Zu Gast bei Freunden – ein Stralsunder Sommermärchen

Teilnehmerbericht von der 1. Deutschen Hobbybrauermeisterschaft bei Störtebeker

März 2017

Auf­re­gung in der Whatsapp-​Gruppe vom Brau­kom­bi­nat Wis­mar. Soeben hat­ten wir erfah­ren, es wür­de Ende Juli einen Brau­wett­ber­werb samt Hob­by­brau­er­tref­fen in Stral­sund geben. Pro­blem: vor­ge­ge­ben war ein hel­ler Bock! „Geht auch ein dunk­ler Bock?“ – „Nein, nur hel­ler.“ – „Na gut, ich hab ein Rezept für einen tol­len Mosaic-​Weizenbock!“ – „KEIN WEIZEN“ – „Och, Man­no …“ Am Ende fan­den sich im Kom­bi­nat dann doch zwei hel­le Böcke für den obli­ga­to­ri­schen Jury-​Wettbewerb, wir wür­den mit zwei Teams antreten.

Nach der Pflicht kommt die Kür

Gurke und Fenchel für das Kreativbier

Gurke und Fenchel für das Kreativbier

Viel inter­es­san­ter als der Bock­wett­be­werb erschien uns eigent­lich der Publi­kums­wett­be­werb. Die Grund­re­gel: „Alles ist mög­lich, Rein­heits­ge­bot ist egal!“ – „Echt jetzt? Cool!“ Mar­cel und ich blick­ten uns begeis­tert an! „Denkst du, was ich den­ke?“ – „GRUUUUUUT!“, raun­te ich mit tie­fer Stim­me. Mar­cel nick­te mit einem dia­bo­li­schen Grin­sen. Ein hop­fen­lo­ses ger­ma­ni­sches Kräu­ter­bier soll­te es wer­den. Am Ende lasen wir aber noch mal das Klein­ge­druck­te der Wett­be­werbs­be­din­gun­gen und stri­chen Bil­sen­kraut und ande­re gar zu psy­cho­ak­ti­ve Zuta­ten wie­der von der Ein­kauf­lis­te. Unser zwei­tes Team bestand eigent­lich nur aus Rai­ner, und der dach­te sich, „Krea­tiv­bier“ ist gefragt, also schau­en wir uns mal um. Zum 50. Geburts­tag gab es einen lecke­ren Gurke-​Fenchel-​Salat, also machen wir doch ein Bier dar­aus. Ein tota­les Expe­ri­ment mit unge­wis­sem Aus­gang. Es wur­de ein herr­lich fri­sches, bel­gisch ori­en­tier­tes Gurke-​Fenchel-​Ale mit Milch­zu­cker, Salz und Pfeffer.

Freitag, 25.8.2017

Auf nach Stralsund

Inzwi­schen waren die Bie­re erfolg­reich ein­ge­braut und abge­füllt, und zwei Dop­pel­zim­mer in einer Pen­si­on in der Alt­stadt waren gebucht. Der Busch­funk hat­te schon her­vor­ge­bracht, dass wir vie­le alt­be­kann­te Hob­by­brau­er­freun­de aus Meck­len­burg, Schleswig-​Holstein und Ber­lin tref­fen wür­den. So star­te­ten wir am Frei­tag um 15 Uhr vol­ler Vor­freu­de aus Wis­mar. Zur men­ta­len Ein­stim­mung gab’s dann schon mal Stör­te­be­ker Pils und für den Fah­rer ein Frei­bier auf die Hand.

Die Ankunft – Anmeldung

Rai­ner, als unse­re Vor­hut, hat­te schon Check-​in an der Unter­kunft und alle Wett­be­werbs­an­mel­de­for­ma­li­tä­ten – die im Übri­gen schnell und unkom­pli­ziert waren – erle­digt, und die anony­mi­sier­ten Bock-​Wettbewerbsbiere waren bereits über­ge­ben. Auch die Anmel­dun­gen für Braue­rei­füh­rung, Semi­na­re und Stadt­füh­rung konn­ten hier getä­tigt werden.

