Bierbrauen mit der WM66 – Teil 1

Über den Autor – früh gärt sich

Mit 15 Jahren wurden im Keller der Großeltern alte Gärballons entdeckt. Das Kitzinger Weinbuch wurde aus der Bibliothek besorgt und studiert. Mit 16 Jahren erste Gärversuche (Met mit Discounter-Honig), mit 17 erste Brennversuche im Schnellkochtopf mit Liebigkühler (mit sehr mäßigem geschmacklichen Erfolg), bis zum Alter von 20 Jahren diverse Obstweine, zwischendurch Verwüstung der elterlichen Küche mit Johannisbeerwein-Fontäne, Verbannung weiterer Gärungen in den Keller, mehr Met, nach einem katastrophalen Zwischenfall mit 50 Liter Zwetschgen-Wein dann keine Lust mehr und lange Jahre keinerlei Gäraktivitäten.

Dann die Brau-Initialzündung im Jahr 2012 durch ein Weihnachtsgeschenk der Frau: Ein Brauseminar. Dem Seminarleiter werden das Gärfass und zwei Päckchen Hefe abgeschwatzt und der heiße Sud wird unter Murren der Freunde erst zu Fuß quer durch HH ins Hotel getragen und dann später mit dem Zug nach Hause gebracht. Der Frau schwant bereits am heimischen Bahnhof, dass sie einen Fehler gemacht hat, als sie ihren Mann und das Fass erblickt. Von da an überschlagen sich die Brau-Ereignisse.

Erster eigener Sud im 27-Liter-Einkochautomaten in der heimischen Küche. Guinnessartiges Irish Extra Stout, exzellente Wahl für den Anfänger! Große Mengen Rohfrucht in der Schüttung führen zuverlässig zu riesigen Mengen Eiweißschlamm und mangels Erfahrung direkt in die Läuter- und Abseihkatastrophe. Bei unbeholfenen Filterversuchen erfolgte dann die Komplettvermalzung der Küche. Der Küchenabzug wäre beinahe den Kondenswasser-Tod gestorben. Das Bier wurde am Ende übrigens trotzdem recht gut, aber es wurde von der Frau Haus- und Küchenverbot für weitere Brauaktivitäten erteilt. Im besser zu reinigenden Hof erfolgte mit steigender Erfahrung dann bald die Erweiterung der Braukapazität auf einen weiteren 27 Liter Glühweinkessel.

An dieser Stelle kommt dann die WM66 ins Spiel, um deren steinige Ausbaugeschichte es in Teil 1 dieses Artikels gehen soll. Ein separater, etwas sachlicherer Artikel wird sich mit den tückischen Details des Umbaus beschäftigen und praktische Tipps bereithalten.

2014 erfolgte eine weitere Erweiterung der Kapazitäten durch Kauf eines holzbefeuerten 90 Liter Waschkessels, für den im Sommer noch ein Artikel geplant ist.

Es folgte als Nebeneffekt die Infizierung von mehreren Bekannten mit Braubegeisterung. Weitere WM66 Maschinen wurden umgebaut, weitere Ehefrauen verzweifelten und im Zuge der Kollektivierung der Brauaktivitäten erfolgt die Gründung eines Braukombinates. Seitdem erfolgt ein steter Ausbau des Brauequipments und intensive Sud-, Läuter-, Hefe- und Hopfenversuche, Kongressbesuche, und Brau-Beviale Exkursionen. Nebenbei eigener Anbau verschiedener Aromahopfen im heimischen Garten, quasi die „Hallertau des Nordens“.

Bierbrauen mit der WM66

Irgendwie war das Selbstgebraute immer viel zu schnell alle. Die Erkenntnis kam recht bald, mit nur einem Glühweinkessel lohnte der ganze Aufwand auf Dauer nicht. Also wurde rasch noch ein zweiter Glühweinkessel besorgt. Bierbrauen mit zwei 27 Liter Glühweinkesseln war ja nun schon mal deutlich besser als mit einem, aber wie rührte man bloß in zwei Kesseln gleichzeitig? Ohne einen willfährigen Brauhelfer war das eher schwierig. Die Brauhelfer tranken jedoch leider tendenziell zu viel Bier, die eigene Frau weigerte sich, und die Kinder rührten einfach immer zu viel Sand mit in den Sud.

