Der Broyhan

Wir ver­spü­ren dar­aus, daß Gott unse­re gute Stadt Han­no­ver nicht ver­las­sen will; zwar hat sie die Schiff­fahrt nach Bre­men ver­lo­ren, dafür hat jedoch der Herr sie wie­der­um mit dem Broy­han seg­nen wol­len.“
Her­zog Erich

Gran­dia si fie­rent sum­mo con­vi­via coelo
Broeha­nam superis Jupi­ter ipse daret
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Jupi­ter wür­de selbst bei Fes­ten im hohen Olym­pe
Sei­nen unsterb­li­chen Gäs­ten rei­chen den Nek­tar des Broy­han
Nach And­reae

Wo fin­det man ein Bier, das sol­cher­ma­ßen besun­gen wird? Es han­delt sich um den 1526 von Cord Broy­han erfun­de­nen und nach ihm benann­ten Broy­han. Die­ses Alt­han­nö­ver­sche Getränk gibt es schon län­ger nicht mehr, Spu­ren hat es aber hin­ter­las­sen. Beim Bum­mel durch die Han­no­ver­sche Alt­stadt kommt man am Broyhan‐​Haus vor­bei und fin­det im Wap­pen der Gilde‐​Brauerei, deren Wur­zeln bis auf das Jahr 1546 rei­chen, den sym­bo­li­sier­ten Broyhan‐​Taler. Seit die­sem Früh­jahr hat die Guts­hof­braue­rei Das Freie in Reth­mar eine Inter­pre­ta­ti­on des Broy­han im Sor­ti­ment.

Den Hob­by­brau­er inter­es­siert natür­lich das danach benann­te Bier. Lei­der erhält man vor Ort weni­ge und zum Teil wider­sprüch­li­che Infor­ma­tio­nen dazu. Abbil­dun­gen von Bier­de­ckeln ver­schie­de­ner Broyhan‐​Biere und Abhand­lun­gen zum Broy­han lie­fert Goog­le.

Die Eigenschaften

Nicht ein­fach gestal­tet sich die Suche nach his­to­ri­schen Infor­ma­tio­nen. Auf­zeich­nun­gen Broy­hans (auch Broi­han, Brei­han, Brey­han, Brüh­an, Broi­h­ahn) oder ande­rer Brau­er des 16. Jahr­hun­derts las­sen sich nicht mehr fin­den. Das mag dar­an lie­gen, dass, wie Jor­dan [8] schreibt, die Vor­ge­hens­wei­se in den Brau­er­fa­mi­li­en münd­lich über­lie­fert wur­de. Man muss den Broy­han aus Beschrei­bun­gen rekon­stru­ie­ren. Im Netz fin­det man eini­ge Sei­ten, die sich mit die­ser Bier­sor­te befas­sen. Eine gro­ße Hil­fe bei der Recher­che sind inzwi­schen zahl­rei­che digi­ta­li­sier­te Druck­wer­ke. Als beson­ders ergie­big erwie­sen sich dabei die des Göt­tin­ger Digi­ta­li­sie­rungs­zen­trums. Bei Krünitz [9] erfährt man, dass es nicht nur den einen „Broy­han“ gab:

1) Der Han­no­ve­ri­sche ist der ältes­te. 2) Der Hal­ber­städ­ti­sche wird vor allen andern vor­ge­zo­gen. Nach die­sen fol­get 3) der Qued­lin­bur­gi­sche, 4) der Wol­fen­büt­te­li­sche und Hil­des­hei­mi­sche. 5) In der Graf­schaft Hohen­stein ist der Neu­städ­ter, Klet­ten­ber­gi­sche und Wolf­le­bi­sche bekannt. 6) In Thü­rin­gen hat man eben­falls, vor unge­fähr 70 Jah­ren, in der kai­serl. frei­en Reichs­stadt Mühl­hau­sen Brei­han zu brau­en ange­fan­gen, und an einem Arm des Flus­ses Unstrut, in der Vor­stadt St. Geor­gii vor dem Burg=Thor ein eige­nes Breihan=Brauhaus erbau­et. 7) In dem churf. säch­si­schen Dor­fe Grü­nin­gen, unweit der fürstl. schwarz­bur­gi­schen Stadt, Greu­sen, wird stark Brei­han gebrau­et. 8) Im Fürs­ten­tum Sach­sen­go­tha, wird der­glei­chen zu Fried­rich­ro­da, Ich­ter­hau­sen und Mols­dorf gemacht. 9) Auf dem fürstl. schwarz­bur­gi­schen Cam­mer­gut zu Dorn­heim, bei Arn­stadt im Amt Grä­fen­burg, ist vor vie­len Jah­ren ein guter Brei­han gebrau­et wor­den, den die Bür­ger aus Arn­stadt flei­ßig kos­ten. 10) In dem fürstl. Schwarzburg=Rudolstädtischen Dorf Elx­le­ben, im Amt Stadt=Ilm, wird eben­falls Brei­han gebrau­et, und an ande­re Oer­ter ver­füh­ret“