Das Ablie­fern der Bie­re für den Publi­kums­wett­be­werb am nächs­ten Tag lief auch pro­blem­los. Auf zwei Eta­gen waren bereits fort­lau­fen­de, ansehn­li­che Aus­schank­stän­de vor­be­rei­tet. Da die Stän­de nach Bun­des­län­dern grup­piert waren, waren die eige­nen Stän­de schnell gefun­den, und es stan­den in jedem Block eini­ge gro­ße Gastro­kühl­schrän­ke bereit, um das wert­vol­le Eigen­bräu auf Tem­pe­ra­tur zu hal­ten. Ein freund­li­cher Mit­ar­bei­ter bot uns an, unser doch etwas sper­ri­ges Grut-​Fass mit baye­ri­schem Anstich ein­fach oben in den Kühl­raum zu stel­len, was wir und ande­re dank­bar annahmen.

In unse­rer Ecke gab es schon ein gro­ßes Hal­lo unter den übli­chen Meck­len­bur­ger Ver­däch­ti­gen. Hier zeig­te sich schon früh ein erfri­schen­der Man­gel an ernst­haf­tem Wettbewerbs- und Kon­kur­renz­ge­ha­be, und es wur­de sofort mit allen ande­ren Brau­ern erzählt, gefach­sim­pelt, gescherzt und rumgeblödelt.

Braukombinat Wismar bei einer Zivilschutzübung

Falls es vom Zoll was auf die Mütze gibt: Braukombinat Wismar bei einer Zivilschutzübung. Was hatte sich Störtebeker nur dabei gedacht? Die Helme waren doch viel zu groß?!

Die Gruppe aus Freising ist zornig! Norddeutsche Übersetzung: Sie haben Durst!

Die Gruppe aus Freising ist zornig! Norddeutsche Übersetzung: Sie haben Durst!

Zwischenspiel jenseits der Brücke

Da wir nun noch jede Men­ge Zeit bis zum offi­zi­el­len Pro­gramm­start um 18.30 Uhr hat­ten, lag es nahe, noch 10 Kilo­me­ter wei­ter zu fah­ren, um jen­seits der Brü­cke der Insel-​Brauerei einen Besuch abzu­stat­ten. Vor Ort gönn­ten wir uns ein Ver­kos­tungs­set mit 12 Sor­ten. Die­se schmeck­ten deut­lich bes­ser als das, was es zu Hau­se in den Fla­schen zu kau­fen gab. Begeis­tert hat uns das Sauerbier.

Für die Verkostungs-Wissenschaft ist dem Braukombinat kein Opfer zu groß!

Für die Verkostungs-Wissenschaft ist dem Braukombinat kein Opfer zu groß!

Freitagabend – das Treffen beginnt

Für den Frei­tag waren in der Düne vor dem Störtebeker-​Besucherzentrum ein Meet-​and-​greet und eine Braue­rei­füh­rung geplant. Im Gegen­satz zum Nach­mit­tag war es inzwi­schen rich­tig voll in der Düne, und zu unse­rer gro­ßen Freu­de gab es für die zuvor erhal­te­nen Jetons nun auch etwas zu essen und zu trin­ken. Man muss wis­sen, ein­zel­ne Brau­kom­bi­nats­mit­glie­der wer­den etwas unge­hal­ten, wenn sie zu hung­rig oder zu durs­tig sind. Das Grill­fleisch war ziem­lich groß­ar­tig, und es gab diver­se lecke­re Störtebeker-​Sorten im Ausschank.

