Stil-Porträt: India Pale Ale

The Sun Inn

Die Geburt des India Pale Ale

Mit der Geburt des IPA sind zwei Namen un­trenn­bar ver­bun­den. Das ist zum ei­nen die East India Company, zum an­de­ren die Hodgson’s Bow Brewery. Die East India Company wur­de um 1600 ge­grün­det und stieg in­ner­halb von 100 Jahren zur Handelsmacht Nummer eins zwi­schen England und der in­di­schen Kolonie auf. Dabei war das Hauptgeschäft der Import von Waren aus den Kolonien die sehr ge­winn­brin­gend in England ver­kauft wur­den. Da aber we­ni­ge Waren aus England in den Kolonien be­nö­tigt wur­den, wa­ren die Schiffe auf dem Rückweg nach Indien we­nig aus­ge­las­tet. Aus die­sem Grund durf­ten die Offiziere die Frachträume der Schiffe nut­zen und auf ei­ge­ne Rechnung Waren aus England zu ex­por­tie­ren. 

Karte von Indien

Abbildung 1: Indien von 1700 bis 1792

Der wei­te­re Verlauf der Erfolgsgeschichte ist ei­gent­li­ch eher dem Zufall zu ver­dan­ken, denn das Headquarter der East India Company lag an der Mündung des Flusses Lea in die Themse und da­mit nur 2 Meilen fluss­ab­wärts der Hodgson’s Bow Brewery. Hodgson wur­de 1752 als Porter Brauerei ge­grün­det und brau­te Porter und October Beer, ei­ne star­ke, hel­lems und ge­la­ger­tes Bier. Vor al­lem das October Beer war un­ter den Adligen be­liebt, die im 18 Jh. nach Indien aus­ge­wan­dert wa­ren.

Die Offiziere der East India Company lu­den al­so häu­fig Bier der na­he­ge­le­ge­nen Brauerei ein um es ge­winn­brin­gend in Indien zu ver­kau­fen. Der Erfolg war al­ler­dings der Geschäftstüchtigkeit des Brauers zu ver­dan­ken. Dieser er­laub­te näm­li­ch den Offizieren das Bier er­st nach der Rückkehr von der 12-18 mo­na­ti­gen Reise zu be­zah­len. Zugleich un­ter­bot er je­de an­de­re Brauerei, die ver­such­te im Indiengeschäft Fuß zu fas­sen.

Bis hier hin han­delt es sich um Tatsachen. Aber ab jetzt wird es et­was ne­be­lig und mys­ti­sch um die Entstehung des IPAs. Wer hat nicht die Geschichte ge­hört vom stark ein­ge­brau­ten, ex­tra gehopf­ten Bier für den lan­gen Transport nach Indien das in Indien ei­gent­li­ch „rück­ver­dünnt“ wer­den soll­te?

East Indiamen in a Gale

Abbildung 2: Charles Brooking: East Indiamen in a Gale (um 1759)

Die Geschichte klingt lo­gi­sch, aber lei­der gibt es kei­ner­lei his­to­ri­sche Belege da­für. Viel mehr gibt es Belege, dass zu je­ner Zeit so­ge­nann­te Pale Stock Biere die Reise nach Indien an­tra­ten. Diese Biere wur­den nor­ma­ler­wei­se et­wa zwei bis drei Jahre ge­la­gert, be­vor sie zum Ausschank ka­men. Auch das an­ge­spro­che­ne October Beer zählt zu den Stock Bieren. Für den Export nach Indien wur­den sie be­reits nach ei­nem Jahr auf die Schiffe ver­la­den und reif­ten un­ter­wegs, wes­halb sie die lan­ge Reise oh­ne Probleme über­stan­den. Daneben wur­de auch Porter nach Indien ver­schifft, aber es scheint so, als ob das hel­le, fri­sche­re und da­mit durst­lö­schen­de October Beer im schwül-heißen Klima Indiens schlicht be­lieb­ter ge­we­sen ist.

War das die Geburt des IPA? Nein. Das Bier wur­de da­mals ein­fach als Pale Ale be­zeich­net. Erst 50 Jahre nach­dem Hodgson mit dem Export nach Indien be­gon­nen hat, tauch­ten die ers­ten schrift­li­chen Nachweis in Form von Werbung auf, dass das Bier spe­zi­ell für Indien her­ge­stellt wor­den sei. Aber auch hier no­ch kein Wort von India Pale Ale. 

