Frischer Hopfen — direkt in die Würze

Ein Frisch­hop­fen­bier wird bei mir jedes Jahr im Sep­tem­ber gebraut. Bis­her bekam immer der Cas­ca­de den Vor­rang, weil des­sen Aro­men am pro­mi­nen­tes­ten im Bier wahr­nehm­bar sind. Dem Ver­öf­fent­li­chungs­ter­min geschul­det wird die­ses Jahr aber der Sty­ri­an Gol­ding ver­ar­bei­tet, denn er ist 2 bis 3 Wochen frü­her ern­te­reif.

Wann ernten?

Jede Hop­fen­sor­te hat einen typi­schen Ern­te­zeit­punkt, der von ihrer Gene­tik bestimmt wird. Namen wie „Hal­ler­tau­er Mit­tel­früh” und „Hers­bru­cker Spät” deu­ten dar­auf hin, dass die Hop­fen­bau­ern schon früh die Sor­ten nach der Rei­fe­zeit aus­ge­sucht haben. Das macht auch Sinn, denn die Ern­te ist eine zeit­rau­ben­de Ange­le­gen­heit und zieht sich über meh­re­re Wochen hin. Gut, wenn man dann meh­re­re Sor­ten ange­baut hat, die man nach­ein­an­der zum jeweils opti­ma­len Zeit­punkt ern­ten kann.

Aber wie bestimmt man den genau­en Ern­te­zeit­punkt? Ers­tes äuße­res Anzei­chen der Rei­fe ist der Beginn des Wel­kens der Dolden-​Deckblätter an den Spit­zen. Im Bild oben ist das in den Anfän­gen zu erken­nen: Die Spit­zen der äuße­ren Blät­ter wer­den lang­sam braun, die Dol­de fühlt sich tro­cken an, raschelt beim Drü­cken und gibt elas­tisch nach.

Wenn die Dol­den außen kom­plett braun und tro­cken sind, das Lupulin bräunlich-​dunkel wird und ran­zig riecht, hat man das Ern­te­fens­ter ver­passt. Dann ist der Hop­fen nur noch für den Kom­post­hau­fen brauch­bar. Es ist also etwas kri­tisch, den Zeit­punkt der opti­ma­len Aus­bil­dung der Bit­ter­stof­fe und Aro­men zwi­schen gra­si­ger Unrei­fe und Ver­derb­nis zu tref­fen – mit etwas Geduld und Erfah­rung erkennt man die­se Tage aber rela­tiv sicher.

Hopfenpflücken

Wie man den Hop­fen pflückt, hängt ent­schei­dend davon ab, wie er ange­lei­tet wur­de. Im gewerb­li­chen Anbau wach­sen die Ran­ken an Dräh­ten, die bei der Ern­te abge­ris­sen, in der Pflück­ma­schi­ne geschred­dert und mit den Res­ten der Ran­ken kom­pos­tiert wer­den.

Der Hopfenpflückergriff

Der Hop­fen­pflü­cker­griff

Das ist beim hei­mi­schen Anbau eher nicht der Fall. Hier wird man bestrebt sein, den Rank­draht zu erhal­ten. Die Ran­ken vom Draht kom­plett abzu­zie­hen ist aber kaum mög­lich, weil die Pflan­zen­trie­be selbst an glat­ten Dräh­ten eine erstaun­li­che Hal­te­kraft ent­wi­ckeln. Ich schnei­de mit der Gärt­ner­sche­re zunächst die Sei­ten­trie­be ab und tei­le die Haupt­ran­ken, die bei mir ab zwei Metern Höhe waa­ge­recht wach­sen, in etwa viertel- bis halb­me­ter­lan­ge Stü­cken. Höhe­re Rank­dräh­te soll­te man so anbrin­gen, dass man sie oben aus­hän­gen kann.

Im gewerb­li­chen Anbau wer­den die Ran­ken bei der Ern­te bis zum Boden abge­schnit­ten. Das ist mög­lich, weil die Pflan­zen im Früh­jahr immer aus dem Boden neu aus­trei­ben. Wenn man die Mög­lich­keit hat, soll­te man den Hop­fen im eige­nen Gar­ten aber nicht sofort kom­plett zurück­schnei­den, son­dern noch 1,5–2 Meter der belaub­ten Ran­ken ste­hen las­sen. So kön­nen die Pflan­zen noch etwas Kraft tan­ken, bevor sie im Spät­herbst von selbst die Blät­ter fal­len las­sen.