J. C. Loch­ner schreibt in [10]:

Die bes­ten Brey­ha­ne sind aber biß­her zu Hal­ber­stadt /​Han­no­ver /​Hil­des­heim /​Gas­tin­gen /​und Qued­lin­burg gebräu­et wor­den /​jet­zo fin­det man sie an vie­len Orten in Thü­rin­gen und vie­len ande­ren Orten mehr.“ (D.) ver­gleicht es mit dem Kehl­hei­mer Bier: „Vor allem hat das kehl­hei­mer Weiß­bier den Vor­zug, wel­ches man­ches­mal dem Brüh­an nichts nach­giebt, wie dann in die­ser Stadt ein wich­ti­ges herr­schaft­li­ches weis­ses Bier­brau­haus steht

Nach And­reae [1] ver­such­te Curd Broy­han ein eben­so gutes Bier wie in Ham­burg zu brau­en. Die­ses Bier war im Gegen­satz zu den übli­chen Bie­ren nicht so braun, son­dern hell­braun, kräf­tig und wohl­schme­ckend.

Abb. 2: Titelblatt Sincerum Alexandrum

Her­mb­städt beschreibt den Broy­han als

Sehr hell, dem jun­gen wei­ßen Wein ähn­lich an Far­be …“

und mit

einem dem Wein ähn­li­chen Geruch, und einem ange­nehm süß‐​säuerlichen Geschmack …“

Über die Stär­ke fin­det sich bei Sin­cer­um [14] fol­gen­der Hin­weis:

und wann man solch Bier warm /​oder in einer war­men Stu­be trincket /​schlei­chen sie fein und wohl hin­ein /​und machen gar sehr truncken /​dar­um man sol­ches auch mit Mas­sen /​aber nicht vier­tels und halb Stü­bigs Kan­nen Maas trincken sol­le.“ [Anm.: 1 Kan­ne =1/​2 Stüb­chen = ca 1,9 l]

Nach Wäser [15] war der Broy­han auch recht koh­len­säu­re­hal­tig:

Auf Bou­teil­len gezo­gen kann der Brey­han nach Lösen des Korkstöp­sels bis an die Bal­ken­de­cke sprit­zen. In Drink­glas geschüt­tet das­sel­be oben über die Hälf­te wie Milch aus­sieht, und dem Trin­ken­den als eine Deli­ca­tes­se in der Nase krib­belt.“

In der Con­fir­mir­ten Broy­hans Brau­ord­nung von Schult­zen [13] fin­det man in im CAP III „Von dem­je­ni­gen, was nach dem Brau­en zu beob­ach­ten und zwar erst­lich von der Pro­be“ im Para­graf 8 Hin­wei­se, wel­che Geschmacks­feh­ler im Broi­han nicht vor­kom­men durf­ten:

… als das der Broy­han roht, damp­fig, trü­be, werth­süß, gah­rig, reu­che­rig, bit­ter, dün­ne, faß­faul, sey säue­rig, mulst­rig (schim­me­lig), von unglei­cher Pro­be und Bey­schmack;

Die­se Geschmacks­feh­ler führ­ten dazu, dass die­ses Bier nicht unter dem Namen „Broi­han“ ver­kauft wer­den durf­te. In Cel­le wur­de ein im Kol­le­gi­um durch­ge­fal­le­nes Bier „Wrack­bier“ genannt (Plaß [11]).

Die Zutaten

Ver­schie­de­ne Regeln und Anlei­tun­gen zum Mäl­zen und Brau­en des Broy­hans las­sen sich in gedruck­ter Form erst­mals im 18. Jahr­hun­dert fin­den. In der Nör­te­ner Brau­ord­nung von 1603 (Wolf) wird unter­schie­den in „Bier“ und „Broy­han“, wobei der Broy­han dicker ein­ge­braut wur­de:

Für Bru­han: 10 Mal­ter Gers­ten und drei Mal­ter Wei­zen und nicht mehr als 5 Pfan­nen Was­ser. Dage­gen für Bier 10 Mal­ter Gers­ten und 2 Mal­ter Wei­zen auf sechs Pfan­nen“.