Rekonstruktion eines Londoner „India“ Pale Ale aus den 1750ern

Als Malz wur­den zu­meist rei­ne Pale Malt Schüttungen, manch­mal auch Pale Malt mit bis zu 25% Amber Malt ver­wen­det. Das Hodgson Pale Ale wur­de aber wohl mit ei­ner rei­nen hel­len Schüttung her­ge­stellt und hat­te ei­ne Stammwürze von ca. 17,5°P. Als Hopfen kam wahr­schein­li­ch Hopfen aus Kent zum Einsatz. Da man be­reits da­mals die kon­ser­vie­ren­de Wirkung des Hopfens kann­te, wur­de die Hopfung des be­reits ur­sprüng­li­ch stark gehopf­te Bieres über die Jahre im­mer wei­ter an­ge­ho­ben. Viele Quellen be­le­gen auch, dass das Bier da­mals in den Lagerfässern mit Hopfen ge­stopft wur­de. Die Fässer, die nach Indien ver­schifft wur­den, wur­den nach et­wa ei­nem Jahr ent­lüf­tet. Sie wur­den prak­ti­sch druck­los auf die Reise ge­schickt. Interessanterweise ka­men sie aber in Indien wohl kar­bo­ni­siert an. Die Karbonisierung wird so­gar als re­la­tiv hoch, Champagnerartig be­schrie­ben. Das lässt dar­auf schlie­ßen, dass durch das sehr war­me Klima wäh­rend der Reise ei­ne zwei­te Fermentation in Gang kam. Dazu spä­ter mehr.

Beschrieben wird das Hodgson Pale Ale als klar, glanz­fein und stroh­far­ben. In Anbetracht des wei­chen Londoner Wasser könn­te das auf die Verwendung von Isinglass als Schönungsmittel hin­wei­sen. 

Aber warum ist der Name Burton-on-Trent mit IPA verbunden?

Ganz ein­fach. Eigentlich war das Wasser, Kalzium- und sul­fat­reich, we­sent­li­ch bes­ser zum brau­en hel­ler Biere ge­eig­net. Das Sulfat ist gut für die Hefeernährung und das Kalzium hilft bei der Flockung der Hefe. Im Anhang ist ein ty­pi­sches Wasserprofil für Burton on Trend zu fin­den.

Aber Burton war vor al­lem im Handel mit Russland ak­tiv und Hodgson im Indienhandel zu über­mäch­tig. Durch die po­li­ti­schen Unruhen um 1800 kam der Handel zwi­schen England und Russland kom­plett zum er­lie­gen, und zeit­gleich wur­de der Indienhandel 1820 per Gesetz für Jedermann ge­öff­net. Daher ver­such­te Hodgson sich selbst als Bierexporteur und zog da­mit den Ärger der East India Company auf sich, da die Kapitäne na­tür­li­ch ei­ne zu­sätz­li­che Einnahmequelle be­droht sa­hen.

Aus die­sem Grund be­such­te Campbell Marjoribanks, der da­ma­li­ge Direktor der East India Company, den Brauer Samuel Allsopp aus Burton mit der Frage, ob er das Hodgson Pale Ale ko­pie­ren könn­te. Nach an­fäng­li­chen Schwierigkeiten war bald ein ak­zep­ta­bles Rezept ge­fun­den und in den nächs­ten 10 Jahren ent­brann­te ein re­gel­rech­ter Kampf um das Ostindiengeschäft, das die bei­den Brauereien Allsop und Bass aus Burton we­gen der kon­stan­te­ren Qualität für sich ent­schei­den konn­ten.

Ein wei­te­rer Meilenstein auf dem Vormarsch der Burton IPAs war die Erkenntnis, wie das Bier wäh­rend der Überfahrt reif­te. Dieses Wissen be­ruh­te vor al­lem auf Rückmeldungen aus Indien. Dies ver­an­lasst die Brauereien in Burton zum Beispiel die Bittere wei­ter an­zu­he­ben. Bereits 10 Jahre nach Markteinführung ex­por­tier­te Bass ca. 5000 Fässer, Allsopp ca. 1500 und Hodgson ca. 3900 nach Indien. Das heißt in­ner­halb von we­ni­ger als 10 Jahren (1823 – 1832) ha­ben die Brauereien in Burton mehr als 60% der IPA Produktion an sich rei­ßen kön­nen. Interessant ist auch der Fakt, dass sich er­st mit Markteintritt der Burton Brauereien der Name ent­wi­ckel­te. Im Jahre 1828 ist das er­s­te mal von India Pale Ale in ei­ner Zeitungsanzeige zu le­sen. Mit der Fertigstellung der Derby-Birmingham-Bahnlinie 1839 und der da­mit ver­bun­de­nen bes­se­ren Anbindung Burtons an die Englischen Häfen und an London, ver­lor Hodgson end­gül­tig den Kampf. 1840 ver­kauf­te Hodgson sei­ne Brauerei.