Eine Erweiterung der Braukapazität musste folglich her. Damit einhergehend war der Wunsch nach zumindest einer Teilautomatisierung der Brauvorgänge. Problem dabei
war, dass professionelle Brauanlagen entweder nur ca. 25 Liter Kapazität hatten, oder sie sprengten völlig das Heimbrauer-Budget.

Mit den Einkochautomaten kam ich mangels dritten Armes nicht weiter, ein aufgesägtes Keg über einem Gas-Hockerkocher löste nicht meinen Wusch nach einfacher Automatisierung und auch nicht das Rührproblem. Was ich brauchte war ein ca. 50 Liter Kessel, der rührte und heizte und halbwegs gut zu reinigen war. Als ich das einem Bekannten, der überhaupt nichts mit Bierbrauen zu tun hat erzählte, sagte der nur „WM66“.

Ist man westlich der Elbe groß geworden, denkt man bei WM66 wahrscheinlich an das ärgerliche Finale der Fußball Weltmeisterschaft England gegen BRD. Ist man östlich der Elbe groß geworden, denkt man bei WM66 an seine Oma oder an seine Eltern, denn die hatten vermutlich vor der Wende irgendwann mal eine WM66 in Benutzung.

Bild 1: Frontansicht einer WM66 mit gedämmtem Deckel und Brauthermometer

Bild 1: Frontansicht einer WM66 mit gedämmtem Deckel und Brauthermometer

Bei der WM66 handelt es sich um eine seit 1966 gebaute DDR-Toplader-Wellenrad-Waschmaschine des Kombinates Monsator in Schwarzenberg. Mangel machte damals sehr erfinderisch, so erfreute sich dieses Gerät nicht nur beim Wäschewaschen, sondern unter anderem auch beim Einkochen von Gläsern, Kochen von Zwetschgenmus, Abbrühen von Hühnern und Erwärmen größerer Mengen Flüssigkeit oder Bockwurst großer Beliebtheit.

Es geisterten zwar immer mal wieder Geschichten von einer Studenten WG, welche eine Waschmaschine zum Brauen umbaute herum. Nach kurzer Internetrecherche deutete sich dann an, dass es schon mal Versuche mit der WM66 zum Bier-Brauen gegeben hatte. Details waren aber nirgendwo zu finden. Alle äußeren Anzeichen deuteten aber darauf hin, dass es funktionieren könnte.

Beschaffungsmöglichkeiten

Neu gab es die WM66 natürlich nicht mehr, der Hersteller, das Kombinat Monsator/Schwarzenberg wurde aufgelöst und die Maschine wird seit Jahrzehnten nicht mehr gebaut. Generell galt aber, wer’s eilig hat zahlt viel, wer Geduld hat bekommt sie für eine Kiste Bier. Die Maschine gibt es im Moment auch noch ständig bei Ebay Kleinanzeigen und Co., je nach Zustand und Standort zwischen 30 und 150 Euro, jedoch meistens nur für Selbstabholer, weil sich Privatpersonen scheuen, so etwas Großes zu verschicken. Einige Händler für Gebrauchtgeräte verschicken sie auch, dann aber meist zum Preis um die 100 Euro oder mehr.

Bild 2: Typenschild WM66, hier ein Modell mit Laugenpumpe

Bild 2: Typenschild WM66, hier ein Modell mit Laugenpumpe

Da ich vor Brau-Enthusiasmus förmlich brannte und in der Nähe keine zum Selbstabholen zu finden war, hatte ich natürlich keine Geduld und habe mir meine erste WM66 mit Versandkosten für um die 100 Euro schicken lassen. Der obere Rahmen hat dabei einen Knacks bekommen, was zwar ärgerlich aber nicht tragisch war. Nicht umsonst haben neue Waschmaschinen normalerweise auch heute noch eine Transportsicherung.

Der Basisumbau

Die Maschine heizte und rührte schon mal von Haus aus, daher kam ich im Grunde erst mal mit wenigen, sehr einfachen Modifikationen aus. Das Lochblech, welches die Heizung abdeckte, habe ich vorsichtshalber entfernt. Mit dicker Maische darunter, so argwöhnte ich, würde das sehr wahrscheinlich fürchterlich anbrennen. Guinness war zwar angeblich auf ähnliche Weise entstanden, aber ich wollte ja Pale Ale machen.

