Berliner Bierwege – Teil 1

Lemke am Alex

Tour 1: Vom Alex zum Prenzl’berg

In vie­len Medien wird Berlin schon seit ge­raum­er Zeit als die Hauptstadt der deut­schen Craftbier-Bewegung aus­ge­ru­fen. Auch wenn das, ge­mes­sen an der Zahl der Brauereien, ins­be­son­de­re wenn man sie ins Verhältnis zur Einwohnerzahl stellt, zu hoch ge­grif­fen ist, tut sich in Berlin doch ei­ni­ges. Neben ei­ni­gen neu­en Brauereien öff­nen stän­dig neue Bierbars, teils mit wirk­li­ch in­ter­es­san­tem Konzept.

Höchste Zeit al­so, die Berliner Bier-Orte ein­mal sys­te­ma­ti­sch zu er­kun­den. Ich möch­te eu­ch da­für ei­ni­ge Wege vor­schla­gen, die mit we­nig Aufwand zu mög­lichst vie­len bie­ri­gen Orten füh­ren. Den Auftakt macht ei­ne Tour von der öst­li­chen Innenstadt zum Prenzlauer Berg, der nicht nur his­to­ri­sch ei­ner der Brauerei-Brennpunkte Berlins ist.

Alle Touren sind so kon­zi­piert, dass man sie zu Fuß ab­sol­vie­ren, aber an ei­ni­gen Stellen auch mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln ab­kür­zen kann. Dafür emp­fiehlt sich auf je­den Fall der Kauf ei­ner Tageskarte, die für 7 Euro bis 3 Uhr des nächs­ten Morgens gilt. Für die er­s­te Tour war ich von ca. 18 bis 24 Uhr et­wa 6 Stunden un­ter­wegs, was aber im­mer da­von ab­hängt, wie­viel Zeit man an den ein­zel­nen Zielen ver­bringt – ich hat­te nur an et­wa je­der zwei­ten Station ein klei­nes Bier.

Start bei Lemke

Tour 1

Tour 1

Die Route be­ginnt am Alexanderplatz, der mit der U-Bahn (Linie U2, U5 und U8), S-Bahn (Linien 5, 7 und 75) und Straßenbahn (Linien M2, M4, M5, M6, M8) gut er­reich­bar ist.

Lemke innenZum Brauhaus Lemke am Alex sind es nur we­ni­ge Schritte an der S-Bahnlinie ent­lang über die Liebknechtstraße. Etwas zu­rück­ge­setzt sieht man den Flachbau des „Brauhaus Mitte“, in dem Lemke seit ei­ni­gen Jahren Hausherr ist.

Nach der Renovierung 2016 er­öff­ne­te das Haus dann als Brauhaus Lemke am Alex. Aus dem häss­li­chen 70er-Jahre-Plattenbau wur­de ei­ner der größ­ten und – zu­min­dest in­nen – schöns­ten Bierpaläste Berlins. Hier, in sei­ner mitt­ler­wei­le vier­ten Niederlassung, kann der Eigentümer und Braumeister Oliver Lemke sei­ne Craftbier-Ambitionen end­li­ch in ei­ner wür­di­gen Umgebung aus­le­ben.

Auf zwei Etagen ste­hen ganz­jäh­rig meh­re­re Hundert Plätze zur Verfügung, und im Sommer kann die Kapazität mit dem Biergarten mehr als ver­dop­pelt wer­den. Weitere Expansionsmöglichkeiten gibt es in und vor den S-Bahn-Bögen Richtung Hackescher Markt. Gemunkelt wird schon von ei­ner se­pa­ra­ten Kaltstrecke zur Produktion von Berliner Weiße.