Brauereiführung

Wegen des gro­ßen Andrangs gab es etli­che Braue­rei­füh­run­gen nach­ein­an­der mit unter­schied­li­chen Füh­rern. Wir waren erst um 20 Uhr dran. Unser sym­pa­thi­scher Braue­rei­füh­rer hieß Hans-​Georg, war einer der aus­ge­bil­de­ten Bier­som­me­liers und mach­te die Sache mei­nes Erach­tens rich­tig gut. Ihm war klar, dass sei­ne Teil­neh­mer deut­lich mehr über Bier­brau­en wuss­ten als er sel­ber, und er lang­weil­te uns nicht mit All­ge­mein­wis­sen der Touri-​Führung. Statt­des­sen erklär­te er uns mit gro­ßem Enthu­si­as­mus, was bei Stör­te­be­ker schon alles erreicht wur­de und was man vor allem die nächs­ten Jah­re noch alles errei­chen will. Auch war ihm die His­to­rie des Hob­by­brau­er­wett­be­werbs 2015 gut bekannt.

Hans-Georg bei der Brauereiführung

Hans-Georg steht dem Publikum bei der Führung Rede und Antwort.
Rechts im Bild das Sieger-Imperial-Stout 2015

Was mir bis­her nicht bekannt war, ist, dass dort immer nur ein Sud zu einer Zeit gemacht wer­den kann und nicht meh­re­re Sude par­al­lel. Für die Her­stel­lung ein­zel­ner Sor­ten wird trotz­dem ein erstaun­li­cher, sehr ein­drucks­vol­ler Auf­wand betrie­ben, so zum Bei­spiel ein fünf­fa­ches Dekok­ti­ons­ver­fah­ren beim Schwarz­bier und sehr lan­ge Rei­fe­zei­ten bei ein­zel­nen Sor­ten. Aber das Ergeb­nis recht­fer­tigt defi­ni­tiv den Auf­wand. Schön war, dass wir im Gegen­satz zur Stan­dard­füh­rung auch in den Gär- und Lager­be­reich durf­ten. Die dort lagern­den Holz­fäs­ser las­sen für die Zukunft noch eini­ges erwar­ten. Abschlie­ßend gab’s noch einen Blick in das emsi­ge Durch­ein­an­der der Flaschenreinigungs- und Abfüll­hal­le. Bei den Men­gen Glas­bruch möch­te ich da nicht aus­fe­gen müssen.

Die Störtebeker Abfüllanlage

Die Störtebeker-Abfüllanlage

Gemütliches Verkosten

Vom vie­len Zuhö­ren bei der Füh­rung waren wir natür­lich völ­lig unter­hopft, aber das ließ sich schnell ändern. Quer durch die Düne und an zahl­rei­chen Bier­zelt­gar­ni­tu­ren hat­ten sich Grüpp­chen zusam­men­ge­fun­den, die eif­rig Selbst­ge­brau­tes aus ihren Kühl­ta­schen zau­ber­ten. Run­de um Run­de durf­te jeder am Tisch mal was vor­stel­len. Am spä­te­ren Abend leer­te sich die Düne dann deut­lich, und es blieb ein gro­ßer Tisch übrig, an dem sich alle Übrig­ge­blie­be­nen mit wei­te­ren Köst­lich­kei­ten zusam­men­fan­den. Zum Glück konn­ten wir müh­sam der Ver­su­chung wider­ste­hen, das Bier für den Publi­kums­wett­be­werb auch noch auszutrinken.

In der Düne wird gefeiert und leckeres von Störtebeker und Eigenbräu verkostet

In der Düne wird gefeiert und Leckeres von Störtebeker und Eigenbräu verkostet

Das Ende des offi­zi­el­len Abends um 22 Uhr kam ohne Vor­war­nung und gefühlt viel zu früh. Wir hat­ten plötz­lich so gut wie kei­ne Glä­ser mehr, denn der Aus­schank­stand schloss, und das Per­so­nal sam­mel­te alle lee­ren Glä­ser ein. Grund dafür war wohl ein mas­si­ver Glä­ser­schwund wäh­rend des Tages. Gut 60 von den gro­ßen Schräg­glä­sern waren schon weg. Zum Glück kam Mar­cel dann die Idee, ein­fach noch schnell acht Glä­ser zu kau­fen, denn Eigen­bräu aus der Fla­sche trin­ken woll­ten wir nicht. Man ließ uns aber freund­li­cher­wei­se unbe­hel­ligt wei­ter in der Düne sit­zen, und so konn­ten wir noch erfolg­reich zu Ende verkosten.