Rekonstruktion eines Burton-on-Trent IPAs aus den 1850ern

Ähnlich wie beim Pilsner aus Pilsen, spielt beim Burton IPA vor al­lem das Wasser ei­ne auschlag­ge­ben­de Rolle. Der ho­he Kalziumgehalt ist im­mens wich­tig. Er senkt den Würze-pH, was zur Verbesserung der Maischarbeit führt. Der ver­bes­ser­te Proteinabbau und die voll­stän­di­ge­re Verzuckerung brin­gen tro­cke­ne­re und kla­re­re Biere her­vor. Außerdem ver­bes­sert Kalzium die Trubabscheidung im Whirlpool, ver­hin­dert Proteintrübungen und setzt die Hefe bes­ser ab. Eine der wich­tigs­ten Eigenschaften für ein stark gehopf­tes Pale Ale ist aber die ge­rin­ge­re Farbzunahme und die wei­che­re, nicht krat­zi­ge Bittere.

Eine wei­te­re wich­ti­ge Zutat ist das ex­tra ent­wi­ckel­te „whi­te malt“ mit le­dig­li­ch 3 EBC. Die hel­le Farbe wird da­bei durch sehr mo­de­ra­te Temperaturen beim Abdarren er­reicht.

Als Hopfen kam vor al­lem East Kent Goldings zum Einsatz und ver­ein­zelt auch Worcestershire Hops, Surrey Hops, Hereford Hops und Farnham Hops. Später, ab 1861 spiel­te auch Fuggles ei­ne im­mer grö­ße­re Rolle, ab 1871 ka­men auch Fuggles und Cluster aus den USA zum Einsatz.

Die IPAs die­ser Zeit hat­ten ei­nen Stammwürzegehalt von ca. 16P mit ei­nem ho­hen Endvergärungsgrad, der um die 3P Restextrakt lässt. Daraus er­gibt sich ein Alkoholgehalt von 6-7%. Die Gabe von 2- 2,5Kg Hopfen je hl er­gibt ei­ne Bittere von ca. 70 IBU.

Der Brauprozess die­ser Zeit war ver­gleichs­wei­se ein­fach. Das Malz wur­de über ei­nen Steel Maischer, ei­ner Art sta­ti­schem Mischer, im Einlauf des Maischbottichs in­ten­siv mit Wasser ver­mischt. Im Anschluss folg­te ei­ne ein­zi­ge Rast. Danach wur­de die Vorderwürze durch ei­nen Senkboden ge­läu­tert. Beim so­ge­nann­ten Parti-gyling wur­den nun de­fi­nier­te Nachgüsse auf­ge­bracht und se­pa­rat ab­ge­läu­tert und ge­sam­melt. Im Anschluss wur­den die­se Würzen, ja nach Bedarf, ver­schnit­ten. Im Falle des IPAs die er­s­te und zwei­te Würze.

Eine wei­te­re Besonderheit sind die sehr ho­hen und klei­nen Sudpfannen. In die­sen wur­de die Würze sehr lan­ge ge­sie­det. Dabei ver­such­te man ein wal­len­des Kochen zu ver­mei­den um star­ke Zufärbungen zu ver­hin­dern. Die ers­ten 2/3 der Hopfengabe wur­de zu Kochbeginn ge­ge­ben, die zwei­te Gabe in der Mitte oder zum Ende der Kochung.

