Zapftechnik in der Praxis

Auswahl eines Durchlaufkühlers

Da mir die bes­ten aller Frau­en und Kin­der in die­sem Jahr einen Durch­lauf­küh­ler für mein Bier ver­ehrt haben, will ich die Gele­gen­heit nut­zen, um eine wei­te­re Arti­kel­rei­he zu eröff­nen, dies­mal zum The­ma Zapf­tech­nik. Der ers­te Teil wid­met sich aus gege­be­nem Anlass der Aus­wahl eines Bier­küh­lers und einem Beispiel-​Setup für eine Zapf­an­la­ge.

Aus­gangs­punkt war ein 30-​Liter-​Fass, dass ich im August 2015 beim Störtebeker-​Brauwettbewerb gewon­nen habe, dass aber nicht in mei­nen Zapf­kühl­schrank passt. Das lie­fer­te den Vor­wand für die Anschaf­fung eines Durch­lauf­küh­lers. Die­se Anla­gen sen­ken die Tem­pe­ra­tur des Bie­res wäh­rend es den Küh­ler pas­siert. Das Fass kann dabei Umge­bungs­tem­pe­ra­tur haben, also im Zim­mer ohne Küh­lung neben dem Durch­lauf­küh­ler ste­hen.

Durch­lauf­küh­ler gibt es in ver­schie­dens­ten Aus­füh­run­gen: Tro­cken oder Nass, mit 1, 2 oder 4 Lei­tun­gen, in Auf- oder Untertisch-​Ausführung, mit unter­schied­li­chen Kühl­leis­tun­gen, mit oder ohne Kom­pres­sor, in „Pro­fi”- oder Nor­mal­aus­füh­rung und von ver­schie­de­nen Her­stel­lern zu sehr unter­schied­li­chen Prei­sen — das ist zunächst ver­wir­rend. Um die Aus­wahl zu erleich­tern, soll­te man sei­nen Bedarf genau ken­nen und wis­sen, wie die ver­schie­de­nen Eigen­schaf­ten sich dar­auf aus­wir­ken.

Im Wei­te­ren ver­su­che ich, die ver­schie­de­nen Eigen­schaf­ten der Bier­küh­ler zu beleuch­ten und soweit zu erkä­ren, wie es zur sinn­vol­len Aus­wahl eines Sys­tems nötig ist. Ich bin kein Schankanlagen-​Fachmann, son­dern nur inter­es­sier­ter Hob­by­brau­er. Daher bit­te ich die Exper­ten um Nach­sicht, wenn ich zu sehr ver­ein­fa­che und um Nach­richt, wenn ich gro­be Schnit­zer gemacht haben und kor­ri­gie­ren soll­te.

Trocken oder Nass?

Ein wich­ti­ges Unter­schei­dungs­merk­mal der Durch­lauf­küh­ler ist das Kühl­prin­zip: Trocken- oder Nass­küh­ler. Bei einem Tro­cken­küh­ler läuft das Bier im Küh­ler direkt durch den Wär­me­über­tra­ger im Kühl­kreis­lauf. Dadurch kön­nen Tro­cken­küh­ler sehr kom­pakt und leicht gebaut wer­den und sind nach weni­gen Minu­ten ein­satz­be­reit. Sie kön­nen aber auch jeder­zeit nur maxi­mal so viel küh­len, wie die Käl­te­ma­schi­ne leis­tet; es gibt kei­nen oder nur sehr klei­ne Puf­fer mit Leis­tungs­re­ser­ven.

Bei einem Nass­küh­ler kühlt die Käl­te­ma­schi­ne zunächst eine Puf­fer­flüs­sig­keit, meist ein­fach Was­ser, in einem im Becken im Küh­ler­ge­häu­se. Das Bier läuft in einer Schlan­ge durch die Flüs­sig­keit.