Am späteren Abend

Wäh­rend sich die Ver­nünf­ti­ge­ren unter uns ins Bett bega­ben, zwäng­ten sich die weni­ger ver­nünf­ti­gen Brau­er in ein Groß­raum­ta­xi, das uns am Hafen in die Alt­stadt ent­ließ. Offen­sicht­lich ist es bei den Stral­sun­dern ein unge­schrie­be­nes Gesetz, dass man frü­her oder spä­ter bei Han­ni lan­det. So wur­den auch wir bei­na­he auto­ma­tisch an die The­ke der Knei­pe „Zur Fäh­re“ gespült, wo wir bei wei­te­ren Störtebeker-​Bieren und dem gefähr­li­chen haus­ge­mach­ten Küm­mel den Abend aus­klin­gen ließen.

Samstag

Stadtführung

Wenn man erst um zwei ins Bett kommt, hat der Mor­gen doch etwas Blei im Hin­tern. Bei eini­gen dann auch so viel, das sie nach dem Früh­stück lie­ber noch ein Schläf­chen mach­ten. Der tap­fe­re Rest sam­mel­te sich um 11 Uhr am Markt­platz zur kos­ten­lo­sen Stadt­füh­rung, die für uns orga­ni­siert wor­den war. Da wir ziem­lich vie­le Leu­te waren, gab es zwei Füh­rer. Die Grup­pen wur­den grob hal­biert, und wir schlos­sen uns Hans-​Georg an, denn der war offen­sicht­lich nicht nur Braue­rei­füh­rer, son­dern auch gleich noch Stadtführer.

Man sammelt sich zur Stadtführung

Man sammelt sich zur Stadtführung

Wir beka­men eine unter­halt­sa­me Füh­rung durch die abso­lut sehens­wer­te Alt­stadt von Stral­sund. Da uns die Füh­rung so gut gefal­len hat­te, lie­ßen wir für den Füh­rer anschlie­ßend den Hut krei­sen. Der war dann der Ansicht, dass man für das, was da zusam­men­ge­kom­men war, ja noch ein Bier trin­ken gehen könn­te. Wie­so nur eins? Aber die Idee war gut, das lie­ßen wir uns nicht zwei­mal sagen und lan­de­ten im Alten Fritz, wo es diver­se Sor­ten vom Ham­bur­ger Ratsherrn-​Bier im Aus­schank gab. Unse­re Lang­schlä­fer tru­del­ten auch lang­sam ein, und gegen 14 Uhr fuh­ren wir wie­der Rich­tung Störtebeker-​Brauerei, denn nun war Auf­bau der Stän­de angesagt.

Der Publikumswettbewerb

Durch die gute Vor­ar­beit des Störtebeker-​Teams war im Grun­de schon alles vor­be­rei­tet, und wir muss­ten nur noch die Bier­fla­schen aus der Küh­lung holen und in bereit­ge­stell­te Eis­bot­ti­che ste­cken bezie­hungs­wei­se unse­re Fäs­ser anschlie­ßen. Zu unse­rer Über­ra­schung hat­te sich Ste­fan um ein Ban­ner „Heim­brau­er MV“ geküm­mert und sogar ein­heit­li­che MV-​Brauer-​T-​Shirts ver­teilt. Etli­che Stän­de wur­den noch mit selbst­ge­mach­ten Auf­stel­lern deko­riert, die über die Brau­grup­pe infor­mier­ten und zum Teil auch die Brau­an­la­ge zeig­ten. Auch aller­lei Zuta­ten zum Rie­chen, Schme­cken, Füh­len wur­den ausgelegt.