Ausgeschenkt wird aus­schließ­li­ch das ei­ge­ne Bier, aber das Angebot ist trotz­dem an­sehn­li­ch: von Pils über Wiener Lager, Weizen, Pale Ale und IPA bis zum Imperial IPA und Imperial Stout sind vie­le Craftbier-Schlager ver­tre­ten. Ich hat­te ei­ne sehr gu­te Hopfenweiße, ein kräf­tig gehopf­ter Weizenbock mit fruchtig-hopfig-würziger Nase, wei­chem Antrunk, sä­mi­ger Textur und schö­nem, sanft bit­te­ren Hopfenaroma im Finish.

Wer möch­te, kann auch ei­nen Abstecher zur zwei­ten Lemke-Niederlassung am Hackeschen Markt ma­chen. Sie liegt nur we­ni­ge hun­dert Meter ent­lang der Stadtbahnlinie ent­fern. Hier re­si­diert die Bierbar in zwei S-Bahn-Bögen. Nur we­ni­ge Schritte wei­ter di­rekt am Hackeschen Markt be­fin­det sich der Brauerei-Ausschank der Brauerei Weihenstephan, de­ren Biergarten im Sommer im­mer gut be­sucht ist und wo man in der kal­ten Jahreszeit am schöns­ten im Gewölbekeller sitzt.

Nur der Vollständigkeit hal­ber sei no­ch das Hofbräuhaus in der Karl-Liebknecht-Straße er­wähnt. Einen Besuch dort emp­feh­le ich aber nur den­je­ni­gen, die mit der ex­por­tier­ten, tou­ris­ti­sch aus­ge­schlach­te­ten krach­le­der­nen Bierseligkeit des Münchner Hofbräuhauses et­was an­fan­gen kön­nen und sich auch nicht an der et­was lieb­los um­ge­bau­ten Plattenanarchitektur der ehe­ma­li­gen Großkantine stö­ren.

MarkusbräuBesser wen­den wir uns gleich in Richtung Norden und ge­hen durch die S-Bahn-Unterführung zur Rosa-Luxemburg-Straße und die­se ent­lang bis zum Marcusbräu an der Ecke Münzstraße. Obwohl Inhaber Georg Barkowsky dort schon zu DDR-Zeiten ein Bierlokal hat­te, und seit der Jahrtausendwende auch selbst braut, war das bis­her ein wei­ßer Fleck auf mei­ner per­sön­li­chen Brauereikarte. Völlig zu un­recht, denn das Dunkel, das im Moment ne­ben ei­nem Hellen und ei­nem Rotbier aus­ge­schenkt wird, ist ta­del­los, stil­ge­recht und sau­ber ge­braut.

Der 200er Braumeister, der di­rekt an der Eingangstür ne­ben zwei Edelstahltanks im Schaufenster steht, ist schon die drit­te Brauanlage. Ganz im Gegensatz zur ra­san­ten Expansion bei Lemke wird hier sehr be­hut­sam im­mer nur so­weit aus­ge­baut, wie es zur Versorgung der Gäste nö­tig ist. Ebenso be­hut­sam wird die eher bo­den­stän­di­ge Bierpalette ent­wi­ckelt.

KaschkGehen wir zu­rück zur Rosa-Luxemburg-Straße und fol­gen ihr an der Volksbühne vor­bei bis zur Ecke Torstraße, fin­den wir auf der lin­ken Seite, di­rekt am Nordausgang der U2-Station Rosa-Luxemburg-Platz, die Bierbar Kaschk. Hier hat man sich auf lo­ka­le und skan­di­na­vi­sche Brauereien spe­zia­li­siert, und so fin­den sich ne­ben Lenny’s, Straßenbräu, von Freude und BRLO auch nor­di­sche Brauereien wie Lervig, Kinn und ToØl am Hahn. Das Publikum ist über­wie­gend jung und hip, die Musik und der Lärmpegel aber an­ge­nehm. Ich be­stell­te mir ein Lervig Lucky Jack Pale Ale, das mit Grapefruitschalen ein­ge­braut wur­de. Das her­be Zitrusfruchtaroma ist sehr prä­sent, das Bier mit sei­nen 4,7% leicht, schlank und tro­cken.