Die Zeituhr

Das laute Getickere nervte mich von Anfang an. Spätestens, nachdem ich die Uhr beim Maischen das zehnte Mal wieder auf acht Minuten gestellt hatte und mir die Würze dann doch anbrannte, weil die Rührzeit mal wieder vorbei war, dämmert es mir, dass die Uhr dauerhaft weg musste. Prinzipiell kann man die Uhr aufziehen und den Drehschalter einfach mit einem Zahnstocher verklemmen, sodass die Zeit nicht abläuft.

Bild 5: Bedienfeld der WM66: Links Betriebswahlschalter. Aus, Heizen, Heizen und Wellenrad, nur Wellenrad, Pumpe (falls vor­han­den). Mitte Betriebsleuchte. Rechts Zeituhr für Wellenrad

Bild 5: Bedienfeld der WM66: Links Betriebswahlschalter. Aus, Heizen, Heizen und Wellenrad, nur Wellenrad, Pumpe (falls vor­han­den). Mitte Betriebsleuchte. Rechts Zeituhr für Wellenrad

Ermutigt durch ein Grundstudium der Elektrotechnik gelang es mir aber doch, die Frontpaneele abzuschrauben und die Uhr an der Schraubkontaktseite dauerhaft zu überbrücken. Noch viel später ging mir auf, dass man die Uhr wahrscheinlich auch an der zentralen Klemmleiste unter der Wanne hätte überbrücken können.

Dämmung der Wanne

Aus meinen Erfahrungen mit den Glühwein-Einkochpötten war mir klar, dass ich 45 Liter ohne gute Dämmung der Wanne mit 2000 W Heizleistung wahrscheinlich gar nicht erst zum Kochen bekommen würde. Irgendwie erschien es mir richtig im Hinblick auf die lange Improvisations-Historie der WM66-Nutzung auf eine kreative „so da“ Lösung zurück zu greifen. „Einfach-so-da“ waren einige Dämmplatten von einer Mauerwerkstrockenlegung. Vermutlich Perimeterdämmung, Styrodur oder ähnliches. Der Schnelltest zur Hitzebeständigkeit wurde bestanden. Ein Liter kochendes Wasser verformte die Platten nicht und sie saugten sich auch nicht voll. Mit Cutter, gutem Willen und etwas Gestückele konnte ich zwischen Gehäuse und Wanne rundherum Dämmung klemmen.

Over-Engineering

An dieser Stelle hätte ich im Nachhinein mit dem Umbau erst mal aufhören und einfach losbrauen sollen. Aber hier kam dann der innere Ingenieur durch. Es sollte gleich perfekt werden! Anstatt also einfach einen hitzefesten Stopfen in das kleine Auslaufloch zu machen und loszubrauen, hatte ich mir in den Kopf gesetzt, dass ich unbedingt einen Bodenauslauf in der Wanne, direkt in meine Läuterkiste hinein, haben musste. Das existierende Loch war zwar für Wasserablauf geeignet, aber für dicke Maische viel zu klein und wurde auch noch von der Heizspirale halb verdeckt. Das Ablaufloch musste also folglich vergrößert werden.

Metallbauprofis am Werk

Es ist bei der ganzen Geschichte vielleicht vorab noch anzumerken, dass ich im Grunde über „allerbeste Grundkenntnisse“ in der Bearbeitung von Metall verfüge! Schließlich durfte ich im Alter von ca. 6 Jahren mal zusehen wie mein Vater sich plagte, einen dicken Zaunpfeiler zu durchbohren. Das Ganze erschien mir so derartig mühselig, dass ich fortan jede weitere Metallbearbeitung erfolgreich vermeiden konnte. Kurz gesagt, ich hatte also absolut keine Ahnung wie die Sache anzugehen ist und auch keinerlei geeignetes Werkzeug. Weiß der geneigte Leser im Folgenden also, wie er einiges besser und einfacher machen kann, so glaube ich das gerne und er möge dieses einfach tun!

Der Ingenör weiß sich zu helfen

Nun kamen mir dann die langen Jahre des Ingenieurstudiums am Ende doch noch zur Hilfe. Die wichtigste Erkenntnis der vielen Jahre war nämlich, wenn man selbst keine Ahnung hat, sollte man das ruhig einsehen und einfach jemanden fragen, der sich damit auskennt. Ein Anruf bei einem befreundeten Metallbauer brachte mir dann auch die Information, dass mein Werkzeug der Wahl ein Metallschäl- oder Stufenbohrer ist. Hatte ich natürlich nicht und kannte auch niemanden, der mir so etwas hätte ausleihen konnte. Mein Umbau-Enthusiasmus fand einen ersten herben Dämpfer nachdem ich feststellte, dass sie im nahen orangenen Baumarkt für einen derartigen Stufenbohrer, welcher dann auch groß genug (1/2 Zoll) für meine Zwecke war, auch gleich 40 Euro verlangten. Trotzig habe ich im Internet dann einen für 15 Euro besorgt.