Ein wich­ti­ger und hoch­kom­ple­x­er Faktor bei der tra­di­tio­nel­len IPA-Herstellung ist die Lagerung im Fass, bei der im­mer mit Hopfen ge­stopft wur­de. Diese Lagerung dau­ert min­des­tens 1 Jahr in der Brauerei und wei­te­re 6 Monate auf der Reise. Wie vor­her an­ge­spro­chen wur­den die Fässer vor der Reise ent­lüf­tet und wa­ren so­mit druck­los. Das Bier kam aber stark kar­bo­ni­siert in Indien an. Das könn­te ein Indiz für ei­ne zwei­te Gärung mit Brettanomyces sein, da die­se Hefe we­sent­li­ch lang­sa­mer ver­gärt und vom Zuckerspektrum an­de­re Anforderungen als die Saccharomycesarten hat. D.h. ei­ne Brettanomycesgärung kann no­ch lan­ge ak­tiv sein, wenn die Saccharomyces Hefen Ihr Werk schon lan­ge be­en­det ha­ben.

IPA in den Vereinigten Staaten

Die Brauindustrie in den USA kon­zen­trier­te sich zu je­ner Zeit vor al­lem auf die Ostküste. Sie war stark Englisch ge­prägt. Erst die Einwanderungswelle aus Mitteleuropa in den Mittleren Westen Ende der 1800er än­der­te dies, und die un­ter­gä­ri­gen Lagerbiere wur­den do­mi­nant. Bis da­hin aber hat­te sich in den USA ein ei­ge­ner IPA Stil ent­wi­ckelt, der mit 16-17,5P et­was stär­ker als der Englische Stil war. Auch die Hopfengabe war hö­her, was sich in ei­ner Bittere von 70 bis 80 IBU spie­gel­te. Im Gegensatz zu England war Zucker beim Brauen er­laubt, was tro­cke­ne, al­ko­hol­rei­che Biere ent­ste­hen ließ. 

Diese Entwicklung fand in der Prohibition ein ab­rup­tes Ende, da mit der Vernichtung der ge­sam­ten US-Amerikanischen Brauindustrie auch je­de Entwicklung zum Stillstand kam.

Nach der Prohibition wur­de le­dig­li­ch ein Bier in der IPA Tradition her­ge­stellt. Das Ballantine IPA. Mit 18P, 7,4% Alkohol und ca. 60 IBU wur­de es für min­des­tens ein Jahr in Eichenfässern ge­la­gert. Die Brauerei ver­wen­de­te da­bei ein ein­zig­ar­ti­ges Hopfenstopfverfahren. In ei­ner Wasserdampfdestilation wur­den die Hopfenöle ge­won­nen und dann dem Bier zu­ge­fügt. Anfang der 1960er wur­de die Produktion ver­la­gert, und das Rezept im­mer wei­ter dem mo­der­nen Geschmack die­ser Zeit an­ge­passt. Zum Einen nahm die Bittere im­mer wei­ter ab, zum Anderen wur­de die Lagerzeit stark ver­kürzt, bis Ende der 1970er auch die­se letz­te IPA Produktion in den USA ein­ge­stellt wur­de.

In England ver­lor in der glei­chen Zeit IPA mehr und mehr Marktanteil zu Gunsten von Mild Ale. Die auf­wen­di­ge Lagerung der IPA-Casks im Keller der Pubs wur­de zu kos­ten­in­ten­siv, und im­mer mehr Pubs stell­ten auf Stahlfässer um, die kein ge­stopf­tes Bier mehr ent­hiel­ten. Ähnlich wie in den USA wur­den Lagerbiere im­mer po­pu­lä­rer. Das Ende der IPA Ära.

Die Craftbeer Revolution

Anchor Liberty Ale

Abbildung 3: Anchor Liberty Ale

Das war der Ausgangspunkt für das, was heu­te als die Craft-Beer Revolution be­zeich­net wird. Zwei wich­ti­ge Ereignisse kenn­zeich­nen die Wendemarke in der von Lagerbier do­mi­nier­ten Bierlandschaft die­ser Zeit. In Europa die Gründung der Campaign for Real Ale in Irland durch Graham Lees, Bill Mellor, Michael Hardman, und Jim Makin, wel­che ge­gen die vor­an­schrei­ten­de Vereinheitlichung des Biermarktes im Vereinigten Königreich ein­ste­hen will. Das an­de­re Ereignis, das die Brauwelt in den USA nach­hal­tig ver­än­der­te, war der Kauf der ma­ro­den Anchor Brewing in San Francisco 1965 durch Fritz Maytag. Der Bierenthusiast woll­te da­mit die Tradition des Steambeers an der Westküste ret­ten. Im Jahr 1973 reis­te Maytag nach England auf der Suche nach ei­nem Alerezept für Anchor. Sie ka­men zwar oh­ne Rezept zu­rück, aber mit der Technik des Hopfenstopfen. Nach ei­nem Fehlschlag brach­te Anchor 1975 Ihr le­gen­dä­res Christmas Ale das er­s­te Mal auf den Markt, ein Bier mit re­la­tiv mo­de­ra­ten 40 IBU, ge­braut mit dem da­mals no­ch jun­gen Cascade Hopfen. Die Geburtsstunde der Westcoast IPAs hat­te ge­schla­gen. Auch heu­te no­ch ist Cascade, ne­ben Centennial, Chinook and Columbus, in vie­len ame­ri­ka­ni­schen IPAs ent­hal­ten. Diese Hopfenkombination wird auch die 4 Cs ge­nannt.