Die Dol­den selbst müs­sen von Hand gepflückt wer­den. Sie sol­len, um das Lupulin zu schüt­zen, mög­lichst kom­plett erhal­ten blei­ben. Ande­rer­seits soll mög­lichst wenig ande­res Pflan­zen­ma­te­ri­al wie Stie­le und Blät­ter im Hop­fen lan­den. Am bes­ten greift man die Dol­den mit Dau­men­na­gel und Zei­ge­fin­ger direkt am Ansatz und zieht sie ab, sie­he Bild rechts. Geüb­te Hop­fen­zup­fer errei­chen dabei eine unglaub­li­che Geschwin­dig­keit, wir Hob­by­pflü­cker gehen eher gemäch­lich ans Werk. Je nach Tracht muss man für die ers­ten Ran­ken schon meh­re­re Stun­den pla­nen.

Trocknen oder sofort verarbeiten

Grü­ner Hop­fen ist ein abso­lu­tes Fri­sche­pro­dukt und kann bei fal­scher Behand­lung inner­halb von Stun­den ver­der­ben. Das Mate­ri­al beginnt nach kur­zer Zeit, sich unter Wär­me­ab­ga­be zu zer­set­zen. Wer ein­mal einen frisch auf­ge­schich­te­ten Gras­hau­fen nach eini­ger Zeit umge­schich­tet hat, weiß, dass man sich an dem hei­ßen Gras im Inne­ren fast die Fin­ger ver­bren­nen kann. Beim Hop­fen kann das sogar bis zur Selbst­ent­zün­dung füh­ren, wodurch schon man­che Spei­cher mit schlecht getrock­ne­tem Hop­fen abge­brannt sind.

Will man den Hop­fen nicht sofort ver­ar­bei­ten, muss er daher so schnell wie mög­lich getrock­net wer­den, um ihn zu sta­bi­li­sie­ren. Pro­fes­sio­nell erle­di­gen das eini­ge Qua­drat­me­ter gro­ße Hor­den, deren Git­ter­bo­den von unten mit tro­cke­ner, hei­ßer Luft durch­stömt wird. Der Hop­fen wird mög­lichst gleich­mä­ßig in einer Höhe von bis zu einem hal­ben Meter dar­auf auf­ge­schich­tet, damit eine homo­ge­ne Tem­pe­ra­tur­ver­tei­lung zustan­de kommt. Der Hop­fen soll, um die Inhalts­stof­fe zu scho­nen, gleich­mä­ßig warm, aber auch an kei­ner Stel­le über etwa 65 °C heiß wer­den. Auf die­se Wei­se trock­net der Hop­fen inner­halb weni­ger Stun­den. In den Anbau­ge­bie­ten lau­fen die meist mehr­la­gi­gen, in typi­schen Tür­men unter­ge­brach­ten Trock­ner wäh­rend der Ern­te­zeit den gan­zen Tag und ver­strö­men in der Umge­bung einen herr­li­chen Duft.

Daheim wird man die­sen Auf­wand nicht trei­ben wol­len. Bei gerin­gen Men­gen kön­nen Dörr­au­to­ma­ten die Trock­nungs­an­la­gen zwar gut erset­zen, aber spä­tes­tens bei der Ver­ar­bei­tung der Ern­te meh­re­rer Pflan­zen wer­den sie zu klein. Auch das direk­te Ein­frie­ren schei­tert meist an dem Volu­men, das fri­scher Hop­fen ein­nimmt. Durch den hohen Was­ser­ge­halt ist es etwa vier- bis fünf­mal grö­ßer als das von getrock­ne­ten, von Hand in Tüten oder Glä­ser gepress­ten Dol­den.

Wenn man eini­ge Qua­drat­me­ter in einem tro­cke­nen, war­men Raum zur Ver­fü­gung hat, kann man den Hop­fen mög­lichst flach auf einem Tuch aus­brei­ten, täg­lich wen­den und so auch in grö­ße­ren Men­gen inner­halb von 3–4 Tagen an der Luft trock­nen.