Kaschk Bar

Kaschk Bar

Auf zur Schönhauser

Die Mikkeler Bar in der Torstraße 102 ist mitt­ler­wei­le mehr als nur ein Gerücht, denn am 18. März, al­so kurz vor Erscheinen die­ses Artikels, aber ei­ni­ge Tage nach mei­nem Foto-Rundgang, soll die er­s­te deut­sche Niederlassung der Dänischen Gipsy-Brauer dort er­öff­nen. Bisher sah man nur ab und zu wech­seln­de ty­pi­sche Mikkeler-Grafiken in den Fenstern, aber in­zwi­schen wird auch ge­baut. Auch wenn es vor dem Lokal no­ch im­mer mehr nach Abriss als nach Aufbau aus­sieht, geht es in­nen doch vor­an.

Ich traf die Bar-Mannschaft bei ei­ner Besprechung an – lei­der wa­ren die Zapfhähne no­ch nicht in Betrieb. Der Eröffnungstermin am kom­men­den Wochenende steht aber, wie man mir ver­si­chert hat. Zur Mikkeler-Bar kann man gut 10 Minuten lau­fen oder ei­ne Station mit der Straßenbahn bis zum Rosenthaler Platz fah­ren. Gleich um die Ecke be­fin­det sich üb­ri­gens das Circus Hostel mit der „Circus Hostel Brewing Co.“, die auf ei­ner Nano-Anlage im Keller im ganz klei­nen Maßstab Bier braut und in der Katz&Maus-Bar aus­schenkt.

Wer no­ch ein Bier auf den Weg braucht, kann im Vorbeigehen beim Flaschbiershop an der Ecke Fehrbelliner Straße und Schönhauser Allee ein­keh­ren. Neben ei­nem üp­pi­gen Sortiment an Flaschenbieren gibt es dort auch re­gel­mä­ßig Bier-Events wie Vorstellungen von Brauereien und Verkostungen. Ansonsten ge­hen wir zu Fuß oder per Straßenbahn wie­der zum Rosa-Luxemburg-Platz zu­rück und stei­gen dort in die U2 in Richtung Pankow ein, um ei­ne Station zum Senefelder Platz zu fah­ren.

Am Pfefferberg

PefferbergDirekt am süd­li­chen Ausgang der U2 sieht man links die Kolonnaden des Pfefferbergs. Schon 1842 öff­ne­te hier die er­s­te Brauerei des Namensgebers Julius Pfeffer, die nach meh­re­ren Besitzerwechseln 1912 die heu­ti­ge Form er­hielt, aber be­reits 1921 wie­der den Braubetrieb ein­stell­te. Danach re­si­dier­ten hier ei­ne Schokoladen- und ei­ne Brotfabrik. Während des zwei­ten Weltkriegs pro­du­zier­te Telefunken in den Brauereikellern Funkmesstechnik. Nach dem Krieg wur­de bis 1973 die SED-Zeitung Neues Deutschland dort ge­druckt. Danach lag das Gelände end­gül­tig brach und ver­fiel wei­ter, auch als man es in der Wendezeit un­ter Denkmalsschutz stell­te.

Der Verein Pfefferwerk re­stau­rier­te die ver­fal­le­nen Gebäude, in de­nen heu­te un­ter an­de­rem ei­ne Gaststätte mit Brauerei und ein Theater re­si­die­ren. Die Brauerei Pfefferbräu wird von Thorsten Schoppe, Urgestein der neu­en Berliner Brauerszene, be­trie­ben und ver­sorgt mit ih­ren Bieren ei­nen der schöns­ten Berliner Biergärten. Die Bierauswahl ist mit Hell, Dunkel und ein bis zwei Spezialbieren eher bo­den­stän­dig.