Ein widerspenstiges Loch

Ermutigt durch das Telefon-Briefing fühlte ich mich jetzt quasi als Metallbau-Fachmann. Die Heizspirale war beim Bohren im Weg, wurde von mir deshalb ausgebaut. Sie saß nach einigen Jahrzehnten doch ganz schön fest, ließ sich am Ende aber mit etwas WD40 doch lösen. Nun schaute ich in die Wanne und goss großzügig Öl auf den Lochrand. Dieses Öl, so wusste ich als frischer Bohr-Fachmann, würde der Kühlung dienen. Ein Akkuschrauber mit niedriger Drehzahl und hohem Drehmoment würde meinen Stufenbohrer in Windeseile durch das Stahlblech treiben. Eine halbe Stunde später hatte ich jede Menge Öl verdampft, der Bohrer glühte, beide Akkupacks waren leer, ich war klatschnass und mir dämmerte, dass ich wohl irgendwas falsch machte.

Ein weiterer Anruf bei meinem Metallbau-Kumpel brachte mich am Ende auf den richtigen Weg. Nachdem ich ihm gesteckt hatte, dass ich sehr wohl Links- und Rechtslauf unterscheiden kann und dass ich nicht durch 10 mm Edelstahl will, sondern nur durch ein dünnes 2-3 mm Blech, war auch er dann der Meinung, dass so was nicht länger als zwei Minuten dauern sollte. Er sagte, man merke eigentlich, wenn der Bohrer am Rand des Lochs einhakt und dann das Loch immer weiter ab-spant.

Ab-spanen? Einhaken? Bei mir nicht! Ein böser Verdacht beschlich mich und ich drehte die Maschine einfach mal um, um mir die Wanne von unten anzusehen. Verdammt! Die Lochkante war nach unten hin umgebogen. Das war von oben absolut nicht zu erkennen gewesen und ich hatte die ganze Zeit nicht auf dem Lochrand, sondern auf dem umgebogenen Material gearbeitet. Von unten angesetzt, hatte ich das Loch dann in 60 Sekunden auf die gewünschte Größe geschält.

Eine Frage des tiefen Niveaus

Bild 6: Bodenauslauf-Schlauch für Maische und Hebel mit Kugelhahn Verängerung

Bild 6: Bodenauslauf-Schlauch für Maische und Hebel mit Kugelhahn-Verängerung

Das zu Apothekerpreisen im Baumarkt erworbene Reduzierstück von 3/4 Zoll auf 1/2 Zoll passte perfekt durchs Loch, durch den Absatz hatte ich eine gute Fläche gegen die ich kontern konnte. An meinen nun perfekt befestigten Flansch im Wannenboden wollte ich einen 3/4 Zoll Kugelhahn schrauben und daran einen möglichst großen Schlauchstutzen, um mit schön großem Querschnitt die Maische direkt in meine Läuterkiste zu führen.

Das ging auch alles wunderbar, nur war ich durch Kugelhahn und Schlauchstutzen unter der Wanne schon so tief gekommen, dass mein breiter Maischeschlauch bei Führung ohne Abknicken fast auf Bodenhöhe aus der Maschine kam. Ich würde die Maschine also auf einen mindestens 60 cm hohen Sockel stellen müssen, um die Läuterkiste unterstellen zu können. Ein weiterer Schönheitsfehler der Konstruktion war, dass ich nun zwar einen Kugelhahn hatte, der Hebel dazu aber im Maschineninneren unter der Wanne saß und alle Versuche das mit Hebeln oder Seilzug nach außen zu führen, zusammengefasst Murks waren. Ein Arbeitskollege hat mir am Ende zwei Gewinde in eine längere Alustange geschnitten und ich habe diese dann als Achsverlängerung benutzt und den Hebel nach außen geführt.