Zum Trans­port wird die Flüs­sig­keit abge­las­sen und erst vor Ort wie­der auf­ge­füllt. Die Käl­te­ma­schi­ne muss nun zunächst die Puf­fer­flüs­sig­keit auf einen ein­stell­ba­ren Wert her­un­ter­küh­len. Dabei kann sich auch Eis um die Kühl­lei­tun­gen her­um bil­den. Die Wär­me­ka­pa­zi­tät des Kühl­me­di­ums sorgt nun dafür, dass man über einen gewis­sen Zeit­raum mehr Bier küh­len kann, als die Käl­te­ma­schi­ne an Nenn­leis­tung her­gibt. Erst wenn nach einer län­ge­ren Zapf­zeit die Tem­pe­ra­tur der Puf­fer­flüs­sig­keit ansteigt, sinkt die Zapf­leis­tung.

Nass­küh­ler sind somit bes­ser geeig­net, wenn man hohe Zapf­leis­tun­gen über einen gewis­sen Zeit­raum benö­tigt. Sie sind aber wesent­lich grö­ßer und schwe­rer als Tro­cken­küh­ler und benö­ti­gen eine län­ge­re Vor­kühl­zeit von etwa 1–2 Stun­den, sind also nicht qua­si sofort ein­satz­be­reit.

Wieviele Leitungen?

Die Fra­ge nach der Anzahl der Lei­tun­gen klingt zunächst banal, aber es lohnt sich, auch dar­über nach­zu­den­ken. Man braucht natür­lich sovie­le Zapf­häh­ne wie Bier­sor­ten, die gleich­zei­tig aus­ge­schänkt wer­den sol­len.

Frag­lich ist, ob man immer die glei­che Anzahl von Sor­ten zum Aus­schank brin­gen will. Ein Küh­ler mit meh­re­ren Lei­tun­gen ist deut­lich schwe­rer und unhand­li­cher als einer mit weni­gen. Bei Lin­dr wiegt bei­spiels­wei­se ein ein­lei­ti­ger Küh­ler 15kg, ein zwei­lei­ti­ger mit glei­cher Zapf­leis­tung pro Hahn aber schon 28kg, und er ist auch um eini­ges grö­ßer.

Wenn man also nicht stän­dig zwei Sor­ten gleich­zei­tig aus­schän­ken will, kann es im Inter­es­se der Hand­lich­keit und Fle­xi­bi­li­tät durch­aus Sinn machen, lie­ber zwei ein­lei­ti­ge Küh­ler anzu­schaf­fen als einen zwei­lei­ti­gen. Der zwei­te Küh­ler könn­te auch nur bei Bedarf beim Geträn­ke­händ­ler aus­ge­lie­hen wer­den. Das Glei­che gilt natür­lich sinn­ge­mäß auch für mehr­lei­ti­ge Küh­ler.

Die Zapf­häh­ne sind nicht bei allen Küh­lern im Paket ent­hal­ten. Gera­de bei pro­fes­sio­nel­len Küh­lern müs­sen sie oft sepa­rat geor­dert wer­den. Nur Kom­pen­sa­tor­häh­ne sor­gen für schaum­frei­es Zap­fen auch bei hohen Temperatur- und somit Druck­dif­fe­ren­zen und sind des­we­gen ins­be­son­de­re bei nicht vor­ge­kühl­ten Fäs­sern Pflicht.

Drauf oder Drunter?

Unter­tisch­küh­ler sind Gerä­te, die in die Bier­lei­tung ein­ge­schleift wer­den, aber kei­ne direkt ange­bau­ten Zapf­häh­ne besit­zen. Sie wer­den typi­scher­wei­se unter der The­ke ein­ge­baut. Die Bier­lei­tung geht von ihrem Aus­gang dann zu einer Schank­säu­le auf der The­ke. Das sorgt für einen auf­ge­räum­ten Anblick der The­ke, weil der gro­ße Kas­ten des Küh­lers unsicht­bar bleibt. Der Gesamt­auf­bau ist aber auf­wän­di­ger und wenig fle­xi­bel, wes­we­gen er nur für qua­si sta­ti­sche Situa­tio­nen wie z.B. einen Aus­schank­wa­gen ohne Fass­vor­küh­lung geeig­net ist.