Herman außenWilder geht es da ne­ben­an im Herman zu. In der un­schein­ba­ren, mi­ni­ma­lis­ti­sch ge­stal­te­ten win­zi­gen Bar er­war­tet eu­ch die wohl größ­te Auswahl bel­gi­scher Biere in Berlin. Aus vier Hähnen und aus der Flasche wird al­les aus­ge­schenkt, was in Belgien Rang und Namen hat. Hier ist auch Deutschlands ein­zi­ge Möglichkeit, am Zwanze Day das all­jähr­li­che Spezialbier der Cantillon-Brauerei zu ver­kos­ten. Im Sommer la­den ne­ben den ca. 25 Innenplätzen auch ei­ni­ge Tische vor der Tür ein, bei ei­nem Bier das bun­te Treiben in der aus­lau­fen­den Schönhauser Allee zu be­trach­ten. Essen gibt’s im Imbiss ne­ben­an.

Herman Belgian Beer Bar

Herman Belgian Beer Bar

Im Herman hat­te ich vom Fass das Saison Dupont, ein recht „zah­mes“ Saisonbier, das so schlank da­her kommt, dass der Barmann es auch schon mal ei­nem Gast emp­fiehlt, der nach ei­nem Pils oder Lager fragt (aus Prinzip wer­den hier nur ober­gä­ri­ge Biere aus­ge­schenkt).

Um di­rekt zum „Starken August“ zu ge­lan­gen, kann man am Nordeingang des U2-Bahnhofs Senefelder Platz wie­der in die U-Bahn ein­stei­gen und ei­ne Station bis zur Eberswalder Straße fah­ren. Dort stei­gen wir in Fahrtrichtung vorn rechts aus; wei­ter geht’s dann im Abschnitt „Zirkusluft„.

Biertankstelle

Für die Wanderer gibt es no­ch zwei Bonus-Locations: Das Urban Fuel liegt et­was ab­seits der Schönhauser und ist auch nur im Sommer ge­öff­net. Auf dem Gelände ei­ner al­ten Tankstelle wird Craft-Bier und Streetfood aus ei­nem Imbisswagen an­ge­bo­ten. 2015 be­gan­nen die bei­den Betreiberinnen, an der Freien Internationale Tankstelle je­den Donnerstag Brauer und Köche zu­sam­men­zu­brin­gen und zum Essen auf die Hand pas­sen­des Bier an­zu­bie­ten. Ob auch 2017 wie­der et­was ähn­li­ches ab­geht ist aber no­ch un­ge­wiss.

Wir ge­hen wei­ter an der Schönhauser ent­lang Richtung Norden. Wenn die U-Bahn auf dem Mittelstreifen auf­taucht, um im wei­te­ren Verlauf der Allee als Hochbahn wei­ter­zu­fah­ren, wech­seln wir auf die Rechte Straßenseite, wo wir kurz dar­auf die Backsteingebäude der Kulturbrauerei ent­de­cken. Einst Stammhaus der Berliner Schultheiß-Brauerei, ist der denk­mal­ge­schütz­te Komplex seit der Wende ein Ort für viel­fäl­ti­ge Kultur- und Party-Events. Die Gebäude sind kom­plett er­hal­ten, so­gar in­klu­si­ve der rie­si­gen Lagerkeller, die man im Rahmen von Führungen be­sich­ti­gen kann. Mehrmals jähr­li­ch ist der Brauereihof auch ein Ort für Bier-Events, zum Beispiel bei der Craft-Bier und Streetfood-Messe „Handgemacht“ im Mai und September.

Zirkusluft

Einige hun­dert Meter wei­ter fin­det sich rechts die Bar Zum Starken August (I). In ei­nem im Zirkusstil auf­ge­mach­ten Gastraum fin­den dort re­gel­mä­ßig fre­che und fri­vo­le Events statt. An der Bar flie­ßen aus meh­re­ren Hähnen Craftbiere; auch die Flaschenbier-Auswahl ist se­hens­wert. Das Publikum ist sehr jung und zahl­reich, so dass es dort am spä­te­ren Abend zu­meist eng und laut zu­geht. Der Barmann ist viel be­schäf­tigt, so dass ich das Bier lie­ber auf die nächs­te Location ver­scho­ben ha­be.