Gemein­sam ist allen Beschrei­bun­gen, dass expli­zit dar­auf hin­ge­wie­sen wird, dass Luft­mal­ze und ofen­ge­darr­te hel­le Mal­ze zu ver­wen­den waren und Rauch­ge­schmack strikt zu ver­mei­den war. Beson­ders deut­lich wird das in der Han­no­ver­schen Brau­ord­nung von 1719 (Schult­zen [13]):

also: daß sol­cher Gestalt behu­eff des Broy­han Brau­ens ent­we­der ganz Lufft = oder doch wenigs­tens halb=Lufft, und halb Offen=Darren=Maltz bey Ver­wen­dung drey Tha­ler Straf­fe künf­tig zu gebrau­chen wie denn auch das Mal­tz auf der Dar­re mit behö­ri­gem Fleiß und Behut­sam­keit zu trac­tie­ren und nicht zu starck zu dar­ren, daß es braun und bran­dig wer­de … Wor­aus zugleich (10.) erhel­let, daß die Rauch­dar­ren wegen des dar­aus ent­ste­hen­den unge­sun­den bit­tern und damp­fig­ten Geschmacks und Geruchs, weni­ger nicht der gar zu hohen, jet­zo unan­ge­neh­men straf­bah­ren Far­be, und daß das Mal­tz, durch unglei­ches Anfeu­ren gar zu leicht dar­auf negli­gi­ret und ver­dor­ben wer­den kan, ein vor allemahl soviel den Broy­han nem­lich anbe­trifft, abzu­schaf­fen, Gleich­wie hie­mit noch­mahls geschie­het, und bey der vor­hin gemel­de­ten §. 7. Gesetz­ten drey Tha­ler Straf­fe ver­boh­ten wird, kein Rauch Darren=Maltz fer­ner behu­eff des Broyhan=brauens zu neh­men, …

Zur Schüt­tung fin­det man unter­schied­li­che Anga­ben. Anfangs wur­de mehr Weizen‐ als Gers­ten­malz ver­wen­dert (Barings). Immer aber wer­den Gersten‐ und Wei­zen­malz ver­wen­det, sel­ten Haber­malz. (J. C. Loch­ner [10]):

zwar 2/​3 an Gers­ten, und 1/​3 an Weizen=Malz

und (Schult­zen [13]):

Etli­che neh­men gleich­viel Wait­zen= und Gers­ten – Mal­tz dar­zu; so aber der Brey­han recht gut schme­cken sol­le /​muß mehr Wait­zen als Gers­ten dar­zu genom­men wer­den … Zu Braun­schweig nimmt man zu einem Mis­pel Gers­ten zehn Himp­ten Wait­zen /​davon bräu­et man daselbst secht­halb Brey­han

Wäser gibt in [15] für den Hal­ber­städ­ti­schen Brey­han „Halb Wei­zen halb Gers­te bei­des Luft­malz“ an. Bei Schult­zen [13] fin­den wir auch Hin­wei­se zur Hop­fung:

Im Win­ter und Som­mer soviel Hop­fen, wie dien­lich erach­tet, aber im Som­mer nicht unter einen Mal­ter und im Win­ter nicht über einen hal­ben Mal­ter.

Dass der Broy­han gar nicht gehopft wur­de, beschrei­ben meh­re­re Autoren. Eini­ge der ver­öf­fent­li­chen Anwei­sun­gen beschrei­ben das Zusam­men­füh­ren von zwei bis drei Wür­zen und das Auf­fül­len der bei der Gärung her­aus­ge­drück­ten Wür­ze durch zurück­ge­hal­te­ne Wür­ze.

1747 wur­den in Han­no­ver 32.000 hl Broy­han gebraut (Mly­nek [19]). Bei dem Sena­tor und Apo­the­ker Jor­dan, auf den sich Her­mb­städt in [13] bezieht, fin­det sich der Hin­weis, dass es im 18. Jahr­hun­dert einen Rück­gang des Bier­kon­sums zum einen durch man­gel­haf­te Qua­li­tät des Was­sers und des Mal­zes, zum ande­ren auch durch die Ein­füh­rung von Kaf­fee, Tee und Brannt­wein gab. Zudem macht er man­geln­de Hygie­ne und die Nicht­an­wen­dung von Ther­mo­me­ter und Flüs­sig­keits­waa­ge dafür ver­ant­wort­lich und stellt die Her­stel­lung des ursprüng­li­chen Han­no­ver­schen Broy­hans in sei­nem Buch dar. Dabei beruft er sich sowohl auf sei­ne Erfah­run­gen im Poli­zei­amt, bei dem er auch mit der Über­wa­chung der Brau­stät­ten befasst war, als auch auf eige­ne Ver­su­che. Er beschreibt, dass zum Broyhan‐​Brauen nur eine Wür­ze gezo­gen wur­de. Der zwei­te Auf­guss ergab das Con­vent­bier.