Die Lage­rung soll tro­cken, kühl und unter Luft­ab­schluss erfol­gen. Pro­fes­sio­nell ist es üblich, den Dol­den­hop­fen in 50-​kg-​Ballots, Pel­lets in luft­dicht ver­schweiß­ten 5-​kg-​Tüten im Kühl­haus zu lagern. Pri­vat kann man eben­so ver­fah­ren, auch wenn die Men­gen gerin­ger sind. Mein Hop­fen wird aller­dings in Glä­sern gela­gert. Bei kräf­ti­gem Stop­fen presst man etwa 250 Gramm tro­cke­ne Dol­den in ein Standard-​Konservenglas. Fest ver­schlos­sen mit einem Twist-​off-​Deckel lagert der Hop­fen dann im Kühl- oder Ger­frier­schrank min­des­tens ein Jahr ohne merk­li­chen Qua­li­täts­ver­lust.

Aber wir wol­len ja direkt brau­en und müs­sen uns zumin­dest für die­sen Teil des Hop­fens kei­ne Gedan­ken über Trock­nung und Lage­rung machen.

Das Basis-​Rezept

Brauanlage

Garten-​Brauanlage mit 50er-​Kegs zum Mai­schen, Läu­tern und Kochen; der klei­ne Topf wird für Infusions- und Nach­guss­was­ser benutzt

In mei­nem Frisch­hop­fen­bier soll der Hop­fen die Haupt­rol­le spie­len. Das Rezept für das Basis­bier hal­te ich des­we­gen bewusst ein­fach. Gut bewährt hat sich ein klas­si­sches Pale Ale aus 90–95 % Pale-​Ale-​Malz und 5–10 % hel­len Kara­mell­mal­zen, das eben­so klas­sisch bei einer Kom­bi­rast um etwa 67 °C ver­zu­ckert und auf eine Stamm­wür­ze um 12–13 °P berech­net wird. Optio­nal kann eine kur­ze Eiweiß­rast ein­ge­scho­ben wer­den, um die schnel­le Klä­rung des Biers zu unter­stüt­zen. Bis zum Läu­tern also kei­ne Beson­der­hei­ten.

Wie bitter ist mein Hopfen?

Das Pro­blem der Hop­fung besteht zum größ­ten Teil dar­in, dass man sich bezüg­lich des Bit­te­rungs­po­ten­zi­als im Blind­flug bewegt. Man kennt zwar in der Regel den durch­schnitt­li­chen Alphasäu­re­ge­halt der Hop­fen­sor­te, aber der kann durch Ein­flüs­se von Stand­ort, Wet­ter, Was­ser­ver­sor­gung und Dün­gung um min­des­tens den Fak­tor 2 schwan­ken. Hin­zu kommt, dass der Hop­fen aus dem Gar­ten meist befruch­tet ist, weil man kaum die Chan­ce hat, sämt­li­che männ­li­che Hop­fen­pflan­zen der Umge­bung aus­zu­rot­ten, wenn man nicht ohne­hin in einem Hop­fen­an­bau­ge­biet wohnt. Das kann den Bit­ter­stoff­ge­halt zusätz­lich erheb­lich absen­ken.

Um auf einen halb­wegs ver­läss­li­chen Bit­ter­wert zu kom­men, soll­te man daher zur Bit­te­rung einen Hop­fen mit genau bekann­tem Alpha-​Wert benut­zen. Auch dann ist der Anteil der Bit­te­rung durch den Aro­ma­hop­fen noch gro­ßen­teils unbe­kannt, macht aber durch die gerin­ge­re Men­ge und Koch­zeit nur noch einen Bruch­teil der Gesamt-​Bitterung aus. Zum Bit­tern kann man einen belie­bi­gen Hochalpha-​Hopfen ver­wen­den, etwa Her­ku­les, Tau­rus, Nord­brau­er oder Magnum — eben das, was gera­de zur Hand ist.

Mit etwas Erfah­rung aus vor­an­ge­gan­ge­nen Suden kann man auch zur Bit­te­rung eige­nen Frisch­hop­fen ver­wen­den, bewegt sich aber bezüg­lich des Bit­ter­werts trotz­dem auf unsi­che­rem Ter­rain. Der Alpha­wert des Bit­ter­hop­fens muss dann eben­so wie bei der Aro­ma­ga­be geschätzt wer­den. Unten mehr dazu.

Die Bit­ter­ga­be soll­te etwa 3/​4 des Bit­ter­werts, in mei­nem Fall also etwa 25–30 IBU lie­fern. Sie wird kurz nach dem Beginn des Kochens gege­ben und die gesam­te Zeit mit­ge­kocht.