Wir stell­ten für unser Grut ein Hopfen-​verboten-​Schild auf, und ich bekam der­weil unter mei­ner fal­schen Mönchs­ro­be schon den ers­ten Hit­ze­kol­ler. Da half nur Kühl­flüs­sig­keit von innen. Unter den Aus­stel­lern begann schon ein eif­ri­ges und fröh­li­ches gegen­sei­ti­ges Pro­bie­ren, was wohl ohne Publi­kum auch bis zum Abend ange­hal­ten hät­te. Das Teil­neh­mer­feld reich­te von alten Hobby-​Hasen, die seit Jahr­zehn­ten brau­en, über Brauer-​Studenten bis hin zu Leu­ten, die gera­de mal ihren zwei­ten Einkocher-​Sud gemacht hatten.

Hopfen verboten! Nehmt Gagel! Ein etwas verrückter Grut-Mönch.

Hopfen verboten! Nehmt Gagel! Ein etwas verrückter Grut-Mönch fordert (erfolglos) die Brauer auf, sich vom Teufelskraut Hopfen loszusagen

Spontanbesuch vom Zoll“

Dann war es 14.40 Uhr, in 20 Minu­ten soll­te das Publi­kum ein­ge­las­sen wer­den. Plötz­lich wur­den wir alle­samt mit ziem­li­chem Nach­druck in einen gro­ßen Saal getrie­ben, denn der Zoll war „zu Besuch“ gekom­men und hat­te uns was zu ver­kün­den. Was in den nächs­ten 10 Minu­ten geschah, mach­te uns alle ziem­lich fas­sungs­los. Wäh­rend zumin­dest die Meck­len­bur­ger Heim­brau­er einen sehr freund­li­chen und tief­ent­spann­ten Umgang mit dem Haupt­zoll­amt in Stral­sund gewohnt waren, stand da auf der Büh­ne nun ein Amts­lei­ter vom Haut­zoll­amt Kiel, droh­te uns alle mög­li­chen Straf­sze­na­ri­en an und gab uns das Gefühl, das Gebäu­de sei bereits von einer Hun­dert­schaft umstellt, um uns „kri­mi­nel­le“ Heim­brau­er in eigens dafür vor­ge­hal­te­ne Zel­len der benach­bar­ten JVA zu bringen.

Alle Aus­stel­ler wur­den gezwun­gen, sich in eine Rei­he zu stel­len, um dann von vier Zoll­be­am­ten auf Exis­tenz einer gene­rel­len Heimbrauer-​Steuernummer über­prüft zu wer­den und ob die­ser Wett­be­werbs­sud extra ange­mel­det wor­den war. Denn nach Ansicht des Zolls wur­de das nicht von der 200-​Liter-​Haushaltsfreigrenze gede­ckelt, son­dern muss­te extra ange­mel­det und ver­steu­ert wer­den. Dies hat­te zwar Stör­te­be­ker mit der Anmel­dung regis­triert und sich bereit­erklärt, die Steu­er für die Ver­an­stal­tung zu über­neh­men, das genüg­te jedoch schein­bar nicht den gefor­der­ten Regularien.

Heimbrauer-​Registrierung hat­ten zum Glück so gut wie alle Teil­neh­mer, den Sud extra ange­mel­det hat­te so gut wie kei­ner. Am Ende wur­den wir dann ein­fach ermahnt, den Sud nach­zu­mel­den, und das war’s.