Wer vom Laufen no­ch nicht ge­nug hat, kann no­ch ei­nen Ausflug zur ehe­ma­li­gen Willner-Brauerei ma­chen, die et­wa 1 Kilometer wei­ter an der Schönhauser Allee liegt. In den Resten der schon teil­wei­se ab­ge­ris­se­nen Brauerei ar­bei­te­ten un­ter an­de­rem Bogk-Bier und Schneeeule an ih­rer Sauerbieren. 2016 war der Ort Schauplatz des Berliner Weiße Gipfels. Ansonsten fin­det man hier ein ita­lie­ni­sches Restaurant mit schö­nem Biergarten und ei­ne klei­ne Bierbar.

Zur Prenzlauer

Die nicht so sport­li­chen Bier-Wandere bie­gen aber schon an der Gneiststraße rechts ab und lau­fen über den Helmholtzplatz in die Schliemannstraße. Hier fühlt man sich schon weit ab vom Touristenstrom in ei­nem recht ru­hi­gen Wohngebiet. Auch die Fassade des Salt’n Bone macht nicht viel her: die in Sandfarben ge­tünch­te Front mit den ehe­ma­li­gen Schaufenstern, über de­nen vor Jahren wahr­schei­li­ch noh „Obst und Gemüse“ stand, sieht eher so aus, als wä­re der Laden zu ei­ner Parterre-Wohnung um­ge­baut wor­den, so wie das zu Vorwende-Zeiten durch­aus üb­li­ch war. Fast wä­re ich an der un­schein­ba­ren, un­be­leuch­te­ten Eingangstür vor­bei ge­lau­fen.

Drinnen setzt sich der Eindruck fort. Der Gastraum wirkt un­ter der holz­ge­tä­fel­ten Decke wie ein ge­die­ge­nes Wohnzimmer. Alle Tische sind be­setzt, und von den meis­ten hört man Gespräche in Sprachen al­ler Herren Länder. Der aus Irland stam­men­de Barmann er­klärt sei­ner of­fen­sicht­li­ch neu­en Kollegin ge­ra­de ei­ni­ge Cocktails. Gegenüber der Bar hängt ei­ne (na­tür­li­ch mit Kreide auf ei­ne Tafel ge­schrie­be­ne) Bierkarte, die sechs Biere von deut­schen und in­ter­na­tio­na­len klei­nen Brauereien lis­tet. Ab und zu gibt es hier auch spe­zi­el­le Events mit Craft-Brauern. Ich nahm ei­nen der letz­ten Plätze an der Bar ein und nutz­te die Gelegenheit, end­li­ch ein­mal das Incredible Pale Ale von Hopfenstopfer zu kos­ten: tol­le Hopfenaromen in Nase und Gaumen und ein or­dent­li­ch bit­te­rer Abgang, der nur ein we­nig zu lang nach­hängt.

Salt'n Bone Bar

Salt’n Bone Bar

MontereyJetzt zu­rück zur Raumerstraße, dann links bis zur Senefelder Straße und dort rechts bis zur Danziger. Biegt man links ein, fin­det man nach et­wa 100 Metern links die Monterey Bar.  An zehn Hähnen er­war­tet uns hier ein Top-Angebot deut­scher und in­ter­na­tio­na­ler Craft-Biere. Aus den Boxen gibt es so sat­te Rockmusik, dass der Barkeeper al­le Mühe hat, die Bestellungen zu ver­ste­hen. Die Unterhaltungen in der im­mer gut ge­füll­ten Bar müs­sen mit den Boxen kon­kur­rie­ren, so dass es mir bald zu laut wird und das Bier hier aus­fällt.