Aroma ohne Ende

Aromahopfen

Der Aro­ma­hop­fen steht bereit

Bei der Aro­ma­ga­be kann man dann wesent­lich groß­zü­gi­ger wer­den. Um den Ein­fluss des unbe­kann­ten Alphasäu­re­ge­halts und die Ver­damp­fung wert­vol­ler, leicht flüch­ti­ger Aro­ma­öle klein zu hal­ten, soll­te der Aro­ma­hop­fen mög­lichst spät zuge­ge­ben wer­den. Das kann weni­ge Minu­ten vor Kochen­de, zum Ende des Kochens, in den Whirl­pool oder in den abge­kühl­ten Whirl­pool erfol­gen. Wel­che Vari­an­te man wählt, hängt ganz von den Mög­lich­kei­ten der Brau­an­la­ge und per­sön­li­chen Vor­lie­ben ab.

Will man die Aro­ma­ga­be über die Bit­te­rung berech­nen, muss man den indi­vi­du­el­len Alphasäu­re­ge­halt sei­nes Hop­fens schät­zen. Es hilft, zu wis­sen, wel­chen unge­fäh­ren Alpha­wert der getrock­ne­te Hop­fen hat. Das lässt sich nur durch brau­en und ver­glei­chen mit bekann­ten Hop­fen her­aus­fin­den. In mei­nem Fal­le schät­ze ich, dass mein Hop­fen in getrock­ne­tem Zustand etwa 50 % des durch­schnitt­li­chen Bit­ter­werts der jewei­li­gen Sor­te hat. Die Durch­schnitts­wer­te ent­nimmt man bei­spiels­wei­se der Sor­ten­map­pe des Hop­fen­pflan­zer­ver­bands [1] oder den Ange­bo­ten der Hop­fen­händ­ler.

Bei fri­schem Hop­fen muss man zusätz­lich den höhe­ren Was­ser­ge­halt ein­rech­nen. Fri­scher Hop­fen star­tet mit einem Was­ser­ge­halt von um 80 %, wäh­rend getrock­ne­ter Hop­fen bei etwa 10 % liegt, also weni­ger als ein Drit­tel des Ursprungs­ge­wichts auf­weist. Dazu kommt, dass durch die fes­te­re Struk­tur des fri­schen Hop­fens das Lupulin schlech­ter zugäng­lich ist. Um den glei­chen Effekt zu erzie­len, muss man also min­des­tens die drei­fa­che, eher aber die vier- bis fünf­fa­che Men­ge an Frisch­hop­fen benut­zen.

Zusam­men mit der Ver­dopp­lung durch den ohne­hin gerin­ge­ren Alpha­wert muss man also beim Frisch­hop­fen die sechs- bis (eher) zehn­fa­che Mas­se an Hop­fen benut­zen. Das ergibt schnell erstaun­li­che Men­gen. Aus einer Gabe von bei­spiels­wei­se 75 g Aro­ma­hop­fen wer­den dann 450 bis 750 g, was etwa einem Eimer fri­scher Dol­den statt einer Hand­voll Pel­lets ent­spricht. So hat sich bei mir die Dau­men­re­gel ent­wi­ckelt, dass pro Eimer Bier ein hal­ber Eimer fri­scher Aro­ma­hop­fen nötig ist.

Das kom­plet­te Rezept inklu­si­ve Hop­fen­ga­ben fin­det ihr unten.

An die Kessel!

Bitterhopfen

Der Bit­ter­hop­fen schwimmt schon wäh­rend des Läu­terns in der Wür­ze

Für den Brau­tag zie­he ich mit mei­ner Aus­rüs­tung in den Gar­ten. Da das Frisch­hop­fen­bier von fast jedem mit Begeis­te­rung getrun­ken wird, ver­dop­pe­le ich mei­ne übli­che Aus­schlag­men­ge auf 40 Liter. Dafür eig­net sich am bes­ten mein Set­up mit einem 50er-​Keg als Maisch- und Läu­ter­bot­tich und einem zwei­ten als gas­be­heiz­ter Koch­kes­sel. Infusions- und Nach­guss­was­ser kön­nen in einem klei­ne­ren Topf von gut 20 Liter erhitzt wer­den.

Das Brau­was­ser wird im Kes­sel erwärmt. Zunächst hei­ze ich die Gesamt­men­ge (inklu­si­ve des Infu­si­ons­was­sers) auf die Ein­maisch­tem­pe­ra­tur von 64 °C auf. Mit der Schüt­tung und der (rela­tiv hohen) ther­mi­schen Mas­se des Maisch­bot­tichs erge­ben sich damit die 55 °C der Eiweiß­rast. Schon beim Ein­mai­schen wird das rest­li­che Was­ser wei­ter geheizt, zum Kochen gebracht und dann zuge­brüht. Die Tem­pe­ra­tur erhöht sich damit auf die 67 °C der Kom­bi­rast.