Der in Hob­by­brauer­krei­sen häu­fi­ger anzu­tref­fen­de Typ dürf­te der Auf­tisch­küh­ler sein, bei dem die Zapf­häh­ne direkt am Aus­gang des Küh­lers mon­tiert sind. Von außen ist meist sogar nur der vor­de­re Teil des Zapf­hahns sicht­bar; der hin­te­re Teil inklu­si­ve Kom­pen­sa­tor steckt inner­halb des Gehäu­ses. So ist das Gerät kom­pakt und leicht in einem Stück trans­por­ta­bel. Ob die Posi­tio­nie­rung des Küh­lers auf der The­ke ästhe­tisch akzep­ta­bel ist, hängt von der kon­kre­ten Situa­ti­on des Schank­raums ab; oft wird man die­sen Typ für einen nur tem­po­rär auf­ge­bau­ten Aus­schank wäh­len.

Eini­ge Durch­lauf­küh­ler kön­nen sowohl als Auf- als auch als Unter­tisch­ge­rät benutzt wer­den. Mon­tiert man die Häh­ne direkt am Küh­ler, fun­giert er als Auf­tisch­ge­rät, wer­den am Aus­gang Schläu­che zu einer Zapf­sä­le ange­schlos­sen, ist er ver­steckt als Unter­tisch­ge­rät nutz­bar.

Welche Kühlleistung?

Die Kühl­leis­tung oder Käl­te­leis­tung bestimmt, wie viel Wär­me­en­er­gie der Küh­ler je Zeit­ein­heit abfüh­ren kann und ist somit unter ande­rem maß­geb­lich dafür, wie­viel Bier in einer bestimm­ten Zeit­span­ne gezapft wer­den kann. Ein Nass­küh­ler kann die­se Kühl­leis­tung durch die Puf­fer­wir­kung des Kühl­flüs­sig­keit für eini­ge Zeit über­schrei­ten — lang­fris­tig kann die­ser aber auch nicht mehr Bier küh­len, als sei­ne Kühl­leis­tung her­gibt.

Die Kühl­leis­tung wird tra­di­tio­nell in PS oder in Watt ange­ge­ben. Die Span­ne reicht dabei von etwa 1/​8 PS oder 150W bis etwa 1PS. Wie sich die Kühl­leis­tung in Zapf­leis­tung über­trägt, hängt auch von der Kon­struk­ti­on des Küh­lers ab. Die Kühl­leis­tung ist somit zwar ein wich­ti­ger Hin­weis auf die Leis­tungs­fä­hig­keit eines Küh­lers, aber nur bedingt geräte- und her­stel­ler­über­grei­fend ver­gleich­bar.

Die zwei­te wich­ti­ge Grö­ße, die bestimmt, wie­viel küh­les Bier gezapft wer­den kann, ist die Tem­pe­ra­tur­dif­fe­renz des Biers zwi­schen Ein- und Aus­gang. Je wär­mer das Bier am Ein­gang des Küh­lers ist und je käl­ter es gezapft wer­den soll, des­to höher muss die Kühl­leis­tung sein.

Die Zapf­leis­tung gibt an, wie­viel Bier pro Stun­de mit dem Küh­ler gezapft wer­den kann. Sie wird meist für eine Tem­pe­ra­tur­dif­fe­renz zwi­schen Fass und Hahn von 10°C ange­ge­ben. Wenn man also bei­spiels­wei­se Bier mit 6°C ins Glas brin­gen will, darf das Fass nicht mehr als 16°C warm sein, wenn man die Her­stel­ler­an­ga­be der Zapf­leis­tung errei­chen will. Ist das Fass wär­mer, muss das Bier lan­sa­mer durch den Küh­ler flie­ßen, um die Wunsch­tem­pe­ra­tur zu errei­chen. Das kann die Zapf­leis­tung bei som­mer­li­chen Tem­pe­ra­tu­ren und unge­kühl­ten Fäs­sern deut­lich her­ab­set­zen.

Auch die abso­lu­te Umge­bungs­tem­pe­ra­tur hat Ein­fluss auf die Zapf­leis­tung. Je wär­mer die Umge­bung des Küh­lers ist, des­to weni­ger Ener­gie kann die „hei­ße” Sei­te des Küh­lers an die Umwelt abge­ben — die Kühl- und damit auch die Zapf­leis­tung sinkt dadurch — genaue Anga­ben machen die Her­stel­ler dazu aber meist nicht. Meist ist die Zapf­leis­tung auf eine Umge­bungs­tem­pe­ra­tur von 24°C bezo­gen.