Der erste Sud – Ein Pale Ale

Startschwierigkeiten

Bild 7: Brautag auf dem Hof

Bild 7: Brautag auf dem Hof

Anstatt im stillen Kämmerlein die Sache erst mal auszuprobieren, musste die Welt natürlich gleich von meiner „innovativen Braumaschine“ erfahren. Kollege Tobias, der zu Hause in Eigenregie schon mal einen ungenießbaren Extrakt-Sud produziert hatte, war das ideale Testpublikum. Anstatt aber wie von mir erhofft, spontan vor Ehrfurcht auf den Knien zu verweilen, hinterfragte er stattdessen, warum die 35 Liter Hauptguss, die wir soeben eingefüllt hatten, unter der Maschine wieder herausliefen.

Mist! Der Flansch am Wannenboden war nicht ganz dicht. Das Wasser wurde abgelassen und mit vereinten Kräften das Ganze über und unter der Wanne noch mal ordentlich festgezogen.

Wieder wurden 35 Liter eingefüllt und aufgeheizt. Diese Mal war alles dicht, dafür schwamm dann bei Inbetriebnahme das Wellenrad plötzlich oben. Mist, das war wohl nicht richtig arretiert gewesen. Frei Hand bei 60 Grad und 40 cm Wassertiefe war das nicht zu richten. Selbst mit dicker Jacke, Handschuh und Müllsack übergestülpt war es dann grenzwertig heiß, aber am Ende saß das Wellenrad wieder.

Wenn‘s erst mal läuft

Nachdem diese ersten Startschwierigkeiten behoben waren, lief die Sache an sich richtig gut. Das Wellenrad drehte nicht zu schnell, es spritzte nicht, sondern erzeugte einen schönen Strudel, in dem sich das eingestreute Malz klumpenfrei verteilte. Das Aufheizen unter stetem Rühren des Wellenrades auf die nächste Temperaturstufe wurde merklich schneller, nachdem ich auf den Metalldeckel noch eine Isolierung legte. Die Isolierung an sich war ziemlich gut; bei einer 45-minütigen Rast ging gerade mal ein Grad Celsius verloren.

Nach dem Abmaischen war es an der Zeit, meinen Maische-Bodenauslauf zu testen.

Die ganze Pampe lief wie geplant ohne Verstopfung, unterstützt vom sich drehenden Wellenrad, in die Läuterbox. Mit ein wenig Nachgusswasser ließen sich auch die letzten Malzreste wunderbar in die Box spülen.

So weit so gut, aber das Problem was mein Braugehilfe und ich jetzt hatten, war, dass unsere Box auf dem Boden stand. Um aber aus der Box bequem in ein Gefäß abläutern zu können, hätte diese eigentlich mindestens 50 cm hoch stehen müssen. Die Läuterkiste mit gut 50 Liter Füllung wieder irgendwo hoch zu stellen war selbst zu zweit absolut grenzwertig und auf Dauer keine Lösung. Nächstes Mal würden wir die Kiste gleich hoch stellen und die Maische portionsweise in einen 15 Liter Eimer füllen.

Während die Würze kontinuierlich aus der Läuterbox lief, konnten wir das Malz aus der Maschine schaufeln und den Rest bequem über den Bodenauslauf ausspülen.
Die Würze kam dann zurück in die ausgespülte Maschine.

Wenn es mal wieder länger dauert

Das Aufheizen bis zum rollenden Sieden dauerte aber trotz isoliertem Deckel sehr lange. 2000 W Heizleistung waren für fast fünfzig Liter doch ziemlich wenig. Hier würde künftig zusätzliche Heizung in Form eines Tauchsieder zum Einsatz kommen. Wir hatten das Wellenrad beim Ausspülen rausgenommen und beim Hopfenkochen nicht wieder eingesetzt. Das war unbeabsichtigt passiert, es zeigte sich aber dass es an sich kein Problem ist und jetzt, da nur noch Flüssigkeit in der Wanne war, auch ohne zu Rühren nichts mehr anbrannte. Im Hinblick auf mögliche Oxidation der heißen Würze, so redete ich mir mein Versäumnis schön, war es vielleicht sogar ganz gut nicht zu rühren.

Sternzeichen (Wasser-)Waage

Bild 8: Hopfenkochen

Bild 8: Hopfenkochen

Beim Einfüllen der Würze zeigte sich jedoch ein ganz anderes Problem. Die Maschine stand nicht mehr ganz gerade. Die Erfahrung, dass wir die Maschine nicht bis zur Oberkante füllen sollten, war aus erfolgreichem Überkochen der Einkochtöpfe bereits gemacht. Drei Zentimeter Steigraum bis zum Rand sollten es schon sein. Leider hatten wir im Eifer des Gefechts die Maschine nicht besonders waagerecht aufgestellt. Drei Zentimeter auf der einen Seite waren dann sechs Zentimeter auf der anderen. Das ließ für meinen Geschmack dann doch deutlich zu viel Würze über, die nicht mehr rein passte. Die volle Wanne nachträglich kippelfrei auszurichten war nicht einfach.