Eine mög­lichst gute Iso­lie­rung des Maisch­bot­tichs sorgt dafür, dass die Tem­pe­ra­tur wäh­rend der fol­gen­den Stun­de nicht zu weit abfällt. Bei Bedarf kann etwa zur Mit­te der Rast ein zu gro­ßer Tem­pe­ra­tur­ver­lust mit 1–2 Litern kochen­dem Was­ser aus­ge­gli­chen wer­den.

Spä­tes­tens jetzt soll­te die Hopfen­ern­te begin­nen. Den Bit­ter­hop­fen brau­chen wir schon zum Beginn des Läu­terns; er wird in die Vor­der­wür­ze vor­ge­legt. Zum Pflü­cken der 2 Eimer oder 1500 g Aro­ma­hop­fen bleibt dann noch eine knap­pe Stun­de. Zum Kochen­de müs­sen sie bereit­ste­hen. Inzwi­schen heizt der Kes­sel das Nach­guss­was­ser auf.

Geläu­tert wird über das im Maisch­bot­tich ein­ge­bau­te Loch­blech. Mit einem Edel­stahl­ei­mer wird die Wür­ze in den Koch­kes­sel trans­por­tiert, in den der Bit­ter­hop­fen vor­ge­legt wur­de und der schon nach der ers­ten Por­ti­on Wür­ze wie­der mit hal­ber Kraft heizt. Um in ver­tret­ba­ren Zei­ten zum Kochen zu kom­men, braucht der Kes­sel einen guten Wind­schutz. Nach und nach füllt sich der Koch­kes­sel und der Nach­guss, der immer kurz vor Tro­cken­lau­fen des Tre­bers in Fünf-​Liter-​Portionen vor­sich­tig über einen Schaum­löf­fel zuge­ge­ben wird, leert sich. Mit dem Refrak­to­me­ter wird kon­trol­liert, dass das Glatt­was­ser nicht unter etwa 3 % Extrakt­ge­halt fällt.

Gekocht etwa eine Stun­de oder so lan­ge, bis min­des­tens die Ziel­stamm­wür­ze erreicht ist. In den letz­ten Minu­ten wird die Kühl­schlan­ge zur Des­in­fek­ti­on mit­ge­kocht.

Hopfen, Hopfen!

Aromahopfen

Der ers­te Teil des Aro­ma­hop­fens kommt nach dem Abstel­len der Flam­me in die Kochfan­ne, in der schon die Kühls­pi­ra­le steckt

Jetzt ist Zeit für den Auf­tritt unse­res Haupt­dar­stel­lers, des Aro­ma­hop­fens. Der ers­te Eimer lan­det direkt nach Abschal­ten der Flam­me im Kes­sel und wird mit dem Brau­pad­del in Bewe­gung gehal­ten, ohne viel Luft unter­zu­rüh­ren. Kurz dar­auf geht die Kühl­schlan­ge in Betrieb, die die Wür­ze inner­halb von etwa 10 Minu­ten auf 80 °C abküh­len soll­te und dann abge­stellt wird.

Jetzt kommt der zwei­te Eimer Hop­fen zum Ein­satz, der durch die gerin­ge Tem­pe­ra­tur noch fei­ne­re Aro­men ein­brin­gen soll­te. Er wird in den inzwi­schen gerei­nig­ten Maisch- und Läu­ter­bot­tich geschüt­tet und die 80 °C hei­ße Wür­ze dar­über­ge­schöpft. Nach etwa 10–15 Minu­ten soll­te der Hop­fen sein Aro­ma in die Wür­ze über­tra­gen haben. Jetzt müs­sen die Unmen­gen an Hop­fen wie­der ent­fernt wer­den, ohne zu viel der wert­vol­len Wür­ze zu ver­lie­ren.

Das stellt sich oft schwie­rig dar. Bei klei­ne­ren Gefä­ßen kann man die Dol­den zwar gut mit einem Sieb abschöp­fen, im 50-​Liter-​Keg ist das aber nicht mehr mög­lich. Statt des­sen wird die Wür­ze über das Loch­blech abge­las­sen, das jetzt als Hop­fen­sei­her fun­giert. Um die Letz­ten Trop­fen Wür­ze zu gewin­nen, kann der Hop­fen am Ende von oben aus­ge­drückt wer­den.

