w­ren und wun­der­ba­ren Kunst, Bier zu bra­wen.”[ ] muss man kon­sta­tie­ren: “Oft kopiert, aber doch meist über­trof­fen”. Denn der Erkennt­nis­ge­winn bei der Lek­tü­re ist über­schau­bar. Im gan­zen drit­ten Buch küm­mert er sich jedoch dar­um, alle ihm bekann­ten Bie­re ihrer Her­kunft nach auf­zu­lis­ten und zu beschrei­ben. Und dar­in ist er zumin­dest dem Umfang nach der ers­te. Auch wenn er Ver­zeich­nis­se von Vor­gän­gern wie Johan­nes Pla­co­to­mus[ ] mög­li­cher­wei­se in sei­nem Bier­füh­rer ver­ar­bei­tet hat, war sein Werk mit Abstand das größ­te und wohl auch erfolg­reichs­te in sei­ner Zeit. Lesens­wert sind sei­ne Beschrei­bun­gen der bekann­tes­ten Bie­re alle­mal auch heu­te noch.

Jetzt hat der Kie­ler Hob­by­brau­er und His­to­ri­ker Tor­ge Ulke Knausts Braue­rei­ver­zeich­nis in Goog­le Maps visua­li­siert.[ ] So wird augen­fäl­lig, wo die Schwer­punk­te der Wir­kungs­stät­ten Knausts lagen: um Ham­burg, Wit­ten­berg, Cölln (Ber­lins Schwes­ter­stadt auf der Spree­insel), Sten­dal, Meck­len­burg, Dem­min, Ham­burg, Lübeck, Bre­men und zuletzt Erfurt, wo das Werk wohl auch ent­stand. Der geo­gra­phi­sche Schwer­punkt liegt in Nord­deutsch­land, genau­er im Harzumland.

Dank der Grup­pie­rung in Regio­nen las­sen sich die meis­ten Orte trotz der alten Schreib­wei­sen gut iden­ti­fi­zie­ren. Ein­zig Linck­quitz, einem der “Dörf­fer Bier in Dürin­gen”, haf­ten Zwei­fel an. Mög­li­cher­wei­se ist es gar kein Dorf (die Auf­zäh­lung ent­hält übri­gens Städ­te und Dör­fer), son­dern wur­de nach einem Brau­her­ren und Guts­ver­wal­ter benannt. Mög­lich wäre auch Leng­witz, eine Vor­stadt von Arn­stadt. Schwie­rig­kei­ten berei­tet dann nur der laut­li­che Über­gang vom i zum e in der Knaust’schen Schreib­wei­se und dass der Ort von den ande­ren in der Grup­pe der „Dorf­bie­re” weit ent­fernt liegt.

Europa durch das Bierglas Heinrich Knaust

Europa durch das Bierglas Heinrich Knausts

Die Detail­kennt­nis bestimm­ter Land­schaf­ten ver­ra­ten per­sön­li­che Bezü­ge, die auch als Quel­le für Knausts Bio­gra­phie die­nen kön­nen. Ande­re sind wohl Rei­sen (nach Ham­burg, Lübeck, Mag­de­burg, Dan­zig und Kopen­ha­gen) und Infor­man­ten zu ver­dan­ken, nicht zuletzt dem schon genann­ten Vor­läu­fer Pla­co­to­mus. Außer­halb des bio­gra­phi­schen Fuß­ab­drucks (also Nord‑, Ost­see, Harz­raum, Thü­rin­gen und Sach­sen) wer­den die Anga­ben auch gern unscharf (z.B. mit „Eng­land”, „Polen”, „Liv­land”). Auf­fäl­lig für moder­ne Leser ist die Lee­re süd­lich der Linie Mainz-​Würzburg-​Bamberg-​Prag- Bres­lau. (Alt-) Bay­ern und gro­ße Tei­le Böh­mens – ein wei­ßer Fleck auf der Bierlandkarte!

Neben der geo­gra­phi­schen Ord­nung gibt uns Knausts drit­tes Buch auch Ansatz einer Stil­kun­de: Er unter­schei­det die Bie­re zunächst nach ihrer Her­kunft, dann auch nach ihrer Brau­art. Grund­sätz­lich kennt er Weiß­bie­re und Rot­bie­re und unter­schei­det die­se auch noch wei­ter nament­lich: Gose, Broi­han als Weiß­bie­re oder Mum­me als Rot­bier. Hier kann man also schon eigent­lich von Bier­sti­len spre­chen. Denn die Gose z.B. wird zwar ihrem Ursprung nach zwar Gos­lar zuge­ord­net, dar­über­hin­aus aber auch noch an ver­schie­de­nen ande­ren Orten in unter­schied­li­chen Qua­li­tä­ten gebraut (Aschers­le­ben, Blan­ken­burg etc.)

Ins­ge­samt wer­den 116 Orte auf­ge­führt. Braue­rei­en, die ihre loka­le Brautra­di­ti­on nach­spü­ren wol­len, wer­den in vie­len Fäl­len in Knaust einen Zeu­gen für ihre Zunft­vor­fah­ren fin­den. Die Goog­le Map von Tor­ge Ulke erleich­tert die Prü­fung und gibt ers­te Hin­wei­se. Die voll­stän­di­ge Beschrei­bung wird man im Ori­gi­nal­text begut­ach­ten können.

Über eine gro­be Cha­rak­te­ri­sie­rung und Bewer­tung geht es aber auch dort meist nicht hin­aus. Aus­nah­men sind z.B. das Bier aus Ham­burg (Knausts Geburts­ort) und das aus Dan­zig, die aus­führ­lich beschrie­ben wer­den. Kein Zufall dürf­te es sein, dass die Brau­er­zunft genau in die­sen bei­den Städ­ten als Wid­mungs­neh­mer (Mäze­nen) auf­tre­ten. Ande­re Orte wer­den teils nur mit dem Namen erwähnt. Im bes­ten Fall gibt es einen Hin­weis auf die Zuta­ten (Rot­bier aus Gers­te vs. Weiß­bier aus Wei­zen). Der Beschrei­bung eines Brau­pro­zes­ses wid­met Knaust gera­de mal eine Sei­te. Der Titel der fünf Bücher “… von der … Kunst Bier zu brau­en” kann also kaum wört­lich genom­men wer­den, und eine Hil­fe zur Rekon­struk­ti­on der his­to­ri­schen Bie­re ist er nicht. Denn, so Knaust, wer dar­an inter­es­siert ist, “kann leicht die Brau­er befra­gen”.[ ]

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