Kur­ze Rech­nung: 80 Teil­neh­mer­su­de à 20 Liter sind 16 Hek­to­li­ter. Bei mitt­le­rer Stamm­wür­ze von 14° Pla­to bei ermä­ßig­tem Bier­steu­er­satz von 0,787 Euro je Hek­to­li­ter und Grad Pla­to ergibt das eine Gesamt­steu­er­for­de­rung von: 176,29 Euro. Ich kann nicht ver­ste­hen, war­um an einem Sams­tag fünf Beam­te von Kiel anrei­sen, um für 176,29 Euro so einen Zir­kus zu ver­an­stal­ten, um Infor­ma­tio­nen ein­zu­for­dern, die man im Vor­feld blitz­sauber in Koope­ra­ti­on mit dem Ver­an­stal­ter ein­ho­len und durch eine Pau­schal­ver­steue­rung des Ver­an­stal­ters von 200 Euro hät­te abde­cken kön­nen. Die Stim­mung war in die­sem Moment etwas geknickt, und ich war eigent­lich schon so weit, bei wei­te­ren Zoll-​Eskapaden mein Bier ins Auto zu stel­len und nicht am Aus­schank teilzunehmen.

Die Besucher kommen

Viel Zeit, sich über den Zoll zu ärgern, blieb aller­dings nicht, denn nun kamen die Besu­cher. Obwohl es im Vor­feld per E‑Mail eigent­lich ziem­lich gute Infos über den Ablauf gege­ben hat­te, waren wir bei eini­gen Details im Umgang mit den Jetons und der Abstim­mung etwas unsi­cher. Im Lauf der nächs­ten hal­ben Stun­de hat­te sich dann aber bei Besu­chern und Aus­stel­lern rum­ge­spro­chen, wie’s läuft. Der Besu­cher hat­te an sei­ner Ein­tritts­kar­te 3 Wer­tungs­schnip­sel, die er nach Belie­ben für Bier(e) sei­ner Gunst ver­wen­den konnte.

Der Andrang war enorm, und wir waren heil­froh, dass wir zu dritt am Stand waren, denn so konn­ten aller­lei Fach­ge­sprä­che mit kun­di­gen Besu­chern geführt wer­den, ohne dass der Aus­schank zum Erlie­gen kam. Zwi­schen­durch konn­te sich immer mal einer abset­zen und bei den ande­ren Aus­stel­lern stö­bern gehen und Pro­ben für die am Stand ver­blie­be­nen Freun­de her­an­ho­len. Schnell hat­te sich ein­ge­bür­gert, dass alle Aus­stel­ler unter sich kos­ten­los und ohne Jeton Pro­ben an ihre Hob­by­kol­le­gen abga­ben, und es fand ein tol­ler Aus­tausch statt. Es war natür­lich unmög­lich, alle 80 bis 120 aus­ge­schenk­ten Sor­ten zu pro­bie­ren, aber da waren vie­le krea­ti­ve und auch tra­di­tio­nel­le, his­to­ri­sche, hand­werk­lich tadel­los gebrau­te Bie­re dabei. Was für eine fan­tas­ti­sche Hopfen-und-Malz-Orgie!

In drei Stunden schauten 750 Besucher vorbei

In drei Stunden schauten 750 Besucher vorbei

Unter die Besu­cher misch­ten sich dann auch die Störtebeker-​Biersommeliers und Mit­glie­der der Bockbier-​Jury. Ein ehr­li­ches Lob von einem aus­ge­bil­de­ten Bier­som­me­lier fürs Kreativ-​Eigenbräu freut einen natür­lich sehr. Eine ganz beson­de­re Freu­de hat­ten wir, als wir plötz­lich den Störtebeker-​Chef Jür­gen Nord­mann bei uns am Stand erkann­ten, der uns für unser Grut­bier dann auch noch einen Stimm­zet­tel daließ. Die Stim­mung war gut, und die Zeit ver­ging wie im Flug. Es sol­len cir­ca 750 Besu­cher da gewe­sen sein!

Par­al­lel gab es noch ein paar Bierversand‑, Brauanlagen- und Bierbrauzubehör-​Austeller und die Mög­lich­keit, an Mas­ter­clas­ses zum The­ma Eis­bock, Hop­fen, Bier und Spei­sen teil­zu­neh­men. Als Teil­neh­mer wur­de man jedoch am Stand benö­tigt und hat­te eigent­lich kei­ne Zeit dafür.

