Die Trends bei ame­ri­ka­ni­schem Craft Beer

Bier-​Festivals gibt es auf der gan­zen Welt in den unter­schied­lichs­ten For­men, aber kei­nes erwei­tert die Gren­zen von Inno­va­ti­on und Ent­de­ckung so wie das Gre­at Ame­ri­can Beer Fes­ti­val, das jähr­lich von der Bre­wers Asso­cia­ti­on, der gemein­nüt­zi­gen Han­dels­or­ga­ni­sa­ti­on für klei­ne und unab­hän­gi­ge ame­ri­ka­ni­sche Craft Brau­er, aus­ge­rich­tet wird.

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Nach einer drei­jäh­ri­gen Corona-​Pause fei­er­te das Fes­ti­val, das 1982 mit 24 Braue­rei­en, 47 Bie­ren und 800 Besu­chern star­te­te, in die­sem Jahr sein 40. Jubi­lä­um. Die aktu­el­le Aus­ga­be begrüß­te 500 Braue­rei­en, die 2.000 Bie­re für 40.000 Besu­cher zapf­ten, was wegen Reno­vie­rungs­ar­bei­ten am Colo­ra­do Con­ven­ti­on Cent­re, der Hei­mat des Fes­ti­vals, sogar 25% weni­ger als üblich war. Wie sich die Zei­ten geän­dert haben!

Es ist nicht nur ein Para­dies für Bier­lieb­ha­ber, son­dern auch eine Welt der Unter­hal­tung: mit ver­rück­ten Kos­tü­men, einer stil­len Dis­co, rie­si­gen Brezel-​Halsketten, „Pai­red” – dem ein­zig­ar­ti­gen Erleb­nis mit Kom­bi­na­tio­nen von Bier und Spei­sen, einem Brauer-​Studio mit Dis­kus­sio­nen und Ver­kos­tun­gen und vie­lem, vie­lem mehr, das sich zu einem unver­gess­li­chen Gesamt­erleb­nis verbindet.

Aber ame­ri­ka­ni­sches Craft Beer ist zwei­fel­los der Star der Ver­an­stal­tung. Die all-​inclusive-​Eintrittskarte berech­tigt die Besu­cher dazu, in der 4½-​stündigen Ver­an­stal­tung so vie­le ver­schie­de­ne 30ml-​Bierproben zu ver­kos­ten, wie sie möch­ten. Für die „Hype”-Biere bil­den sich lan­ge Schlan­gen, aber die bier­kun­di­gen, gut vor­be­rei­te­ten Fes­ti­val­be­su­cher haben das gut im Griff! Bei­spiels­wei­se Sier­ra Neva­das neue Zusam­men­ar­beit mit Buf­fa­lo Trace’s Colo­nel EH Tay­lor Bour­bon und ihr „Big­foot” Bar­ley­wi­ne, der sie­ben Jah­re lang in Bour­bon­fäs­sern gereift wur­de und sat­te 15% Alko­hol hat­te. Samu­el Adams brach­te die 2022er Ver­si­on von „Uto­pi­as” auf den Markt, ein extre­mes fass­ge­la­ger­tes Bier, das aus Blends besteht, von denen eini­ge 16 Jah­re alt sind, mit unglaub­li­chen 28% Alko­hol! Frischhop­fen­bie­re waren eben­falls sehr gefragt, da das Fes­ti­val genau zum rich­ti­gen Zeit­punkt nach der Ern­te der letz­ten Mona­te statt­fand. Das War­ten auf die­se Bie­re hat sich gelohnt – dar­auf könnt Ihr wetten!

Lotte Peplow

Lotte Peplow

Ame­ri­ka­ni­sche Craft-​Brauer gel­ten seit lan­gem als die Pio­nie­re der heu­ti­gen Craft-​Bier-​Welt, die wir in der gan­zen Welt erle­ben. Bahn­bre­chen­de Inno­va­tio­nen und ein unbe­irr­ba­res Enga­ge­ment für Qua­li­tät sind die Mar­ken­zei­chen die­ser Bran­che, und das Fes­ti­val bot bei­des in Hül­le und Fül­le. Die wich­tigs­ten Trends waren diese:

IPA

IPAs in ihren vie­len Varia­tio­nen domi­nie­ren wei­ter­hin die ame­ri­ka­ni­sche Craft-​Brau-​Szene mit etwa einem Drit­tel aller Ver­käu­fe. Gut gemach­te, qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge, klas­si­sche IPAs mit kräf­ti­gem, geschmack­vol­lem ame­ri­ka­ni­schen Hop­fen waren auf dem Fes­ti­val weit ver­brei­tet, da sowohl die Brau­er als auch die Bier­kon­su­men­ten eine Rück­kehr zu tra­di­tio­nel­len Geschmacks­rich­tun­gen und Sti­len wie dem IPA der Breaks­ide Bre­we­ry oder dem „Wee­kend Vibes” von Coro­na­do Brewing Co. suchten.