IPA Evolution

Aus die­sen ur­sprüng­li­chen Archetypen ha­ben sich im lau­fe der Zeit wei­te­re Stile ent­wi­ckelt:

  • Imperial/ Double IPA: Bei die­sem IPA-Stil wird voll­kom­men auf die Gabe von Caramalzen ver­zich­tet. Es wird ver­sucht, nur den Hopfen zu be­to­nen, in­dem das Bier mit sehr we­nig Restsüße an­ge­legt wird.
  • Belgian IPA: Diese IPAs be­ru­hen ei­gent­li­ch auf ei­nem bel­gi­schem Tripple Rezept und wer­den dann aber im Stile der Westcoast IPAs gehopft, oder es be­ruht auf ei­nem IPA Rezept, wird aber mit ei­nem bel­gi­schen Hefestamm ver­go­ren.
  • Black IPA/ Cascadian Dark Ale: Diese Biere sind ei­gent­li­ch auch schon ver­hält­nis­mäs­sig alt und wur­den frü­her schon als Black Porter ge­braut. Der ver­ges­se­ne Stil wur­de dann 1989 wie­der be­lebt.
  • Session IPA: Diese IPAs wer­den in Anlehnung an die Session-Biere mit sehr mo­de­ra­ten Alkoholgehalten ein­ge­braut, aber trotz­dem wie IPAs gehopft.
  • White IPA: Dieser Stil ist ein no­ch sehr jun­ger Stil und im Grunde ein Crossover zwi­schen bel­gi­schem Wit und ame­ri­ka­ni­schem IPA
  • Brown IPA: Dieser Stil hat sich aus den ame­ri­ka­ni­schen Brown Ales ent­wi­ckelt, de­nen zum ei­nen mehr Hopfen zu­ge­setzt wur­de und die zum Anderen auch ge­stopft wur­den.
  • Rye IPA: Dieser sehr jun­ge Stil hat sich durch die Experimentierfreude der ame­ri­kan­si­chen Craft Brauer ent­wi­ckelt. Historisch gibt es au­ßer den nor­ma­len Roggenbieren ei­gent­li­ch kei­ne Wurzeln.
  • Red IPA: Dieser jun­ge Bierstil könn­te als Crossover zwi­schen ei­nem IPA und ei­nem American Amber Ale be­zeich­net wer­den. Er ver­ei­nigt das Hopfenaroma ei­nes IPAs mit den Malzaromen ei­nes Amber Ales.

Jetzt geht’s los – Wie braut man IPAs?

Nun ge­nug der grau­en Theorie. Es wird Zeit, sich Gedanken über das Brauen zu ma­chen. Über die Zutaten ha­be ich ja schon ei­ni­ge Worte ver­lo­ren. Wie der Name schon sagt, kommt, bis auf we­ni­ge Ausnahmen, hel­les Malz zum Einsatz. Diese wer­den wie üb­li­ch ge­schro­tet und mit war­mem Brauwasser ein­ge­maischt. Die meis­ten IPAs fol­gen sehr ein­fa­chen sin­gle in­fu­si­on Maischprogrammen. Dabei wird von Anfang bis zur voll­stän­di­gen Verzuckerung le­dig­li­ch ei­ne Rast mit ei­ner Temperatur ge­fah­ren. Je nach Temperatur kann der Charakter des Bieres be­ein­flusst wer­den.

Werden Temperaturen um 63°C ge­wählt wird, ent­ste­hen tro­cke­ne, hoch­ver­gä­ren­de Biere, da so­wohl beta- als auch alpha-Amylase hoch ak­tiv sind. Wählt man die Temperatur hö­her, um die 70°C, so ist die alpha-Amylase ak­ti­ver und es blei­ben mehr un­ver­gär­ba­re Zucker. Das Bier wird folg­li­ch rest­sü­ßer und kör­per­rei­cher. Nicht sel­ten wird der Malzkörper durch Caramalze un­ter­stützt, de­ren Anteil bis zu 20% be­tra­gen kann.