Die Zapf­leis­tung kann von etwa 20 Liter pro Stun­de bei klei­nen, ein­lei­ti­gen Küh­lern für den Pri­vat­ge­brauch, bis zu über 150 Liter pro Stun­de bei mehr­lei­ti­gen Küh­lern für den pro­fes­sio­nel­len Ein­satz rei­chen.

Kompressor oder Flasche?

Flasche

2kg CO2-Fla­sche mit Druck­min­de­rer

Zum Zap­fen muss das Fass mit einem bestimm­ten Druck beauf­schlagt wer­den, damit sich das CO2 nicht ent­bin­det und das Bier trans­por­tiert wer­den kann. Dazu wird nor­ma­ler­wei­se eine CO2-Fla­sche benutzt, die über einen Druck­min­de­rer den gewünsch­ten Druck lie­fert.

In letz­ter Zeit tau­chen ver­mehrt Durch­lauf­küh­ler mit ein­ge­bau­tem Kom­pres­sor auf, die das Fass mit Druck­luft beauf­schla­gen, um den Zapf­druck ein­zu­stel­len. Die­ses Sys­tem ist nicht für nor­ma­le Edelstahl-​Kegs gedacht, son­dern für moder­ne Fass­sys­te­me, in denen das Bier zusätz­lich in einer Foli­en­bla­se ein­ge­schlos­sen ist und die Druck­luft von außen auf die Bla­se ein­wirkt, so dass das Bier nicht mit der Luft in Berüh­rung kommt.

Bei her­kömm­li­chen Fäs­sern wür­de die Druck­luft direkt über dem Bier lie­gen. Das kann funk­tio­nie­ren, wenn das Fass sehr schnell, also inner­halb weni­ger Stun­den, geleert wird — län­ge­rer Luft­kon­takt wür­de aber zur Oxi­da­ti­on des Biers und damit zu Geschmacks­ein­bu­ßen füh­ren. Für Kegs ohne Bla­se ist also ein Kom­pres­sor unnö­tig.

All In?

Unter Profi-, sofort ver­wen­dungs­fä­hi­ger oder ver­wen­dungs­fer­ti­ger Aus­füh­rung ver­ste­hen die Her­stel­ler einen Durch­lauf­küh­ler mit inte­grier­tem CO2-Druck­min­de­rer. An die­se kön­nen CO2-Fla­schen direkt mit einem Hoch­druck­schlauch ange­schlos­sen wer­den. Es ent­fal­len also exter­ner Druck­min­de­rer und Ver­tei­ler, womit der Auf­bau beson­ders bei mehr­lei­ti­gen Küh­lern deut­lich über­sicht­li­cher wird. Es ver­ein­facht auch die Bedie­nung der Zapf­an­la­ge, indem der Zapf­druck direkt am Küh­ler ein­ge­stellt wer­den kann und beim Aus­tausch der Gas­fla­sche der Druck­min­de­rer nicht umge­baut wer­den muss.

Hersteller

Bekann­tes­ter und tra­di­ti­ons­reichs­ter Her­stel­ler pro­fes­sio­nel­ler Zapf­an­la­gen ist ohne Zwei­fel die Fir­ma Cor­ne­li­us. Sie stellt seit Jahr­zehn­ten Anla­gen her, die ein wei­tes Leis­tungs­spek­trum abde­cken und zuver­läs­sig den rau­en All­tags­be­trieb in der Gas­tro­no­mie meis­tern. Sie sind sicher die bes­te Wahl, wenn man Bier in pro­fes­sio­nel­ler Wei­se aus­schän­ken will und auf Zuver­läs­sig­keit und Leis­tungs­fä­hig­keit ange­wie­sen ist. Auf­grund ihrer Robust­heit sind sie aber auch oft groß und schwer und haben auch ihren Preis, der aber durch­aus gerecht­fer­tigt ist, wenn jeder­zei­ti­ge Ein­satz­be­reit­schaft und letzt­end­lich Umsatz davon abhän­gen.