Der neu­es­te Trend in der IPA-​Welt ist das neu­mo­di­sche Cold IPA, ein stark kalt­ge­hopf­tes Ale/​Lager-​Hybrid, das mit unter­gä­ri­ger Hefe bei wär­me­ren Tem­pe­ra­tu­ren ver­go­ren wird, um ein sau­be­res, kna­cki­ges Bier mit inten­si­ver Hop­fung und her­vor­ra­gen­der Trink­bar­keit zu brau­en. Der vor der Pan­de­mie vor­herr­schen­de Trend zu Brut IPA ist ver­schwun­den, wäh­rend Milkshake-​IPAs zwar vor­han­den, aber (zum Glück!) sel­ten waren.

Inner­halb der IPA-​Kategorie sind Impe­ri­al IPAs die trei­ben­de Kraft hin­ter dem heu­ti­gen Wachs­tum, und das spie­gel­te sich auch auf dem Fes­ti­val­ge­län­de wider.

Hazy/​juicy IPAs waren eben­falls beliebt, aber etwas weni­ger als 2019, wo eini­ge Braue­rei­en 3 oder 4 Ver­sio­nen die­ses einen Stils anbo­ten. Gute Bei­spie­le waren das „Back in Da Haze” von Mel­vin Brewing oder das „MoHa­zeIc” von Migra­ti­on Brewing.

Lager und leich­te Biere

Leich­te­re und zugäng­li­che­re Bier­sti­le stan­den stark im Vor­der­grund, mit einer Rück­kehr zu weni­ger anspruchs­vol­len und leich­ter zu trin­ken­den Bie­ren. Lager­bie­re wie Hel­les, Pils­ner, Okto­ber­fest, Fest­bier, Mär­z­en, Bock und vie­les mehr waren stark vertreten.

Mit wenig oder ohne

Alko­hol­freie Bie­re bil­den ein klei­nes, aber schnell wach­sen­des Seg­ment beim ame­ri­ka­ni­schen Craft Bier mit 0,5% des Mark­tes. Das mag wenig erschei­nen, aber ver­gli­chen mit ande­ren Teil­märk­ten des Craft Biers ist es ein gro­ßer Bro­cken. Es gab mehr Leicht- und alko­hol­freie Bie­re als jemals zuvor, und die Brau­er zeig­ten ein hohes Maß an Ein­falls­reich­tum und Fan­ta­sie, zum Bei­spiel der Medail­len­ge­win­ner „Lemon Rad­ler” von Ath­le­tic Brewing.

Holz- und fass­ge­la­ger­te Starkbiere

Pas­try Stouts waren in die­sem Jahr weni­ger gefragt, dafür aber inten­si­ve Bie­re mit hohem Alko­hol­ge­halt. Sehr begehrt waren zum Bei­spiel „Para­bo­la” von Fire­stone Wal­ker, ein Impe­ri­al Stout, das ein Jahr lang in Bourbon-​Fässern gereift ist, und „The Bruery’s Ivoi­re”, ein in Bourbon-​Fässern gela­ger­tes Ale.

Selt­sam und abgefahren

Obwohl es sich nicht unbe­dingt um einen Trend han­delt, lie­ben es die ame­ri­ka­ni­schen Craft-​Brauer, die Gren­zen der Krea­ti­vi­tät zu über­schrei­ten. Hier sind drei Bei­spie­le für bahn­bre­chen­de Ver­rückt­hei­ten, die alle bes­ser schme­cken, als sie klingen:

Car­rot & Tur­me­ric Sai­son (Karotten-​Kurkuma-​Saison)

Gose with mar­sh salt and spi­ru­li­na (Gose mit Meer­salz und Spi­ru­li­na, einer Alge, die dem Bier eine grü­ne Far­be gibt)

Pea­nut But­ter Hefe­wei­zen (Erdnussbutter-​Hefeweizen)