Kurz nach 18 Uhr war dann Schluss mit Aus­schank, das war auch gut so, denn die meis­ten Stän­de lie­fen inzwi­schen auf Reser­ve oder waren schon restentleert.

Störtebeker-Chef Jürgen Nordmann

Störtebeker-Brauereichef Jürgen Nordmann am Mecklenburger Stand

Siegerehrung – The winner is …

Alle teil­neh­men­den Teams konn­ten sich als Dan­ke­schön eine Störtebeker-​Entdeckerkiste und ein Glas­set abho­len, das emp­fan­den wir als eine schö­ne Ges­te. Um 18.30 Uhr soll­te drau­ßen in der Düne vor dem Besu­cher­zen­trum eigent­lich die Sie­ger­eh­rung statt­fin­den. Bis es los ging, war’s dann doch eher 19 Uhr. Acht­zig ein­ge­reich­te Bie­re an einem Tag zu bewer­ten war sicher­lich eine Her­aus­for­de­rung. Wie die Fach­ju­ry im Detail nun den hel­len Sie­ger­bock ermit­telt hat­te, war vor­erst nicht bekannt.

Nachts, bei Han­ni, wo sich Störtebeker-​Mitarbeiter, Jury­mit­glie­der und Hob­by­brau­er unver­ab­re­det zum „Aus­klang“ tra­fen, konn­ten wir erfah­ren, dass es Vor­run­den gab, aus denen jeweils 2 Bie­re in die nächs­te Run­de kamen, und dass die Bie­re nach einem Bewer­tungs­ka­ta­log bewer­tet wur­den, der sehr umfas­send war und die übli­chen Kri­te­ri­en umfass­te, jedoch nicht auf den Bier­stil abge­stimmt war, was teil­wei­se zu Ver­zö­ge­run­gen und Unklar­hei­ten führ­te. Für die Gewin­ner des Publi­kums­prei­ses wur­den ein­fach nur die Kar­ten­ab­schnit­te der Besu­cher gezählt.

Bei so viel Kon­kur­renz hat­te sich, glau­be ich, nie­mand ernst­haft Chan­cen auf einen Sieg aus­ge­malt, und der Gewin­ner des Jury­wett­be­werbs konn­te gar nicht fas­sen, dass aus­ge­rech­net sein Bier es geschafft hat­te und nun kom­mer­zi­ell bei Stör­te­be­ker gebraut wür­de. Danach wur­den die Publi­kums­sie­ger gekürt. Der dor­ti­ge Gewin­ner wird sei­nen Sud mit der Ber­li­ner BRLO Braue­rei wiederholen.

Ins­ge­samt war die Sie­ger­eh­rung etwas unüber­sicht­lich und das, was die Gewin­ner selbst zu ihrem Sud zu sagen hat­ten, teil­wei­se zu lei­se. So konn­te man außer den Namen der Gewin­ner nicht viel ver­ste­hen. Lei­der auch nicht, wel­che Krea­tiv­sor­ten nun eigent­lich gewon­nen hat­ten, was mich per­sön­lich doch sehr inter­es­siert hät­te. Auch ob’s denn die Sie­ger­bie­re noch irgend­wo zu pro­bie­ren geben wür­de, war nicht her­aus­zu­be­kom­men, oder ob und wo die Rezep­te ver­öf­fent­licht wer­den. War aber eigent­lich auch egal, dabei sein ist alles, der Weg war hier das Ziel, und wir hat­ten über den Tag schon ordent­lich Weg­stre­cke zurück­ge­legt. Span­nen­de Bie­re gab’s im Lauf des Abends dann auch noch mas­sig zu pro­bie­ren. Durs­tig ist hier bestimmt nie­mand nach Hau­se gegangen.