Sollen hin­ge­gen tro­cke­ne Biere ent­ste­hen, maischt man au­ßer­dem in ei­nem Verhältnis von 3 Gewichtsteilen Wasser zu 1 Gewichtsteil Malz ein. Das för­dert zu­sätz­li­ch den en­zy­mati­schen Stärkeabbau zu ver­gär­ba­ren Zuckern.

Der Charakter des Bieres wird be­reits im Sudhaus fest­ge­legt, um dann wäh­rend der Gärung aus­ge­baut zu wer­den. Will man ein IPA, z.B. ein Imperial IPA, mit we­nig Malzkörper, wählt man Hefen mit ho­hen Endvergärungsgraden.

Was aber eben IPAs zu ei­nem un­ver­wech­sel­ba­rem Bierstil macht ist das Stopfen mit Hopfen im Lagerkeller. Dabei wird Hopfen, als Doldenhopfen, Pellets, Pulver, Extrakt oder Öl, im Kaltteil der Brauerei dem Bier zu­ge­ge­ben. Im Geltungsbereich des Reinheitsgebotes ist le­dig­li­ch die Verwendung von Pellets, Dolden und Pulver zu­läs­sig.

Der Hopfen wird da­bei zweck­mä­ßig nach der Hauptgärung zum ge­schlauch­ten Jungbier ge­ge­ben. Das hat zum ei­nen den Sinn, dass die Erntehefe wie­der­ver­wen­det wer­den kann, und zum an­de­ren wer­den we­ni­ger Hopfeninhaltstoffe durch die Hefe auf­ge­nom­men oder durch das CO2 aus­ge­trie­ben. Die ein­ge­setz­ten Mengen kön­nen da­bei sehr un­ter­schied­li­ch sein, wo­bei beim Stopfen der Ölgehalt des Hopfen aus­schlag­ge­bend ist und nicht der Alphasäuregehalt. So trägt der Hopfen, der wäh­rend des Stopfens ge­ge­ben wird auch nicht zur Bittere bei.

Um zu gra­si­ge Aromen durch zu star­ke Auslaugung zu ver­hin­dern, wird der Stopfhopfen zweck­mä­ßi­ger­wei­se nach 5- 15 Tagen ent­fernt. Um das Aroma zu in­ten­si­vie­ren kön­nen auch meh­re­re „Stopfungen“ durch­ge­führt wer­den, wo­bei der ge­brauch­te Stopfhopfen vor der Gabe des Frischen ent­fernt wird.

In fol­gen­der Tabelle sind die un­ter­schied­li­chen Merkmale der IPA Stile no­ch ein­mal zu­sam­men­ge­fasst.