Die Nach­fra­ge nach IPA und hazy/​juicy IPAs spie­gelt sich in den Ergeb­nis­sen des GABF-​Wettbewerbs wider, der zeit­gleich mit dem Fes­ti­val zum 36. Mal statt­fand. In die­sem Jahr wur­den 9.904 Bie­re in 177 Bier­sti­len ein­ge­reicht. Sie wur­den von 235 Juro­ren bewer­tet, die ins­ge­samt 300 Mit­glie­der aus­zeich­ne­ten. Wie die Trends auf dem Fes­ti­val ver­mu­ten las­sen, waren die fünf am häu­figs­ten ein­ge­reich­ten Stilkategorien:

  • Ame­ri­ka­ni­sches IPA mit 423 Bieren
  • Juicy/​Hazy IPA mit 375 Bieren
  • Deut­sches Pils­ner mit 233 Bieren
  • Deut­sches Wei­zen­bier mit 209 Bieren
  • Deut­sches Mär­z­en mit 207 Bieren

Der Gewinn einer Medail­le beim GABF ist sehr pres­ti­ge­träch­tig und eine Aner­ken­nung exzel­len­ter Brau­kunst. Der Wett­be­werb zwi­schen den Brau­ern ist inten­siv und die schie­re, unbän­di­ge Freu­de, wenn eine sieg­rei­che Braue­rei bekannt gege­ben wird, zeugt davon. Sie jubeln, schrei­en, umar­men sich und klop­fen sich gegen­sei­tig auf die Schul­tern, bevor sie auf die Büh­ne gehen, um ihre Medail­le in Emp­fang zu neh­men und für ein Sie­ger­fo­to zu posieren.

Chris Wil­liams, Wett­be­werbs­lei­ter des GABF, sagt: „Jedes Jahr zeigt das Gre­at Ame­ri­can Beer Fes­ti­val das Bes­te, was ame­ri­ka­ni­sche Brau­er zu bie­ten haben. Mit 9.904 Anmel­dun­gen war der dies­jäh­ri­ge Wett­be­werb der bis­her wett­be­werbs­in­ten­sivs­te und hat wahr­lich gezeigt, war­um die USA die bes­te Bier­na­ti­on der Welt ist”.

Man­che Gewin­nerbie­re fin­den viel­leicht ihren Weg auf die Export­märk­te, wie z. B. das „Hach­imit­su Mai” der Deschu­tes Bre­we­ry, ein Lager­bier mit gepuff­tem Jas­min­reis, fast ohne Hop­fen und chi­le­ni­schem Ulmo-​Honig, oder das „White” von Allagash Brewing, ein bel­gi­sches Wit, das bei euro­päi­schen Bier­wett­be­wer­ben häu­fig Medail­len gewinnt. Ach­te auch auf das „Sun­ny Litt­le Thing” von Sier­ra Neva­da Brewing, ein Wei­zen­bier mit Zitrus­früch­ten, oder das „Madu­ro” Brown Ale von Cigar City Brewing.

Eini­ge Brau­er haben nicht nur ihre Brau­kunst, son­dern auch ihre Krea­ti­vi­tät bei der Namens­ge­bung unter Beweis gestellt. Nach Mei­nung des Autors geht der wit­zigs­te und respekt­lo­ses­te von allen an den Gewin­ner der Hazy/​Juicy-​IPA-​Kategorie: „Anhy­zer Kush”!

Die­je­ni­gen, die das Glück hat­ten, ein Ticket für „Pai­red” zu ergat­tern, kamen in den Genuss von 25 unab­hän­gi­gen ame­ri­ka­ni­schen Craft Braue­rei­en und 25 renom­mier­ten Köchen, die sich zusam­men­ge­tan haben, um wah­re Köst­lich­kei­ten zu kre­ieren, die in Hand­ar­beit mit 50 spe­zi­el­len Bie­ren kom­bi­niert wur­den, die man sonst nir­gend­wo auf dem Fes­ti­val­ge­län­de fin­det. Höhe­punk­te waren „Field to Fer­ment”, ein Frischhopfen-​IPA von Fre­mont Brewing mit 100% Centennial-​Hopfen, der nur 24 Stun­den von der Hop­fen­re­be bis zum Brau­kes­sel brauch­te, gepaart mit einer wür­zi­gen Krabben-​Ceviche, und das „Hoss Okto­ber­fest Lager” von Gre­at Divi­de mit geschmor­ten Rippchen.