Im pri­va­ten Umfeld sind oft ande­re Eigen­schaf­ten bestim­mend. Hier kommt es oft dar­auf an, kom­pak­te, leich­te Gerä­te zu haben, die ein­fach zu trans­por­tie­ren sind und nicht zuviel Platz ein­neh­men, wenn sie ein­ge­la­gert wer­den. Leis­tung ist hier oft von unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung, da nur rela­tiv klei­ne Grup­pen zu bewir­ten sind. Hier hat sich in den letz­ten Jah­ren vor allem die Fir­ma Lin­dr aus Tsche­chi­en her­vor­ge­tan, die kom­pak­te, leich­te Gerä­te mit guter Zuver­läs­sig­keit bei akzep­ta­blen Prei­sen lie­fert.

Und die Preise?

Die Prei­se schwan­ken stark, je nach­dem, wel­che Leis­tung man benö­tigt und wel­chen Her­stel­ler man wählt. Unte­res Limit dürf­ten etwa 300 Euro sein. Dafür bekommt man einen ein­lei­ti­gen Tro­cken­küh­ler eines ost­eu­ro­päi­schen Her­stel­lers mit einer Zapf­leis­tung von 20 Liter pro Stun­de, der nicht für den gewerb­li­chen Ein­satz emp­foh­len wird.

Gewer­be­küh­ler von Cor­ne­li­us star­ten als Neu­ge­rät bei etwa 700 Euro für einen Auftisch-​Trockenkühler mit einer Zapf­leis­tung von 40 Liter pro Stun­de. Das obe­re Ende wird mit Nass­küh­lern bei einer Zapf­leis­tung von um die 150 Liter pro Stun­de und einem Preis um die 2000 Euro mar­kiert.

Gebraucht­ge­rä­te sind oft deut­lich güns­ti­ger zu haben. Sie sind meist noch nicht so kos­ten­op­ti­miert, son­dern sehr robust gebaut, aber dadurch auch groß, schwer und strom­hung­rig. Klei­ne, leich­te, ener­gie­ef­fi­zi­en­te Küh­ler fin­det man als Gebraucht­ge­rät nur sel­ten zu güns­ti­gen Prei­sen.

Die persönlichen Vorgaben

Zunächst habe ich ver­sucht, mög­lichst objek­tiv mei­nen Bedarf ein­zu­schät­zen. Dabei geht es nicht um sel­te­ne Extrem­si­tua­tio­nen, die man bes­ser mit Leih-​Equipment abdeckt, son­dern um die durch­schnitt­li­chen Nut­zung.

Ich schän­ke nor­ma­ler­wei­se an Grup­pen von maxi­mal 20 Per­so­nen aus, und es gehen an einem Abend sel­ten mehr als 20–40 Liter Bier durch den Zapf­hahn, davon viel­leicht 10 Liter wäh­rend der ers­ten hal­ben Stun­de. Damit beträgt die benö­tig­te Zapf­leis­tung also min­des­tens 20 Liter pro Stun­de — etwas Reser­ve scha­det aber nicht.

Die Bier­fäs­ser ste­hen unge­kühlt im Wohn­raum, also bei einer Tem­pe­ra­tur von ca. 21°C. Als Aus­schank­tem­pe­ra­tur neh­me ich 6°C an; die Tem­pe­ra­tur­dif­fe­renz beträgt also etwa 15°C, was die Zapf­leis­tung um etwa 1/​3 der Nenn­leis­tung ver­rin­gern wird. Damit wären wir also bei einer benö­tig­ten Nenn-​Zapfleistung von etwa 30 Liter pro Stun­de.

Meist sind zwei Sor­ten Bier vom Fass im Aus­schank, wei­te­re Sor­ten nur aus der Fla­sche. Außer­dem soll der Durch­lauf­küh­ler den momen­tan benutz­ten Zapf­kühl­schrank mit zwei Häh­nen voll­stän­dig erset­zen — ich brau­che also einen zwei­lei­ti­gen Küh­ler.

Der Schank­tisch wird nur tem­po­rär auf­ge­baut und muss außer­halb der Nut­zungs­zeit im Kel­ler ver­staut wer­den. Der Küh­ler soll auch für spon­ta­ne Gele­gen­hei­ten schnell ein­satz­be­reit sein — so kommt nur ein Tro­cken­küh­ler in Betracht, der in etwa 5 Minu­ten zapf­be­reit ist. Nass­küh­ler wären zu groß, schwer, unhand­lich und brau­chen zu lang zum Vor­küh­len.