Tabelle 1: Merkmale der IPA-Stile

 Burton IPAEnglish IPA
American IPAImperial IPABlack IPA
Schüttung
Pale Ale Malz100%85-100%80-95%95-100%85-95%
Caramalz EBC-38-10525-16025-5225-52
Cara Anteil-0-10%5-20%0-5%5-10%
Farbmalze-Münchner bis 10%Münchner bis 10%-Röstmalz
Farbebier
Brauzucker-bis 15%-Dextrose, Kandis-
Eigenschaften
StW. In Plato15,0 – 18,7512,5 – 18,75
12,5 – 18,7518,75 – 22,514,0 – 18,0
Restextrakt P0,75 – 5,03,0 – 4,52,5 – 4,02.0 – 3,753,0 – 4,5
VergärungsgradHoch70-80%75 – 85%80 – 90%75-80%
Alkoholgehalt5-7%5 – 7%6,3 –7,5%7,5 –10%6 – 7,5%
Bittere in IBU7040 – 6050 – 8070- >10050 – 90
Sudhaus
Rasttemperatur64 – 6666 – 6864 – 6764 – 6664-67
Rastdauer [min]12015 – 3015 – 6060 – 12015-120
VerfahrenSingle InfusionSingle InfusionSingle InfusionSingle InfusionSingle Infusion
Wasser zu Malz3,3:12,7:13:13,2:13:1
Hopfenkochen2-3 Stunden nicht wal­lend90 Minuten wal­lend60-90 Minuten wal­lend60-90 Minuten wal­lend90 Minuten wal­lend
Hopfen
Typische Hopfen- East Kent Goldings
- Fuggle
- East Kent Goldings
- Fuggle
- Target
- Styrian Goldings
- Sovereign
- 4Cs
- Citra
- Simcoe
- Amarillo
- Willamette
- 4Cs
- Amarillo
- Citra
- Simcoe
- 4Cs
- Amarillo
- Citra
- Simcoe
Hopfungsart- Bei Kochung
- Stopfen
- Bei Kochung
- Stopfen
- Vorderwürze
- Kochung
- Whirlpool
- Stopfen
- Vorderwürze
- Kochung
- Whirlpool
- Stopfen
- Vorderwürze
- Kochung
- Whirlpool
- Stopfen
Hopfengaben2/3 Kochstart
1/3 Kochmitte
2/3 Kochstart
1/3 Kochmitte
1 Gabe bis kon­ti­nu­ier­li­ch1 Gabe bis kon­ti­nu­ier­li­ch1 Gabe bis kon­ti­nu­ier­li­ch
Stopfmenge-300 g/hl-300 g/hl-600g/hl-1000g/hl-600g/hl
Gärung
HefeEnglisch, EsterEnglisch, EsterRein oh­ne EsterRein oh­ne EsterRein oh­ne Ester
BeispieleSouthampton Burton IPAFuller's IPA
Samuel Smith's India Ale
Shephered Neame India Pale Ale
Anchor IPA
Firestone Union Jack
Riedenburger Doldensud
Firestone Double Jack
Russian River Pliny the Elder
Stone Ruination IPA
BrewDog Libertine Black Ale
Firestone Wookey Jack
Mikkeller Beer Hop Breakfast

Tabelle 2: Wasserprofile verschiedener Quellen in Burton-on-Trent

 Kalzium [Ca2+ ]Magnesium [Mg2+ ]Bikarbonat [HCO3- ]Sulfat [SO42- ]Natrium [Na+ ]Clorid [Cl - ]
Burton I352243208204416
Burton II2704127072011385

Jan

Der Autor Jan Brücklmeier hat ir­gend­wann Anfang der 1990er sein ers­tes Bier ge­braut. Damals no­ch mit den le­gen­dä­ren ACME Sirup Kits, die über ver­schlun­ge­ne Pfade ih­ren Weg aus England nach Deutschland fan­den. Auch wenn der Geschmack die­ser Biere eher frag­wür­dig war, reich­te es Jan mit dem „Brau- Virus“ zu in­fi­zie­ren. Nach ei­ner ab­ge­schlos­se­nen Lehre zum Schreiner folg­te er des­halb sei­ner in­ne­ren Stimme und stu­dier­te von 1998 bis 2004 in Weihenstephan Brauwesen und Getränketechnologie. Nach dem Studium wur­de es aber erst­mal ru­hig ums Brauen. Nach ei­ni­gen Jahren im Maschinenbau, in de­nen er Getränkeanlagen auf der gan­zen Welt in Betrieb ge­nom­men hat, führ­te Ihn sein Beruf für drei Jahre in die USA, wo er die er­s­te Berührung mit der Craft- Brew- Bewegung hat­te. Infiziert von die­sen neu­en Geschmackerlebnissen hat er auch sei­ne Heimbrautätigkeit wie­der auf­ge­nom­men und die ge­sam­te Nachbarschaft aus sei­ner Garage aus mit fri­schem Bier be­lie­fert. Seit 2012 ist er wie­der nach Deutschland zu­rück­ge­kehrt und seit 2014 braut er mit sei­ner Headless Brewing Company im gro­ßen Stil.


Quellen:
 – Mitch Steele, IPA, 2012, Brewers Publication
 – Christina Schönberger, 2012, Brauwelt 9-10 S. 251 ff
 – Martyn Cornell, 2010, Amber Gold and Black: the his­to­ry of Britain’s Great Beer, History Publishing Group
 – Christina Schönberger, 2012, Vortrag: World Brewing Congress, Master Brewers Association of the Americas, Dry hop­ping — The his­to­ry and its cur­rent im­port­an­ce

Abbildung oben: Einrichtung des Sun Inn im Beamish Museum, von Cory Doctorow, London, UK
Abbildung 1, 2: Wikimedia Commons
Abbildung 3: Anchor Brewing Company

7 Kommentare zu “Stil-Porträt: India Pale Ale

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