Monterey Bar

Monterey Bar

Stattdessen geht es die Danziger Straße wei­ter bis zur Kreuzung Prenzlauer Allee. Ein Stück die Prenzlauer rechts hin­auf Richtung Alex liegt schließ­li­ch un­se­re letz­te re­gu­lä­re Station, die ita­lie­ni­sche Craftbier-Bar Birra. Wir hat­ten ja zur Eröffnung aus­führ­li­ch be­rich­tet. Nach wie vor be­kommt man dort die krea­ti­ven und so­li­den Biere der Mailänder Birrificio Lambrate und be­freun­de­ter Gastbrauereien aus nicht we­ni­ger als 19 Hähnen und da­zu klei­ne, aber fei­ne ita­lie­ni­sche Spezialitäten aus der win­zi­gen Küche in der Barecke.

Ich hat­te Glück und er­wisch­te den Porchetta-Tag, an dem es die ita­lie­ni­sche Schinkenspezialität im Brötchen gab – le­cker! Dazu hat­te ich ein aus der Handpumpe ge­zapf­tes Ghisa. Das rau­chi­ge Porter be­kommt auf die­se Art ei­nen un­heim­li­ch cre­mi­gen Schlagsahne-Schaum und wird durch die sanf­te­re Karbonisierung no­ch wei­cher und süf­fi­ger. Der mild Rauch passt ganz her­vor­ra­gend zum Porchetta.

Von hier kann man den Heimweg mit der Straßenbahn oder vom S-Bahnhof Prenzlauer Allee an­tre­ten. Ist man aber no­ch nicht mü­de, gibt es no­ch ein…

…Bonusprogramm!

Wer no­ch im­mer nicht ge­nug hat, steigt an der Ecke Prenzlauer/Danziger in die Straßenbahn M10 Richtung Warschauer Straße und fährt sechs Stationen bis zur Kreuzung Landsberger Allee. Etwa 300m hin­ter der Kreuzung liegt auf der rech­ten Seite das Bierlieb. Holger Trabant und sein Team bie­ten dort nicht nur ei­ne ex­zel­len­te Auswahl an Flaschenbieren an, son­dern ha­ben auch vier Zapfhähne, an de­nen im­mer be­son­de­re Spezialitäten be­freun­de­ter Craftbrauer hän­gen. Im Hinterzimmer fin­den häu­fig Tastings und Seminare statt, und in der Remise auf dem Hof, auf dem man im Sommer auch un­ter ei­nem Pavillon sit­zen kann, gibt es ne­ben ei­nem Raum für Braukurse auch ei­ne klei­ne Versuchsbrauerei. Im Laden steht ein Biertausch-Kühlschrank, über den Hobbybrauer ih­re Kreationen aus­tau­schen kön­nen. Schließlich bie­tet Holger auch ein klei­nes Sortiment an Hobbybraubedarf an. Ein Besuch lohnt sich al­so im­mer.

Cristal und Richard im Bierlieb – viel­leicht ei­ne der letz­ten Gelegenheiten für ein Foto?

In den letz­ten Tagen gab es al­ler­dings be­un­ru­hi­gen­de Neuigkeiten über das Bierlieb. Das Personal ist zum April ge­kün­digt, die Zukunft des Bierlieb da­na­ch völ­lig un­klar, von Holger kei­ne Info zu be­kom­men. Sobald et­was de­fi­ni­ti­ves fest­steht, wer­de ich es hier nach­tra­gen.

[Nachtrag vom 21. März 2017: Heute hat Holger es of­fi­zi­ell in ei­ner facebook-Meldung ver­kün­det: Bierlieb schließt zum 31. März 2017. Am 25. März gibt es no­ch ei­ne Abschlussparty, und ge­plan­te Seminare lau­fen no­ch bis Ende April – da­na­ch bleibt der Laden zu. Das Konzept des Bierlieb geht nach Holgers Meinung nicht mehr auf. Zitat: „wir [wer­den] den Bedürfnissen des sich än­dern­den Umfeldes so lang­fris­tig nicht ge­recht“. Ich bin ge­spannt, wo wir Cristal, Richard (der auch ge­ra­de er­st sei­nen Job als Braumeister bei Berliner Berg auf­ge­ge­ben hat) und Holger dem­nächst wie­der­se­hen.]