Zusam­men­ge­fasst: es soll ein zwei­lei­ti­ger Tro­cken­küh­ler mit einer Kühl­leis­tung von min­des­tens 30 Liter pro Stun­de sein, dabei aber mög­lichst kom­pakt und leicht. Mög­lichst preis­wert soll er natür­lich auch sein, denn das Bud­get des Hob­by­brau­ers ist in der Regel begrenzt und muss mit Bedacht ein­ge­setzt wer­den.

Meine Auswahl

Lindr Kontakt 40

Lin­dr Kon­takt 40

Nach län­ge­rem Stu­di­um der Ange­bo­te im Inter­net und Rück­fra­ge beim Lie­fe­ran­ten fiel mei­ne Wahl auf einen Lin­dr Kon­takt 40, ein zwei­lei­ti­ger Tro­cken­küh­ler mit einer Zapf­leis­tung von kon­ti­nu­ier­lich 35–40, kurz­zei­tig bis 50 Liter pro Stun­de bei 10 Grad Tem­pe­ra­tur­dif­fe­renz. Die Kühl­leis­tung beträgt 1/​5 PS. Er wiegt 28kg und ist mit einer Grund­flä­che von ca. 23x33cm und einer Höhe von 43cm noch rela­tiv kom­pakt und leicht trans­por­ta­bel.

Er wird inklu­si­ve Kom­pen­sa­tor­häh­nen und Tropf­scha­le gelie­fert und ist inner­halb von 5 Minu­ten nach dem Ein­schal­ten ein­satz­be­reit. Ver­schie­de­ne Händ­lern bie­ten ihn ab etwa 500 Euro an. Erfah­rungs­be­rich­te von Hobby- und Craft-​Brauern beschei­ni­gen ihm eine gute Qua­li­tät und Robust­heit sogar im gewerb­li­chen Bereich.

Ich möch­te noch­mals beto­nen, dass das mei­ne per­sön­li­che Wahl nach den oben genann­ten Kri­te­ri­en ist. Die Aus­wahl kann völ­lig anders aus­se­hen, wenn man z.B. häu­fig auf Fes­ten aus­schänkt, den Küh­ler fest ein­bau­en will oder die Kos­ten kei­ne Rol­le spie­len.

Aufbau

Der Küh­ler selbst hat als ein­zi­ge Anschlüs­se zwei Bier­ein­gän­ge mit 5/​8″ Gewin­de (wahl­wei­se auch John-​Guest-​Steckverbinder). Die­se wer­den mit den Bier-​Ausgängen der Fäs­ser ver­bun­den. Bei Standard-​Kegs sind die­se eben­falls in 5/​8 Zoll aus­ge­führt; für spe­zi­el­le Fäs­ser wie Cola-​Kegs müs­sen Adap­ter ein­ge­setzt wer­den.

Für die CO2-Ver­sor­gung wird eine CO2-Fla­sche mit ein- oder zwei­lei­ti­gem Druck­min­de­rer benö­tigt. Ein ein­lei­ti­ger Druck­min­de­rer ver­sorgt bei­de Fäs­ser über einen Ver­tei­ler mit dem glei­chen Druck, wäh­rend bei einer zwei­lei­ti­gen Arma­tur der Druck für jedes Fass indi­vi­du­ell ein­stell­bar ist. Der Aus­gang der CO2-Fla­sche besitzt ein 3/​4″ Außen­ge­win­de.

Konfektionierte Schläuche

Bleibt man bei Standard-​Fässern, also 30- oder 50-​Liter Edelstahl-​Fässern mit Flach-, Korb- oder Kom­bi­zapf­kopf, kön­nen für alle Ver­bin­dun­gen vor­kon­fek­tio­nier­te Schläu­che ver­wen­det wer­den.

Schlauch

Bier­lei­tung mit 7mm Schlauch und zwei 5/​8″ Tül­len

Für die Bier­lei­tung ist das ein 7 oder 10mm Schlauch mit zwei Tül­len und 5/​8″ Über­wurf­mut­tern. Ich bevor­zu­ge 7mm-​Schläuche, um die Blind­men­ge an Bier gering zu hal­ten. Am Küh­ler kön­nen wegen des gerin­gen Abstands der Ein­gän­ge nur Sechkant-​Überwurfmuttern ein­ge­setzt wer­den, Flü­gel­mut­tern pas­sen hier nicht.