Der historische Brauvorgang

Im Fol­gen­den gebe ich eine an Jor­dan ange­lehn­te Beschrei­bung der Her­stel­lung des ursprüng­li­chen Broy­hans wie­der. Die Umrech­nun­gen bezie­hen sich auf Nie­mann [4] und internetchemie.info [7].

Einmaischen

Abb. 6: Teig nach dem Einmaischen

Zu Beginn wird kochen­des Was­ser in die Büd­de gege­ben und abge­kühlt, um einen brei­ar­ti­gen Teig von 34–45 °C aus dem Schrot zu bil­den. Mit ruder­ar­ti­gen (Zim­mer­mann [18]) Brau­höl­zern wird die Mai­sche so lan­ge bear­bei­tet, bis kei­ne Mehl­klum­pen mehr vor­han­den sind. Dann wird abge­deckt und die Mai­sche so lan­ge ruhen gelas­sen bis das zwei­te Brau­was­ser ca. eine hal­be Stun­de gekocht hat. Nun wird das kochen­des Was­ser zuge­ben und die Mai­sche mit Rühr­höl­zern und -krü­cken durch­ge­ar­bei­tet. Die Ziel­tem­pe­ra­tur soll­te zwi­schen 69 und 75 °C lie­gen.

Die Mai­sche wird abge­deckt und auf die Klä­rung gewar­tet. Die­se wird nach ein­ein­halb bis maxi­mal zwei Stun­den ein­ge­tre­ten sein. Die Wür­ze soll nun eine Dich­te von etwa 12 °Beau­me, ent­spre­chend 22 °P haben. Die­se Dich­te steht im Wider­spruch zu den Anga­ben in bar­clay­per­kins [23], nach denen der Broy­han einen Alko­hol­ge­halt von 2,84 Vol‐% bei einer Stamm­wür­ze von 8,5 °Pla­to hat­te, erklärt jedoch die oben beschrie­be­nen Wir­kun­gen. Da die Sac­charo­me­ter­ska­la von Bal­ling erst weit nach dem Erschei­nungs­da­tum von Jor­dans Buch liegt, wird sich die Anga­be „12 auf der Bier­waa­ge“ auf die Bau­me Ska­la bezie­hen.

Vorderwürze

Abb. 7: Vorderwürze

Nun wird die Wür­ze mit einem von ihm kon­stru­ier­ten Sei­her abge­zo­gen und, wenn sie klar ist, auf­ge­fan­gen. Im Anschluss wird die Wür­ze mit eini­gen Eimern kochen­dem Was­ser abge­spült. Anschlie­ßend ver­bleibt sie so lan­ge in der Stell­büd­de, bis erneut Was­ser für den zwei­ten Auf­guss zur Her­stel­lung des Con­vent Bie­res kocht. Nach dem Angie­ßen des Tre­bers für das Con­vent Bier wird die Wür­ze in der Pfan­ne auf­ge­kocht. Wird ein hell­gel­bes Getränk ver­langt, beträgt die Koch­zeit etwa ein­ein­halb bis maxi­mal zwei Stun­den. Der Leim­stoff (Eiweiß­bruch) bil­det jetzt Klum­pen. Die­ser Broy­han kann sechs bis acht Tage der Säue­rung, die aber nicht wider­lich ist, wider­ste­hen. Kocht man wei­ter, bis sich dicke Klum­pen bil­den, erhält man einen dunk­le­ren, bier­ar­ti­gen und län­ger halt­ba­ren Broy­han.

Ange­stellt wird bei mäßi­ger Käl­te bei 17,5 °C, bei hef­ti­ger Käl­te bei 26,5 °C. Die Wür­ze lässt man dann auf 17,5 °C abküh­len. Im Som­mer erfolgt Über­nacht­küh­lung mit anschlie­ßen­der Anstel­lung. Die Gär­dau­er beträgt cir­ca 36–40 Stun­den. Vier Tage nach voll­ende­ter Gärung kann der Broy­han auf sau­be­re Fäs­ser umge­füllt wer­den.