Kühlen und Anstellen

Die Wür­ze läuft mit ihren immer noch über 70 °C in den Gär­bot­tich ab. Das sorgt auch dort für Keim­ar­mut. Die Kühl­schlan­ge wird im Gär­bot­tich wie­der in Betrieb gesetzt und kühlt die Wür­ze jetzt auf die Anstell­tem­pe­ra­tur von 20 °C ab. Nach Trans­port in den Kel­ler, der jetzt im Spät­som­mer auch um die 20 °C warm und damit für die Gärung eines Ales gera­de noch geeig­net ist, wird die Hefe zuge­ge­ben.

Die Haupt­gä­rung soll­te nach 4–5 Tagen abge­schlos­sen sein. Nach gut einer Woche wer­de ich das Jung­bier in Kegs umschlau­chen und Zucker zur Kar­bo­ni­si­sie­rung auf etwa 4 g/​l dazu­ge­ben. Nach zwei Wochen war­mer und zwei Wochen kal­ter Rei­fung soll­te das Bier bereit zur Ver­kos­tung sein.

Die Hop­fen­aro­men bau­en sich zwar nicht so schnell ab wie bei gestopf­ten Bie­ren, wer­den aber über die Wochen doch immer mil­der. Mehr als ein hal­bes Jahr soll­te man das Bier auch unter güns­ti­gen Bedin­gun­gen nicht lagern. Aber die­ses Pro­blem hat­te ich noch nie: das Bier war immer schon lan­ge vor der Zeit aus­ge­trun­ken.


Rezept Hopfenerntebier 2017

Aus­schlag­men­ge: 40 l
Stamm­wür­ze: 12 °P
Alko­hol: 5 %vol
Bit­te­re: 35 IBU
Far­be: 15 EBC (Kup­fer)

Schüt­tung:
7300 g Pale-​Ale-​Malz (88 %)
700 g Kara­mell­malz hell (8 %)
300 g Bis­cuit Malt (4 %)

Was­ser:
Haupt­guss: 24,5 l
Nach­guss: 24,5 l

Mai­sche:
Schüt­tung Ein­mai­schen in 17 Liter Was­ser mit 65 °C ergibt 55 °C. 10 Minu­ten Rast.
7,5 Liter Was­ser mit 98 °C zuge­ben ergibt 66 °C. 60 Minu­ten Rast.
Abmai­schen wenn jod­nor­mal.

Hop­fen:
220 g Hal­ler­tau­er Bit­ter frisch Dol­den 2.2 % α zur Vor­der­wür­ze, 60 min Kochen (26 IBU, 74 %)
750 g Gol­ding frisch Dol­den 1.1 % α in den Whirl­pool (9 IBU, 26 %)
750 g Gol­ding frisch Dol­den 1.1 % α Whirl­pool 80 °C

Hefe:
2 Päck­chen Fer­men­tis Safa­le US-​05, Gärung bei 20 °C


  1. Sor­ten­map­pe des Hop­fen­pflan­zer­ver­bands
    http://www.hopfen.de/wp-content/uploads/sortenmappe-komplett_DE1.pdf
  2. Hopfen­ern­te­bier 2017 https://brauerei.mueggelland.de/rezeptdetails/items/10528.html

Ein Kommentar zu “Frischer Hopfen — direkt in die Würze

  1. Heiner Busche

    Das Brau­kom­bi­nat Wis­mar macht auch jedes Jahr einen Frisch­hop­fen­sud. Wir haben es längst auf­ge­ge­ben, zu ver­su­chen, auch nur annä­hernd zu errech­nen, wie­viel IBUs da zusam­men kom­men könn­ten. Wir benut­zen aus­schließ­lich Grün­hop­fen mit unbe­kann­tem Alpha-​Säure Wert und einen wil­den Mix aus Cas­ca­de, Magnum , Saphir und Per­le. Nur Mut! Mit etwas Erfah­rung kommt man durch ein­fa­ches Abschme­cken der Wür­ze und ggf. Ver­län­ge­rung der Koch­zeit auf jeden Fall zu einem guten Ergeb­nis. Wenn’s gar zu bit­ter wird, wird aus dem Dop­pel­bock durch Was­ser­zu­ga­be ein­fach ein Einfach-​Bock.

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