Für die Gas­lei­tun­gen wer­den zwei 4 oder 7mm Schläu­che mit beid­sei­ti­ger Tül­le und 3/​4″ Über­wurf­mut­tern benö­tigt. Bei ein­lei­ti­gen Druck­min­de­rern braucht man zusätz­lich einen Ver­tei­ler mit ein­gangs­sei­tig 3/​4″ Über­wurf­mut­ter und aus­gangs­sei­tig zwei mal 3/​4″ Außen­ge­win­de.

Zusätzliche Schläuche und Adapter

Ich benut­ze zusätz­lich auch CocaCola-​Kegs. Die Adap­ter für Bier und Gas besit­zen jeweils 7/​16″ Außen­ge­win­de.

Bierschlauch mit 3/4" Tülle und 7/16" Tülle mit CC-Adapter

Bier­lei­tung mit 7mm Schlauch, 5/​8″ Tül­le und 7/​16″ Tül­le mit CC-​Adapter

Um auf die 3/​4″ des Standard-​Gasanschlusses zu kom­men, gibt es ent­we­der Adap­ter, die direkt auf das Gewin­de des CC-​Adapters geschraubt wer­den, oder pas­sen­de 7/​16″ Tül­len mit Über­wurf­mut­ter, mit der man einen Schlauch mit CC-​Anschluss auf der einen und 3/4″-Anschluss auf der ande­ren Sei­te bau­en kann.

Ein 1:2-Verteiler (Y-​Stück) für den Gas­an­schluss sitzt prak­ti­schrwei­se direkt am Aus­gang des Druck­min­de­rers. Bei mir ist aus his­to­ri­schen Grün­den der CO2-Ver­tei­ler in einem Druckluft-​Stecksystem aus­ge­führt; alle Adap­ter haben an einer Sei­te einen 7,2mm Schlauch­ste­cker oder Schlauch­tül­le, auf der ande­ren Sei­te Tül­len mit 7/​16″ oder 3/​4″ Über­wurf­mut­tern.

Ana­log müs­sen für die Bier­an­schlüs­se am CC-​Keg Adap­ter von 7/​16″ auf 5/​8″ benutzt wer­den, ent­we­der direkt am CC-​Adapter oder als Adapter-​Schlauch.

Reinigungsleitung

Rei­ni­gungs­lei­tung mit 3/​4″ Tül­le und Gardena-​Anschluss

Zur Rei­ni­gung des Bier­küh­ler ist ein Adap­ter von 3/​4″ Bier­an­schluss auf Gardena-​Kupplung sehr prak­tisch. So kann man den Küh­ler direkt vom Was­ser­an­schluss aus durch­spü­len. Für die Rei­ni­gung mit Bier­lei­tungs­rei­ni­ger und Schaum­stoff­kü­gel­chen kann man ein Keg mit der ent­spre­chen­den Bier­lei­tung benut­zen.

Den Gesamt­auf­bau mit einem CC-​Keg und einem 30-​Liter-​Keg mit Flach­zapf­kopf, einer 2kg-​CO2-Fla­sche und dem zwei­lei­ti­gen Tro­cken­küh­ler mit CO2-Ver­tei­ler zeigt die Abbil­dung unten links; rechts die Vari­an­te mit Druck­luft­ver­tei­ler.

Ausblick

Die­ser Arti­kel beleuch­tet nur einen sehr klei­nen Win­kel des The­mas Zapf­tech­nik anhand eines prak­ti­schen Bei­spiels. Wei­te­re Bei­trä­ge wer­den sich z.B. mit den theo­re­ti­schen Grund­la­gen und Berech­nun­gen beschäf­ti­gen, die ver­schie­de­nen Fass-​Systeme, Kühl­kon­zep­te und Schank­hahn­ty­pen betrach­ten und somit das Bild der Zapf­tech­nik nach und nach ver­voll­stän­di­gen.


Fotos: Ben­reis via Wiki­me­dia Com­mons (Titel), Autor (Rest)

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