Im Lau­fe der Zeit wur­de wohl der Zusatz von Hop­fen, Salz, Porst, Ros­ma­rin, Bei­fuß, Wer­mut, Wach­hol­der­bee­ren und ande­rer Mate­ria­li­en beim Broy­han üblich. Krünitz [9] beschreibt ein schwe­di­sches Rezept mit „Würz­nel­ken, Zim­met, Cori­an­der­saa­men, Gal­gant und Veil­chen­wur­zel“. Jor­dan führt dage­gen an, dass ursprüng­lich kei­ne Zusät­ze ver­wen­det wur­den, der Broy­han dem­zu­fol­ge auch unge­hopft blieb.

Im März und Okto­ber wur­de auch ein Dop­pel­broy­han gebraut.

Broyhan Brauen in Anlehnung an historische Angaben

Bei der Zusam­men­stel­lung habe ich mich an den Anga­ben von Jor­dan [8] und Her­mb­städt [6] ori­en­tiert und die Guss­men­gen mit dem „Klei­nen Brau­hel­fer“ berech­net:

  • 2/​3 Gers­ten­malz, 1/​3 Wei­zen­malz. Da die Mal­ze frü­her schlech­ter gelöst waren, habe ich 15 % des Ges­ten­mal­zes durch Roh­frucht ersetzt. Für 10 Liter Broy­han sind das dann 2,2 kg Pil­se­ner Malz, 380 g Gers­te, 1200 g Wei­zen­malz und 100 g Sauer­malz.
  • Ziel­stamm­wür­ze 21 °Pla­to
  • Mai­sche als Teig­mai­sche, ange­brüht mit 5,25 l Was­ser, Rast 1 h bei 40 °C,
  • Mai­sche durch Zuga­be von 10,5 l sie­den­dem Was­ser, 1 h bis zur Klä­rung bei 69 °C.
  • Da es ein rei­nes Vor­der­wür­ze­bier sein soll, wird nur die­se abge­zo­gen.
  • 1 h kochen und dann auf 17 °C abküh­len
  • Ange­stellt mit Dan­star Wind­sor, einer Hefe mit nied­ri­gem Ver­gä­rungs­grad.
    (Das Kon­vent­bier habe ich mir „geschenkt“.)

Braubericht

AnstellwürzeEin­mai­schen mit 2,5 l Was­ser reicht zum Antei­gen aus. Das Schrot war sehr grob, die Mai­sche war daher nicht tei­gig. Ihre Kern­tem­pe­ra­tur lag bei 38 °C, sie ver­blieb 1 Stun­de im Was­ser­bad von 40 °C. Der Maische‐​pH betrug 4,5.

Nach Zubrü­hen des sie­den­den Was­sers steigt die Mai­sche­tem­pe­ra­tur auf 71 °C und sinkt im Lau­fe der Stun­de auf 60 °C, die Jod­pro­be ist nega­tiv. Nach Abzie­hen der Wür­ze mit der Läu­ter­he­xe ver­blei­ben 9 l mit 12,1 Brix. Nach 1 Stun­de Koch­zeit betrug die Aus­beu­te gut 6 Liter Wür­ze mit 19,7 Brix.

Die Gärung der mit einem Star­ter ange­setz­ten Windsor‐​Hefe kam nach knapp einer Stun­de an und ver­lief hef­tig.

Nach einer Woche wur­den 11,3 Brix gemes­sen, was einen Alko­hol­ge­halt von 7,5 Vol% und einen schein­ba­ren Ver­gä­rungs­grad von 71% ergibt.

Ver­kos­tet wur­de der Broy­han von Mit­glie­dern des „1. Han­nö­ver­schen Hob­by­brau­er­stamm­ti­sches“ und pro­fes­sio­nel­len Brau­ern. Ins­ge­samt kamen die Ein­drü­cke den his­to­ri­schen Beschrei­bun­gen recht nahe:

Far­be: Hell­gelb, leicht trüb

Nase: fruch­tig, süßer Apfel, hefig, mal­zig, ganz leich­te Brot­no­te

Geschmack: Fruch­tig, frisch, süß, süßer Apfel­saft mit leich­ter Säu­re, „mund­fül­lend“, nicht alko­ho­lisch, erfri­schend, Feder­wei­ßem ähn­lich, „je mehr, des­to bes­ser“.

Abgang: Mine­ra­lisch.