In den drei Tagen der Teil­nah­me am GABF habe ich eini­ge der hoch­wer­tigs­ten und außer­ge­wöhn­lichs­ten ame­ri­ka­ni­schen Craft-​Biere pro­biert, die es je gab. Soll­test Du das Glück haben, sol­che Bie­re in dei­nem Geträn­ke­markt zu fin­den, pro­bie­re sie!

Kos­ten­lo­ses Mate­ri­al zum Her­un­ter­la­den, das dir hilft, ame­ri­ka­ni­sches Craft-​Bier zu ver­ste­hen und zu genie­ßen, fin­dest Du unter www.brewersassociation.org

Die Gewin­ner­lis­te fin­det ihr auf der Sei­te des Gre­at Ame­ri­can Beer Fes­ti­vals.


Über die Autorin

Lot­te Peplow ist eine zer­ti­fi­zier­te Cice­ro­ne, akkre­di­tier­te Bier­som­me­liè­re, inter­na­tio­na­le Bier­ju­ro­rin und Bier­au­torin, die Vor­trä­ge und Ver­kos­tun­gen über ame­ri­ka­ni­sches Craft-​Bier durch­führt, Ver­an­stal­tun­gen orga­ni­siert und sich für die Kom­bi­na­ti­on von Bier und Spei­sen ein­setzt. Sie enga­giert sich seit vie­len Jah­ren für die Bre­wers Asso­cia­ti­on, einen Han­dels­ver­band, der klei­ne und unab­hän­gi­ge ame­ri­ka­ni­sche Craft-​Brauereien ver­tritt, und wur­de 2019 zur Bot­schaf­te­rin für ame­ri­ka­ni­sches Craft-​Bier in Euro­pa ernannt. Ihre Auf­ga­be ist es, Mög­lich­kei­ten für die inter­na­tio­na­le Expan­si­on von ame­ri­ka­ni­schem Craft-​Bier zu iden­ti­fi­zie­ren und das Bewusst­sein für die Qua­li­tät und Viel­falt der Bier­sti­le von Ame­ri­kas klei­nen und unab­hän­gi­gen Craft-​Brauereien zu schär­fen. Peplow lebt in Lon­don, Groß­bri­tan­ni­en, und ist außer­dem Mit­glied des Lon­do­ner Ver­kos­tungs­gre­mi­ums von CAMRA.

Über die Bre­wers Association

Die Bre­wers Asso­cia­ti­on (BA) ist der gemein­nüt­zi­ge Han­dels­ver­band, der sich für klei­ne und unab­hän­gi­ge ame­ri­ka­ni­sche Braue­rei­en, ihre Bie­re und die Gemein­schaft der Bier­lieb­ha­ber ein­setzt. Die BA ver­tritt mehr als 5.500 US-​Brauereien. Das BA-​Siegel für unab­hän­gi­ge Craft Braue­rei­en ist ein weit ver­brei­te­tes Sym­bol für Bie­re von klei­nen und unab­hän­gi­gen Craft Braue­rei­en. Die BA orga­ni­siert Ver­an­stal­tun­gen wie den World Beer Cup®, das Gre­at Ame­ri­can Beer Fes­ti­val®, die Craft Bre­wers Con­fe­rence® & Bre­w­Ex­po Ame­ri­ca®, SAVOR™: An Ame­ri­can Craft Beer & Food Expe­ri­ence, Home­brew Con™, Natio­nal Home­brew Com­pe­ti­ti­on und Ame­ri­can Craft Beer Week®. Die BA gibt das Maga­zin The New Bre­wer® her­aus, und Bre­wers Publi­ca­ti­ons® ist der füh­ren­de Ver­lag für Brau­li­te­ra­tur in den USA. Bier­lieb­ha­ber sind ein­ge­la­den, auf CraftBeer.com® mehr über die dyna­mi­sche Welt des Craft-​Biers und über die Ame­ri­can Home­bre­wers Asso­cia­ti­on® der BA und die kos­ten­lo­se Brew Guru® App mehr über das Heim­brau­en zu erfah­ren. Fol­ge uns auf Face­book, Twit­ter und Insta­gram.

Bre­wers Association
1327 Spruce Street
Boul­der, Colo­ra­do, 80302 USA
www.brewersassociation.org

For fur­ther information:
Lot­te Peplow
lotte@brewersassociation.org
+44 (0)7973 698 414


Über­set­zung: Jörg Krü­ger mit Hil­fe von DeepL


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