Nach Kochende kam dann der Whirlpool. Ob mit Wellenrad oder langem Braupaddel, die Würze ließ sich in der rechteckigen Form der Wanne nicht gut in Rotation bringen, und dementsprechend schlecht war dann später auch der Trubkegel ausgebildet.

Ich komme dann mal später wieder

Mit später meine ich dann auch viel später, denn nun sorgte die zuvor bejubelte, sehr gute Isolation der Wanne dafür, dass die Würze selbst bei offenem Deckel sehr lange brauchte um abzukühlen. Praktisch bedeutete das, dass man den Deckel ohne Isolierung zuklappte und zwölf bis vierzehn Stunden später dann immer noch vierzig Grad hatte. Die Würze so lange im kritischen Warmbereich zu halten, war natürlich keine gute Idee. Hier würde in Zukunft noch eine Kühlspirale nötig sein. Beim Abziehen mit Schlauch von oben stellte sich heraus, dass der Heiß- und Kalttrub ziemlich flächig auf dem Boden lag. Am Ende habe ich die Maschine leicht angekippt, um noch die Flüssigkeit zu erwischen, die in der Senke des Wellenrades steckte. Mit zwischengeschaltetem Monofilament-Filter (150 µm) waren die paar Einweißklumpen, die dann mit durch den Schlauch flitzten, kein Problem.

Fazit nach den ersten Suden

Maischen

Das Maischen ging wirklich super, die Temperaturstufen der Rasten konnten zielgenau erreicht und gehalten werden. Der Rührer war auch für dicke High Gravity Maischen stark genug und vermied zuverlässig das Anbrennen.

Maische-Bodenauslauf

Bild 9: Ansicht von unten

Bild 9: Ansicht von unten

Damit das nötige Gefälle zwischen Auslauf, Läuterkiste und Würze-Auffangbehälter gegeben war, hätte man die Maschine in gut 1 Meter Höhe aufstellen müssen, das gefiel mir nicht gut. Die Reinigung meines Maische-Ablaufschlauches, der leider im Inneren der Maschine lief und mit einer Rohrschelle befestigt war, war katastrophal umständlich. Durch das Reduzierstück und die Heizung konnte man den Schlauch von oben nicht besonders gut durchspülen. Es blieben Reste kleben, die dann gammelten. Man musste also die Maschine immer umdrehen, das Teil abschrauben und dann separat reinigen. Das verdarb irgendwie die Freude am Nicht-mehr-Maische-schöpfen-müssen erheblich.

Ich ging dann relativ bald dazu über, den Bodenauslauf nur noch beim Reinigen der Wanne zu benutzen und die Maische lieber mittels einer Teig-Schüssel händisch in die hochgestellte Läuterbox zu schaufeln. Der einzige verbliebene Vorteil dieses Bodenauslaufs war nun, dass ich beim Ausspülen die Maschine nicht auf die Seite kippen musste. Bei Umbauten weiterer Maschinen haben wir dann auf den Boden-Auslauf verzichtet. Dadurch, dass die leere Maschine nicht sehr schwer ist, kann man sie bequem einfach auf die Seite kippen.

Heizung

Die Heizleistung war zum Aufheizen der Maische ausreichend, aber für das initiale Aufheizen des Hauptgusses und für das Erreichen der Siedetemperatur beim Hopfenkochen sind 2000 W einfach grenzwertig wenig und es kostet viel Zeit.

Abkühlung

Dank der guten Isolation verlor die Maschine nach dem Kochen nur sehr langsam Temperatur, hier würde eine aktive Abkühlung nötig sein.

Ausblick

Es gab also noch deutliches Verbesserungspotential.

Ein nachfolgender Artikel wird die Geschichte des Ausbaus zum Schnellheizen, Läutern und Schnellkühlen in der Maschine beschreiben.


Heiner Busche ist Ingenieur, Jahrgang 1977, verheiratet, drei Kinder, wohnt in Wismar an der Ostseeküste.


Abbildungen:

  • Titelbild: Harald Wunderlich, Schwarzenberg
  • Alle anderen Abbildungen: Autor

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