Historische Maße

Kan­ne = ½ Stüb­chen ≈ 1,9 l
Metze(n), Spint = ¼ Him­ten ≈ 7,7879 l
Himte(n) = ½ Schef­fel ≈ 31,152 l
Schef­fel = 1/​3 Mal­ter ≈ 62,3 l
Mal­ter (Basis­grö­ße) ≈ 186,91 l ≈ 1,87 hl (1836)
Wis­pel = 6 Mal­ter ≈ 1,12146 m³
Kubik­fuß = 24.9226l = 67,55 Pfund Was­ser
Schütt­dich­te von Malz, tro­cken [24] 0,35 — 0,45 kg/​l

Literaturliste

  1. And­reae. Chro­nik der Resi­denz­stadt Han­no­ver von den ältes­ten zei­ten bis auf die Gegen­wart
  2. Barings, Dani­el Eber­hard. Kur­ze His­to­ri­sche und Phy­si­ca­li­sche Nach­richt von dem in Han­no­ver zuerst erfun­de­nen Getränk Broi­han. Han­no­ver, 1750.
  3. D., J. H. Anti­qua­ri­us des Donau Stro­mes. Frank­furt am Main, 1785
  4. Nie­mann, D. Fried­rich Alb. Voll­stän­di­ges Hand­buch der Mün­zen Maße und Gewich­te aller Län­der der Erde. Qued­lin­burg und Leip­zig, 1830
  5. Hager, Johann Fried­rich. Brau­ord­nung der Stadt Göt­tin­gen . Johann Fried­rich Hager, Ohne Anga­be
  6. Her­mb­städt, S. F. Che­mi­sche Grund­sät­ze der Kunst Bier zu brau­en. Ber­lin, 1826
  7. Internetchemi.info. Sac­cha­ro­se Dicht­e­ta­bel­le. kein Datum
  8. Jor­dan, Johann Chris­toph. Anwei­sung zum kunst­mä­ßi­gen Brau­en des Weiß­biers. Han­no­ver, 1799
  9. Krünitz, J. G. Oeko­no­mi­sche Ency­klo­pä­die, kein Datum
  10. Loch­ner, Johann Chris­toph. Zu aller­ley guten Geträn­ken treu­hertzig anwei­sen­de woh­ler­fah­re­ne und Curio­se Keller=Meister. Nürn­berg, 1710
  11. Plaß, Hei­ke. Cel­ler Bier und Cel­ler Sil­ber. Münster/​New York/​München/​Ber­lin: Wax­mann, 2004
  12. Schön­feld, F. Die Her­stel­lung ober­gäh­ri­ger Bie­re. 1902: Parey
  13. Schult­zen, C Chris­toph Ludolf. Stadt Han­no­ver­sche Con­fir­mier­te Broy­hans Brau­ord­nung nebst der Broy­hans Brau­ta­bel­le. Han­no­ver, 1719.
  14. Sin­cer­um, Alex­an­drum. Der woh­lerfahr­ne Brau­meis­ter. Orag.
  15. Wäser, Johann Wil­helm. Gründ­li­che Anlei­tung zum Bier­brau­en zur Beför­de­rung rich­ti­ger Grund­sät­ze der vor­züg­li­chen Berei­tung das Braun= Weiß= und Englisch=Bier betref­fend. Johann Wil­helm Wäser Ber­lin 1793. Ber­lin, 1793.
  16. Wiki­pe­dia. Alte Maße und Gewich­te (Han­no­ver). kein Datum
  17. Wolf, Johann. Diplo­ma­ti­sche Geschich­te des Peters Stif­tes zu Nor­ten. Erfurt, 1799
  18. Zim­mer­mann. Der Bier­brau­er als Meis­ter in sei­nem Fache. Ber­lin, 1842
  19. Mly­nek, Klaus und Röhr­bein, Wal­de­mar. Han­no­ver Chro­nik Von den Anfän­gen bis zur Gegen­wart
    Zah­len Daten Fak­ten. Schlü­ter­sche Han­no­ver 1991
  20. hobbybrauer.de: Broy­han Brau­en
  21. bar­clay­per­kins: Broy­han reci­pe
  22. bar­clay­per­kin: Pota­to Broy­han
  23. bar­clay­per­kins: Even more Dorn­busch bull­shit
  24. Schütt­gut­ta­bel­le unter www.bv-net.de

Titel­bild: Logo der Gilde‐​Brauerei Han­no­ver mit sti­li­sier­tem Broyhan‐​Taler

Ein Kommentar zu “Der Broyhan

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