Schräg ge­gen­über auf der an­de­ren Straßenseite liegt Flessa Bräu im Hinterhof ei­nes Miethauses. Christoph Flessa hat hier vor ei­ni­gen Jahren mit ei­nem Braumeister 50 an­ge­fan­gen, sei­nen Traum von ei­ner ei­ge­nen Brauerei um­zu­set­zen. Seitdem wird ei­gent­li­ch stän­dig er­wei­tert; mo­men­tan ist er bei ei­ner 5 Hektoliter Anlage an­ge­kom­men. Die Biere gibt es ei­gent­li­ch nur in ei­ni­gen Bars und Läden, aber ei­nen Blick in die Brauerei kann man wäh­rend der Arbeitszeit im­mer wer­fen.

Eure KneipeChristian „Lenny“ Lennartz ist ge­lern­ter Brauer und mit sei­nen Marke „Lenny’s Artisanal Ales“ ein Original der Berliner Gipsy-Brauer-Szene (wo­zu na­tür­li­ch ge­hört, dass er gar kein Berliner ist). Er zieht fast stän­dig in der Welt um­her und braut mit den lo­ka­len Brauereien Collaboration-Sude. Aktuell ist in ei­ni­gen Bars z.B. sein im Kühlschiff des Hallerndorfer Gänstaller Bräu gehopf­tes El Dorado Lager zu ha­ben. Die vor ei­ni­gen Wochen in Südostasien ge­brau­ten Biere wa­ren ob des lo­gis­ti­schen Aufwands lei­der nicht in Europa zu be­kom­men. Lenny’s Biere fin­det man ab und zu in ver­schie­de­nen Berliner Bars. Eine Kneipe, die im­mer Lenny’s im Angebot hat, ist „Eure Kneipe“ in der Nähe des Bersarinplatzes.

In der ty­pi­schen Kiez-Kneipe ist es al­ler­dings nicht leicht, den Stammgästen das teu­re Craft-Bier schmack­haft zu ma­chen. Deswegen gibt es Lenny’s im Moment nur aus der Flasche. Das für Berlin an­geb­li­ch ex­klu­si­ve Angebot von Haake-Beck Pils vom Fass konn­te mi­ch nicht ganz über­zeu­gen. Ab Mai soll dann ein Frühlings-Bock und even­tu­ell ein Pils von Lenny am Hahn sein.

Michelberger HotelVon dort läuft man die Bersarinstraße wei­ter am Frankfurter Tor vor­bei in die Warschauer Straße bis über die Warschauer Brücke. Einfacher geht’s na­tür­li­ch wie­der mit der Straßenbahn M10, die ih­re Endhaltestelle am S- und U-Bahnhof Warschauer Straße ge­nau vor der Tür des Michelberger Hotels hat. Hier gab es ein­st die er­s­te Möglichkeit, in Berlin die Mikkeler Biere zu trin­ken. Davon ist ein Kühlschrank mit Mikkelerberger Pale Ale ge­blie­ben, aus dem auch ei­ni­ge an­de­re Craft-Biere an­ge­bo­ten wer­den. Die Auswahl ist aber be­grenzt. Das Pale Ale ist so­li­de ge­braut, eher auf der tro­cke­nen Seite der Pale Ale Scala.

Michelberger Bar

Michelberger Bar

Hier ist die Tour nun wirk­li­ch zu Ende, auch wenn ein Anschluss über die Oberbaumbrücke in Richtung Kreuzberg mög­li­ch wä­re. Aber das lest ihr dann in ei­ner der nächs­ten Folgen der Berliner Bierwege. Für den Heimweg nimmt man am bes­ten die ge­gen­über­lie­gen­de U-Bahn-Linie U1 oder die S-Bahn vom 200 Meter ent­fern­ten Bahnhof Warschauer Straße.

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