Siegerehrung – unter anderem winkt ein Fass Atlantik Ale als Preis

Siegerehrung – unter anderem winkt ein Fass Atlantik Ale als Preis

Lei­der feg­te ein kur­zer, aber hef­ti­ger Stark­re­gen den Außen­be­reich direkt nach der Sie­ger­eh­rung erst mal kom­plett leer. Die Brau­er nutz­ten die Zeit, um drin­nen ihren Stand abzu­bau­en, aber von den Besu­chern war nicht mehr viel übrig.

Unter dem Mot­to „Brau­kunst meets Grill­kunst” gab es unter ande­rem lecke­re Bur­ger, gezupf­te Schwei­ne­schul­ter und Gourmet-​Currywurst spe­zi­al. Alles sehr gut, hat­te dafür aber auch sei­nen Preis, beson­ders wenn man sich so wie ich nicht ent­schei­den kann und dann ein­fach bei­de Gerich­te isst.

Es woll­te natür­lich kei­ner der Hob­by­brau­er wie­der was mit nach Hau­se neh­men, und so wur­de in einem gemein­schaft­li­chen Kraft­akt so ziem­lich alles an Heim­bräu aus­ge­trun­ken, was noch vor­han­den war. Es gab aus­gie­big Gele­gen­heit, mit dem Störtebeker-​Personal und den Bier­som­me­liers ins Gespräch zu kom­men. Am Aus­schank­wa­gen schmiss der­weil der gut­ge­laun­te Störtebeker-​Chef eine Atlantik-​Ale-​Runde nach der ande­ren für sein Personal.

Die­ses Mal woll­ten wir auf­hö­ren, wenn’s am schöns­ten ist, und außer­dem hat­te Rai­ner ver­säumt, was zu essen, solan­ge es noch was gab, und wur­de nun knur­rig. Die Emp­feh­lung „Trink dich satt“ ließ er nicht gel­ten. Am Ende ließ es sich natür­lich nicht ver­mei­den, dass wir wie­der bei Han­ni in der Knei­pe zur Fäh­re lan­de­ten – übri­gens laut Stadt­füh­rung die ver­mut­lich zweit­äl­tes­te Hafen­k­nei­pe Euro­pas. Dies­mal waren auch vie­le vom Braue­rei­per­so­nal dort, die den Abend aus­klin­gen lie­ßen. Knei­pen­che­fin Han­ni hat­te sich aller­dings als Jury­mit­glied bereits so ver­aus­gabt, dass sie sich mit den Wor­ten „Nun bin ich duun, nun geh ich ins Bett“ ver­ab­schie­de­te. Wären wir doch nur genau­so wei­se gewesen.

Man trifft sich in und vor der Fähre

Man trifft sich in und vor der Fähre. Rechts, die Dame in Blau, ist Kneipenchefin Hanni

All­ge­mei­nes Braukombinat-​Resümee am Sonn­tag war: ins­ge­samt eine super Akti­on! Hier noch mal ein rie­sen­gro­ßes Dan­ke­schön an die Störtebeker-​Brauerei! Ihr wart ein traum­haf­ter Gast­ge­ber, stets erfolg­reich um das Wohl eurer Gäs­te besorgt, habt euch als Mar­ke dezent im Hin­ter­grund gehal­ten und den vie­len ange­reis­ten Hob­by­brau­ern ein­fach den Rah­men und Raum gege­ben, sich zu prä­sen­tie­ren und aus­zu­tau­schen. Ich den­ke, ihr habt mit der Akti­on mehr als einen neu­en Freund hinzugewonnen!

Dan­ke Stör­te­be­ker, dan­ke Stral­sund, dan­ke Hob­by­brau­er, wir kom­men wieder!

Hei­ner Busche und das Brau­kom­bi­nat Wis­mar – August 2017
Kon­takt: braukombinat@email.de

Die Rezep­te der Krea­tiv­bie­re des Brau­kom­bi­nats fin­det ihr auf die­ser Sei­te.

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